Bis Atomsprengköpfe nur noch im Museum zu sehen sind, dürfte es noch ewig dauern.

Foto: AP / Susan Montoya Bryan

Washington – China hat den Ausbau seines Nukleararsenals nach Einschätzung der US-Streitkräfte deutlich beschleunigt. Dies könnte dazu führen, dass China bis 2027 über 700 einsatzbereite Atomsprengköpfe verfügen könnte, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht des Verteidigungsministeriums an den Kongress zu China hervorgeht. "Die Volksrepublik China beabsichtigt wahrscheinlich, mindestens 1.000 Sprengköpfe bis 2030 zu haben."

Im vergangenen Jahr hatte das US-Ministerium vorhergesagt, dass sich Chinas Bestand an Atomsprengköpfen von damals etwas mehr als 200 binnen innerhalb eines Jahrzehnts mindestens verdoppeln werde.

China dementiert Bericht

China wies den Bericht als "vorurteilsbehaftet" zurück. "Der vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichte Bericht ignoriert wie ähnliche Berichte der Vergangenheit Fakten und ist voller Vorurteile", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Wang Wenbin, am Donnerstag in Peking.

"Der vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichte Bericht ignoriert wie ähnliche Berichte der Vergangenheit Fakten und ist voller Vorurteile", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Wang Wenbin, am Donnerstag in Peking.

Laut dem US-Bericht investiere Peking in die Anzahl ihrer land-, see-und luftgestützten nuklearen Trägersysteme und baue die notwendige Infrastruktur, um diese Erweiterung zu unterstützen. Ein Pentagon-Vertreter nannte die Entwicklung "besorgniserregend". Allerdings gehen die USA dem Bericht zufolge nicht davon aus, dass China einen grundlosen Atomschlag auf einen atomar bewaffneten Gegner plant.

USA veröffentlichen Anzahl der Sprengköpfe

Die USA hatten im vergangenen Monat erstmals seit Jahren die Zahl ihrer Atomsprengköpfe veröffentlicht. Nach Angaben des US-Außenministeriums gab es am 30. September 2020 einen Bestand von 3.750 Atomsprengköpfen – 55 weniger als im Jahr zuvor. Seit 1994 haben die USA diesen Angaben zufolge 11.683 Atomsprengköpfe abgebaut. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri schätzte die Zahl der Atomsprengköpfe Chinas in einer Mitteilung vom Juni auf 350. Spitzenreiter in der Sipri-Liste war Russland mit 6.255 Sprengköpfen.

Hinter Russland, den USA und China lagen in der Sipri-Schätzung Frankreich (290), Großbritannien (225), Pakistan (165), Indien (156) und Israel (90). Im Fall von Nordkorea schätzt Sipri auf Basis des produzierten spaltbaren Materials, dass das Land 40 bis 50 Atomsprengköpfe bauen oder gebaut haben könnte. (APA, 4.11.2021)