Vizepräsidentin der EU-Kommission Vera Jourova kritisiert die konstante Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen.

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Brüssel – Gleiche Arbeit, aber unterschiedliches Gehalt: Mehrere EU-Kommissar*innen bemängeln weiterhin zu hohe Unterschiede zwischen dem Lohn von Frauen und Männern in der EU. Frauen verdienen in der EU derzeit im Schnitt 86 Cent im Vergleich zu jedem Euro, den ein Mann verdient, kritisierten die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Věra Jourová, Sozialkommissar Nicolas Schmit und die für Gleichberechtigung zuständige Kommissarin Helena Dalli am Montag in einer gemeinsamen Erklärung.

Richtlinie zur Lohntransparenz

Fortschritte bei der Bekämpfung unterschiedlicher Löhne zwischen Männern und Frauen würden nur langsam sichtbar. Anlässlich des Europäischen Tags der Lohngleichheit am 10. November fordern sie das Europaparlament und die EU-Länder auf, eine bereits vorliegende Richtlinie zur Lohntransparenz unverzüglich anzunehmen. "Obwohl das gleiche Entgelt für Männer und Frauen seit mehr als 60 Jahren in den EU-Verträgen verankert ist, ist es immer noch nicht vollständig Realität", heißt es in der Erklärung.

Die Kommissionsmitglieder sehen sich in ihrer Forderung von Umfrageergebnissen bestärkt: Den Angaben zufolge sind 64 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dafür, dass Durchschnittslöhne in ihrem Unternehmen nach Art der Arbeit und nach Geschlecht offengelegt werden.

In Österreich lag der Gender-Pay-Gap im Jahr 2019 bei 19,9 Prozent. Er hat sich zwar seit 2009 um fünf Prozentpunkte verringert, liegt aber immer noch deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Auch die Grünen setzen auf Lohntransparenz und forderten anlässlich des Equal-Pay-Day am 25. Oktober Nachbesserungen bei den Einkommensberichten. Diese sollen bereits von Betrieben ab 35 Beschäftigen erstellt werden. Derzeit gilt das nur für Unternehmen ab 150 Beschäftigten. Zudem fordert die grüne Frauensprecherin Meri Disoski Sanktionen für Betriebe, die keine Berichte vorlegen. Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) setzt hingegen auf Beratung. Im Rahmen des vom Arbeitsministerium geförderten Projekts "100 Prozent – Gleichstellung zahlt sich aus" können die Betriebe kostenlos Beratung in Anspruch nehmen.

Zähe Entwicklung

Auch Abseits der Lohnschere attestierte kürzlich der Gender-Equality-Index, den das Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen erstellt, der EU nur sehr langsame Fortschritte bei der Gleichstellungen der Geschlechter. Wenn diese weiter in dem bisherigen Tempo vorangebracht wird, werde es bis zur faktischen Gleichberechtigung noch bis 2085 dauern. Hinzu kommt, dass durch die Corona-Krise die zäh erreichten Fortschritte wieder zunichtegemacht werden könnten, erklärte die SPÖ-Europaabgeordnete Evelyn Regner anlässlich der Präsentation des Index Ende Oktober. So gibt es bei der Vollzeitbeschäftigung von Frauen kaum Zuwächse in Österreich – was sich in einem hohen Gender-Pay-Gap niederschlägt. Während Österreich bei der Lohnschere auf den hinteren Plätzen liegt, befindet es sich bei der Gleichstellung insgesamt mit 68 Prozent im EU-Schnitt. (APA, red, 9.11.2021)