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Noch ist Käse aus dem Labor ein Nischenprodukt und in Europa noch nicht einmal zugelassen. In Zukunft soll er aber laut den Herstellern echtem Käse Konkurrenz machen.

Foto: Getty Images/Jaromila

Vegane Alternativen zu Milch gibt es im Supermarkt bereits einige: Von Soja- über Hafer-, Mandel-, Dinkel- oder Reismilch bis hin zu einer vor wenigen Monaten von schwedischen Wissenschaftern entwickelten Erdäpfelmilch kommen immer mehr pflanzliche Alternativen auf den Markt. Bei Käse hingegen schaut die Auswahl dürftiger aus: Zwar gibt es bereits einige pflanzliche Käsealternativen, beispielsweise Cashewnuss-Camembert, Sojakäse, Erbsenfeta oder geriebenen Reismozzarella. Doch nicht wenige Menschen kritisieren, dass die Käsealternativen nicht wirklich wie Käse aussehen und auch nicht danach schmecken.

Einige Start-ups versprechen deshalb, Käse im Labor herzustellen, um nicht nur beim Aussehen, sondern auch beim Geschmack echtem Käse möglichst nahe zu kommen. Der Laborkäse soll im Vergleich zu herkömmlicher Käse- und Milchherstellung weniger CO2- und Methanemissionen produzieren und – ähnlich wie bei Fleisch aus dem Labor – ohne die Probleme bei der Tierhaltung auskommen. Das Einsparungspotenzial wäre jedenfalls groß: Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind Fleisch und Milchprodukte insgesamt für rund 14,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Verwendung von Kuhmilch-DNA

Eines von jenen Unternehmen, die Laborkäse entwickeln, ist das holländische Start-up Those Vegan Cowboys. Anders als bei pflanzlichen Käsealternativen setzt das Unternehmen dabei auf Casein, ein in Milch enthaltenes Protein, das viele Hersteller für den typischen Geschmack und die Textur bei herkömmlichem Käse verantwortlich machen. Das Casein wird mithilfe einer speziellen Fermentationstechnik, mit der beispielsweise auch Medikamente wie Insulin hergestellt werden, im Labor produziert.

Dafür werden laut dem Unternehmen Kopien von DNA aus Kuhmilch in Mikroben eingesetzt. Diese genetisch veränderten Mikroben sollen bei der künstlichen Milchproduktion in etwa die Rolle der Kuh übernehmen. Sie werden in Containern gemeinsam mit anderen pflanzlichen Stoffen und Fetten vermengt, um eine milchähnliche Flüssigkeit zu produzieren, die am Ende zu Käse verarbeitet werden kann.

Mozzarella aus dem Labor

Auf eine ähnliche Methode setzt auch das deutsche Start-up Formo. Mithilfe genetisch veränderter Mikroorganismen sollen im Labor veganer Mozzarella und Ricotta-Käse und bald auch Cheddar-Käse entstehen. Erst kürzlich erhielt das Unternehmen 50 Millionen Dollar Finanzierung, ab 2023 wolle man die Produkte dann auch in Supermärkten verkaufen, heißt es.

Schon etwas weiter ist das US-amerikanische Unternehmen Perfect Day, das für die Herstellung des Laborkäses ebenfalls mit Kuhmilch-DNA bestückte Mikroorganismen verwendet und seine Produkte in mittlerweile mehr als 5.000 Geschäften in den USA anbietet. In den nächsten Monaten soll auch Frischkäse im Labor entstehen.

Im Moment noch teurer

Das Problem: Noch ist es in den meisten Fällen schwierig, Käse im Labor in großen Mengen herzustellen. Die meisten dieser Produkte wären laut Experten im Moment wohl noch um einiges teurer als herkömmlicher Käse. Es könnte daher noch Jahre dauern, bis Laborkäse echtem Käse wirklich Konkurrenz machen kann.

Zudem könnte die Zulassung in Europa weit länger dauern als beispielsweise in den USA – aus Sorge wegen genetisch modifizierter Zellen, die bei der Herstellung eingesetzt werden, sagen Experten. Die Hersteller entgegnen jedoch, dass die modifizierten Zellen nur am Anfang der Herstellung verwendet werden und das finale Produkt keine genetisch veränderten Zellen enthalte.

Ist das noch Käse?

Zusätzlich stellt sich die Frage, wie Veganer auf Laborkäse reagieren. Denn bei der Herstellung ist zwar keine Kuh direkt involviert, es wird aber zumindest der genetische Code aus der Kuhmilch benötigt, weshalb einige Konsumentenorganisationen eine genaue Auskunft über die Herkunft der DNA fordern.

Auch die Frage nach dem Namen und der Vermarktung der Produkte ist noch nicht geklärt. Aktuell wird darüber diskutiert, ob diese dann Laborkäse oder kultivierter Käse genannt werden sollen und ob die Bezeichnung "Käse" beziehungsweise "Milch" in diesem Fall verwendet werden dürfte. Schon in der Vergangenheit haben traditionelle Milch- und Käsebetriebe in vielen Ländern dagegen lobbyiert, dass Hafer-, Soja- und andere Milchersatzprodukte als Milch beworben werden dürfen. Hätte der Laborkäse einen anderen Namen, müssten sich wohl auch die meisten Konsumenten erst einmal mit den neuen Produkten vertraut machen.

Fragen zu Gesundheit

Nicht zuletzt sind noch einige gesundheitliche Fragen zu Käse aus dem Labor offen. So warnen einige Ernährungswissenschafter davor, dass Labormilch und Laborkäse möglicherweise nicht dieselben Nährstoffe wie echte Milch beziehungsweise Käse enthalten und daher eventuell auch für Kleinkinder nicht unbedingt geeignet sind.

Von einigen Herstellern, beispielsweise Perfect Day, wiederum heißt es, dass Laborkäse sehr wohl viele der Nährstoffe wie in normalem Käse enthalte. Auch den derzeit am Markt befindlichen Käseersatzprodukten wolle man bei den Nährstoffen voraus sein.

Das Unternehmen rechnet damit, dass in den nächsten Jahren die Produktionsmengen steigen und somit auch die Preise fallen werden. Würden zusätzlich einige der Subventionen für Tierhaltebetriebe fallen, könnte man bei den Preisen noch früher mit konventionellen Betrieben konkurrieren, so das Argument. Das Ziel: eines Tages beinahe jede Käsesorte auch im Labor produzieren zu können. (Jakob Pallinger, 11.11.2021)