Sport und Bewegung steigern die Resilienz. Das tut gut, wenn die Pandemie die Psyche belastet.

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Die allgemeine Gesundheit hat durch die Corona-Pandemie massiv gelitten. Aber nicht nur durch die Krankheit und die damit einhergehenden Todesfälle, auch indirekt haben die vergangenen 20 Monate Spuren hinterlassen. Besonders betroffen: die Psyche. 2020 hatten mehr als doppelt so viele Menschen depressive Symptome wie noch 2019. Das geht aus dem Bericht "Gesundheit auf einen Blick" der OECD hervor, der gestern in einer Onlinepressekonferenz präsentiert wurde.

Die Organisation vergleicht in dieser Studie Schlüsselindikatoren für die Gesundheit der Bevölkerung und erfasst, wie effizient die Gesundheitssysteme in ihren 38 Mitgliedstaaten und einigen Schwellenländern arbeiten. Das alles beherrschende Thema heuer: Corona, dessen Einfluss sich massiv zeigt. 2020 und im ersten Halbjahr 2021 kam es durch die Pandemie in den Mitgliedstaaten zu einem Anstieg der erwarteten Todesfälle um 16 Prozent. Die Sterblichkeit stieg in Österreich in diesem Zeitraum um 9,1 Prozent im Vergleich zum Zeitraum 2015 bis 2019. Das bedeutet für Österreich eine Verringerung der Lebenserwartung um 0,7 von 82 auf 81,3 Jahre.

Nicht alle diese Todesfälle sind Corona-Tote, betont Michael Müller, Gesundheitspolitik-Analyst bei der OECD und Präsentator der Studie: "Diese Übersterblichkeit bildet auch indirekt von Corona Betroffene ab, wenn beispielsweise Menschen nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht sofort ins Krankenhaus gegangen sind, vielleicht weil sie Angst hatten vor Corona, und deshalb nicht ausreichend versorgt werden konnten."

Klar zeigen die Daten, dass die Corona-Gefahr für Ältere besonders groß ist: Mehr als 90 Prozent der Covid-Toten waren über 60 Jahre alt. Überproportional betroffen waren dazu benachteiligte Menschen, Angehörige von Minderheiten sowie Immigrantinnen und Immigranten.

Viele indirekte Folgen

Eine Corona-Folge, die man in ihren Auswirkungen noch nicht absehen kann, ist das Versäumnis diverser Vorsorgeuntersuchungen, wie Müller betont: So fanden 2020 etwa 34 Prozent weniger Darmkrebsuntersuchungen im Vergleich zu 2019 statt, man musste auf verschiedene, nicht lebensnotwendige Operationen deutlich länger warten.

Ein weiteres Problem: Der Großteil des Gesundheitsbudgets fließt in die Behandlung von Krankheiten, nur etwa drei bis vier Prozent davon stehen für präventive Maßnahmen zur Verfügung. Das wirkt sich auch negativ auf die Corona-Bilanz aus. So erhöht etwa Adipositas das Risiko für einen schweren Verlauf stark.

Betont wurde der negative Einfluss der Pandemie auf die psychische Gesundheit vor allem von Kindern und Jugendlichen, die besonders stark betroffen sind, wie die Schweizer Kinder- und Jugendpsychiaterin Susanne Walitza bestätigt: "Psychische Belastung zeigt sich bei den Jungen oft unspezifisch mit Schlafproblemen oder Aufmerksamkeitsdefiziten. Vor allem die Unsicherheit in der Pandemie belastet sie, aber auch der fehlende Kontakt außerhalb der Familie. Hier braucht es gezielte Maßnahmen für bessere Resilienz. Wir haben in unseren Studien klar gesehen: Je stärker die Resignation war, desto mehr Angst und Depressionen haben sich gezeigt. Haben sich die Menschen dagegen aktiv verhalten, sich informiert, engagiert und auch Sport betrieben, ist es ihnen insgesamt deutlich besser gegangen." Genau diese Selbstermächtigung gilt es zu stärken, betont die Expertin. (Pia Kruckenhauser, 10.11.2021)