Ex-US-Präsident Barack Obama zeigte bei der Weltklimakonferenz Verständnis für den Frust der jungen Leute.

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Glasgow/Washington – Die meisten Länder haben laut dem früheren US-Präsidenten Barack Obama bei der Umsetzung ihrer bei der Pariser Klimakonferenz 2015 gemachten Zusagen "versagt". Die Welt müsse den Ausstoß von Treibhausgasen dringend senken und zusammenarbeiten, um die Erderwärmung zu bremsen, sagte Obama am Montag bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow.

"Gefährlicher Mangel" an Problembewusstsein

"Wir haben nicht annähernd genug getan, um dieser Krise zu begegnen", sagte Obama, der 2015 zur Zeit der Pariser Klimakonferenz Präsident war. Unter seinem Nachfolger Donald Trump seien dann "einige unserer Fortschritte ins Stocken geraten". Unter Trump waren die USA aus dem Klimaschutzabkommen ausgestiegen, der jetzige Präsident Joe Biden machte das nach seinem Amtsantritt im Jänner umgehend rückgängig.

Die meisten Länder seien in Sachen Klimaschutz "nicht so ehrgeizig, wie sie sein sollten", sagte Obama. China und Russland beispielsweise legten in dieser Frage einen "gefährlichen Mangel" an Problembewusstsein an den Tag.

Verständnis für Frust

An jugendliche Klimaaktivisten bei der Konferenz gerichtet sagte Obama, er könne deren Frustration über mangelnde Klimaschutzbemühungen verstehen. Den größten Teil ihres Lebens seien sie mit Warnungen "bombardiert worden", was passiere, wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird. "Und gleichzeitig seht ihr, wie viele Erwachsene so tun, als ob das Problem entweder nicht existieren würde, oder sich weigern, die notwendigen harten Entscheidungen zu treffen".

Um etwas zu ändern, sollten wahlberechtigte junge Leute zur Wahl gehen, "als ob euer Leben davon abhinge", sagte Obama: "Die harte Tatsache ist, dass wir erst dann ehrgeizige Klimapläne bekommen werden, wenn Regierungen Druck der Wähler spüren."

Obama redete den den Verhandlern in Glasgow ins Gewissen. "Die Welt muss sich bewegen – und zwar jetzt." Die zweite und entscheidende Woche der Weltklimakonferenz beginne mit den Verhandlungen auf Ministerebene, auch Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) wird in Schottland erwartet.

Erster Entwurf "außerordentlich schwach"

Ob bei dem Gipfel in den letzten Tagen noch entscheidende Fortschritte erzielt werden, ist fraglich: Die ersten veröffentlichten Stichpunkte für die Abschlusserklärung stießen bei Umweltschützern auf herbe Kritik. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan bezeichnete die bisher bekannten Punkte als "außerordentlich schwach". Kritik kam auch von der österreichischen Umweltorganisation Global 2000: Sie nannte den bisherigen Verlauf der Konferenz "Schönfärberei" und "Greenwashing".

Der Entwurf – im Fachjargon des Gipfels als "Non-Paper" bezeichnet – bleibt bei vielen Themen im Ungefähren. Vorgaben für ein Auslaufen von Verbrennungsmotoren oder Enddaten für einen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas gibt es nicht, obwohl Gastgeber Großbritannien "Kohle, Autos, Geld und Bäume" zur Priorität erklärt hatte. COP-Präsident Alok Sharma verteidigte sich: "Ziel ist, einen Konsens zu erreichen."

Die Delegationen aus rund 200 Staaten haben bis Freitag noch viel Arbeit vor sich. Ziel ist es, die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad im Rahmen des physikalisch Möglichen zu halten. Bei den Gesprächen tut sich eine Kluft zwischen den reichen Industriestaaten, die für einen Großteil der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich sind, und den ärmeren, besonders stark vom Klimawandel betroffenen Staaten, auf. Letztere fordern konkrete finanzielle Unterstützung für bereits entstandene Schäden. (APA, AFP, red, 9.11.2021)