Ärzte trifft vor einem Eingriff eine umfassende Aufklärungspflicht.

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Wird einem Patienten zugesichert, von einem bestimmten Arzt operiert zu werden, muss dieser den Eingriff auch selbst vornehmen. Führt die Operation jemand anderer durch, kann der Patient laut Obersten Gerichtshof Schadenersatz verlangen (OGH 15.9.2021, 7 Ob 124/21t).

Einem Mann war für seine Operation ein bestimmter Oberarzt empfohlen worden. Er wünschte sich deshalb, von ihm persönlich operiert zu werden. Der Arzt sicherte ihm das zu. Tatsächlich wurde die Operation – ohne den Patienten darüber zu informieren – allerdings von einem Assistenzarzt durchgeführt. Der Oberarzt übernahm lediglich die Aufsicht über den Eingriff.

Rechtswidrige Operation

Als der Mann davon erfuhr, klagte er die Krankenanstalt auf Schadenersatz. Die Operation sei nicht vom gewünschten Arzt durchgeführt worden, der Eingriff daher rechtswidrig gewesen. Vor Gericht bekam der Patient Recht – und zwar in allen Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof.

Laut den Richtern habe der Mann zwar in die Operation eingewilligt, allerdings nur unter der Bedingung, dass ein bestimmter Arzt den Eingriff durchführt. Gerade bei medizinischen Behandlungen komme es in "besonderem Maß auf das Geschick, das Urteilsvermögen und die Erfahrung des die Operation ausführenden Arztes an". Dem Argument, dass der Operateur derjenige sei, der den Eingriff leitet und beaufsichtigt, folgten die Richter nicht.

Auch dass die Operation tatsächlich "lege artis", also ordentlich durchgeführt wurde, ändere nichts daran, dass der Eingriff rechtswidrig war. Gelungene Operationen gelten zwar nicht als Körperverletzung. Erfolgt der Eingriff ohne Bewilligung, kann aber etwa Schadenersatz wegen der Operationsschmerzen verlangt werden. (japf, 5.11.2021)