In Österreich sorgen Lkws, aber auch Pkws für 98 Prozent des Mikroplastiks, das durch Reifenabrieb entsteht.
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Mikroplastik ist ein wichtiges Schlagwort beim Thema Umweltschutz. Zwar sind die Auswirkungen der winzigen Kunststoffpartikel im Detail noch nicht so gut erforscht, es gibt aber Hinweise darauf, dass gerade die winzigsten Teile, die etwa in die Lunge gelangen, dort für Schäden sorgen können. Umso wichtiger ist es, abzuschätzen, wie viel Mikroplastik uns eigentlich umgibt.

Damit beschäftigte sich auch ein Forschungsteam der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien: Es berechnete, dass rund 21.200 Tonnen an Mikroplastikpartikeln im Jahr 2018 auf Österreichs Straßen landeten. Das ausführliche Ergebnis ihrer Studie stellen die Fachleute im Fachmagazin "Environmental Pollution" vor. Gering ist auch der Anteil der besonders kleinen und daher besonders schädlichen Abriebreste nicht. Immerhin 600 Tonnen an Partikeln kleiner als fünf Mikrometer und neun Tonnen in Nanometerbereich beschert demnach vor allem der Lkw-Verkehr dem Land.

Motorräder und Fahrräder fallen kaum ins Gewicht

Die Forschungsgruppe um Florian Part vom Institut für Abfallwirtschaft an der Boku heftete sich im Rahmen ihrer Studie auf die Fersen des Reifenabriebs im Transitland Österreich. Demnach kommt man hierzulande auf stattliche 2,4 Kilogramm pro Jahr und Person (aus der Bevölkerung des Landes). Dass dieser Wert nicht annähernd durch den Abrieb bei einem durchschnittlich viel gefahrenen Familienauto erreicht werden kann, liegt auf der Hand.

Den Analysen zufolge verliert ein acht Kilogramm schwerer Reifen in drei Jahren und auf 60.000 Kilometern Strecke in etwa ein Fünftel seiner Masse. Für ihre Studie bezogen die Forschenden erstmals "alle Kfz-Klassen inklusive Transitverkehr mit ein", hieß es von Part am Dienstag in einer Aussendung.

Lkw tragen mit einem Anteil von 57 Prozent am stärksten zur Staubpartikelproduktion bei, dahinter folgen Pkws mit 41 Prozent. Für den kleinen Rest zeichnen vor allem Busse verantwortlich. Motorräder, Mopeds oder Fahrräder fallen hier wenig ins Gewicht. Immerhin in etwa 60 Prozent der gesamten Mikroplastikemissionen im Land gehen laut der Materialflussanalyse für Fahrzeugreifen auf den Straßenverkehr zurück.

Auswirkungen im Detail noch ungeklärt

Als Mikroplastik zählen üblicherweise Plastikpartikel mit einer Größe von unter fünf Millimetern Durchmesser. Es gibt freilich unterschiedliche Größenstufen. Je kleiner die Feinstaub- und Ultrafeinstaubpartikel, desto leichter können sie auch in die Lunge und in weiterer Folge in die Blutbahn geraten und gesundheitsbedrohlich werden. Eine Studie aus diesem Jahr stellte fest, dass Mikroplastik Zellwände und rote Blutkörperchen mechanisch destabilisieren kann. In den Bereich der Nano-Plastikteilchen fallen laut der Boku-Analyse 0,3 Prozent des Abriebs.

Abseits der Gummipartikel gelangen auch Reifeninhaltsstoffe wie Additive, Füllstoffe und vor allem Industrieruß im Ausmaß von geschätzten 5.500 Tonnen jährlich in die Umwelt. "Studien haben gezeigt, dass diese Nanopartikel über die Atemwege bei schwangeren Frauen sogar bis zum Fötus gelangen können", sagt Part. Abbauprodukte mancher Reifenadditive können im Körper zudem Wirkungen entfalten, die Hormonen ähneln. Wie genau sich derartige Stoffe auf die Umwelt und im Menschen auswirken, sei vielfach noch nicht hinreichend geklärt, so die Forschungsgruppe, die in weiteren Arbeiten Anreicherungseffekte in Böden sowie in Fluss- und Seesedimenten simulieren will.

Robuste Reifen, weniger Autoverkehr

Zur Vermeidung von Reifenabrieb könnten möglichst robuste Reifen beitragen. Nicht zuletzt "müssten die Menschen generell weniger Auto fahren, da der Individualverkehr weiter zunehmen wird", sagt Part, der auch auf den Beitrag des Fahrstils und der Straßenbeschaffenheit hinweist.

Selbst wenn sich nämlich der Lkw-Verkehr zunehmend auf die Schiene verlagern würde, gehe der Trend beim Pkw-Verkehr weiter nach oben, wie Prognosen zeigen. Das Ausrollen der E-Mobilität werde hier kaum einen Effekt zeitigen, da Elektroautos vermutlich mindestens den gleichen Abrieb produzieren, wie herkömmliche Pkw. Auch die Weiterentwicklung umweltfreundlicher Reifen sollte daher vorangetrieben werden. (APA, red, 9.11.2021)