An bunten Christbaumkugeln, glitzerndem Lametta und niedlichen Holzengelein wird ein stimmungsvolles Weihnachten nicht scheitern. Auch nackt braucht niemand herumzulaufen, so viel steht fest. Dennoch erfordern die Vorbereitungen rund um das Fest heuer besondere Aufmerksamkeit: In einer Welt, in der Konsum auf Knopfdruck möglich ist, Ware jederzeit in unzähligen Variationen und schier unermesslichen Mengen bereitstehen, gibt es heuer Einschränkungen.

Heuer zu Weihnachten werden manche Dinge nicht ausreichend verfügbar sein. Die Weihnachtsgans gehört dazu.
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Von Mangel zu sprechen wäre zu viel, auch wenn die Konsumenten es nicht mehr gewöhnt sind, nicht sofort zu bekommen, was das Herz begehrt. Gut möglich, dass der Blazer für die festtägliche Abendgarderobe vom Händler nun statt in soigniertem Beige in Blau eingepackt werden muss. Sehr wahrscheinlich wird das Sofa, das partout mit dem grün karierten Stoff bespannt werden sollte, der so gut zum gülden schimmernden Lampenschirm passt, nicht mehr rechtzeitig im Wohnzimmer landen. Ziemlich sicher ist das schicke E-Bike für den Gespons, sollte es nicht schon im Keller stehen, leider nicht mehr verfügbar. Auch dass im Kreis der Familie heuer eine Weihnachtsgans verspeist werden kann, ist keineswegs gesichert.

Echter Mangel sieht gewiss anders aus. Wer sich bei Händlern und Herstellern umhört, bekommt aber stets das Gleiche zu hören: Ware kommt teils um Wochen, manchmal um Monate zu spät, schlimmstenfalls gar nicht an.

Rechtzeitig eingedeckt

Dass die Kunden und Kundinnen die Engpässe nicht dramatischer spüren, hat damit zu tun, dass mit allen Kräften versucht wird, das Problem so klein wie möglich zu halten. Nichts soll die Laune der Shoppingwilligen trüben. Einzel- und Großhändler haben sich ganz gegen ihre Gewohnheiten eingedeckt bis über die Ohren. "Wir haben überdisponiert", nennt Thorsten Schmitz, Chef der Sporthandelskette Intersport, das und meint, man habe sich reichlich mit Ware eingedeckt.

Auch der Möbelriese XXXLutz hat im burgenländischen Zurndorf neben der Ostautobahn Platz geschaffen. Seit 2019 wird hier an einem gigantischen Lagerhaus gebaut. Halb Europa soll von hier aus mit Möbeln versorgt werden – und mit all dem Krimskrams wie Dekoartikeln, Bettwäsche, Kleinmöbeln, überwiegend made in Fernost. Man habe aus den Erfahrungen der letzten Monate seine Schlüsse gezogen, sagt Sprecher Thomas Saliger.

Viele der Waren im Spielzeughandel kommen aus China.
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Diese Erfahrungen haben viele gemacht. Fahrräder waren im Sommer praktisch ausverkauft, lange Wartezeiten gab es für die neue Küche, die zu Ostern geordert, im Sommer montiert und im Herbst mit dem neuen Kühlschrank komplettiert worden ist. Wer ein Haus baut oder saniert, scheiterte an scheinbar einfachen Dingen wie Holz, Dämmmaterial, Kanalrohre, Stahlbeton. Von den Wartezeiten auf ein Auto gar nicht zu reden.

Wenn viele konsumieren

Es hakt und spießt sich an allen Ecken und Enden. In vielen Teilen der Wirtschaft ist der Warenfluss gestört. Nicht weil weniger produziert wird, wie die meisten Ökonomen erklären. Die Konsumausgaben in den reichen Volkswirtschaften sind dank der fiskalischen und monetären Unterstützung in die Höhe geschnellt und verlagerten sich mehr auf das Häusliche, auf den Garten, neue Möbel oder elektronische Geräte für daheim. Restaurant und Urlaube waren bekanntlich gestrichen. In viele Teilen der Welt wollten die Konsumenten dasselbe: konsumieren. Das Ausmaß haben viele unterschätzt. Der Automobilsektor etwa wurde von der Nachfrage nach der in den Corona-Monaten zurückgefahrenen Produktion kalt erwischt. Die für Autos unverzichtbaren Sensoren waren schlicht nicht aufzutreiben.

Wenn Chips fehlen

Die Chiphersteller haben sich auf die Belieferung von Laptop- und Mobiltelefonherstellern konzentriert. Die Gerätschaft war auch während der Pandemie gefragt. Wer sich heute ein neues Auto zulegen will, kann es Ende nächsten Jahres in Empfang nehmen – oder noch später.

Mangel bedeutet allerdings keine leeren Regale. Dafür wird von den Händlern mit viel Aufwand gesorgt.
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Chips braucht es für Unterhaltungselektronik, elektrische Zahnbürsten, Mixer, Kühlschränke und E-Herd: Wer sich auf ein bestimmtes Modell kapriziert, hat womöglich Pech und muss mit monatelangen Wartezeiten rechnen. Auch Spiel und Spaß könnten beim Weihnachtseinkauf leiden: Der japanische Unterhaltungskonzern Nintendo hat eben wegen Chipmangels sein Produktionsziel für die Switch-Spielekonsole zurückgeschraubt.

Wenn Werkstoffe ausgehen

Technologische Neuerungen, Digitalisierung, Ökologisierung und das Anspringen der globalen Wirtschaft nach der Pandemie kurbelten die Nachfrage aber nach allen erdenklichen Materialien rund um den Globus an. Werkstoffe wie Carbon, das es für teure Fahrräder braucht, oder Magnesium, das für Autozulieferer wichtig ist, Stahl, Bitumen, Glas, Silizium, Kupfer, Kunststoffe, es sind nur einige der Zutaten, die für die Betriebe in der Bauindustrie oder in der Warenherstellung unverzichtbar sind.

Spielzeughändler können zum Beispiel vom Kunststoffmangel ein Lied singen. Wer eine originalgetreue Miniaturausgabe einer Feuerwehr der Marke Bruder verschenken will, wird Pech haben. Nicht aufzutreiben – obwohl in Deutschland produziert wird, sagt Johannes Schüssler, Spielzeugfachhändler aus Frohnleiten in der Steiermark. Er spricht als WKO-Funktionär für die ganze Branche.

Insgesamt kämen 70 bis 80 Prozent der Waren aus Fernost. Aber auch europäische Hersteller haben ihre Probleme, und das nicht erst seit Corona. Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind. Beim Spielzeugriesen Lego sind laut Schüssler so manche Bestseller regelmäßig vor Weihnachten ausverkauft. Andere wie den Wiener Spieleverlag Piatnik ereilen zuweilen andere Probleme in der Lieferkette: Zuletzt erwies sich der an an eine Werkstätte (die Menschen mit Beeinträchtigung beschäftigt) ausgelagerte Verpackungsvorgang als Nadelöhr.

Wenn der Transport wackelt

Eingedeckt habe sich aber ganz grundsätzlich auch die Spielzeugbranche. Denn dass es Knappheiten gebe, zeichne sich seit Monaten ab. Auch bei den Transporteuren ist nämlich viel Sand im Getriebe. Das weltweite Luft- und Seefrachtaufkommen liegt zwar nahe einem Allzeithoch, trotzdem reicht das nicht aus. Der berühmt-berüchtigte Reissack, der in China umfällt, hat immens an Gewicht zugelegt. Erkranken im Containerhafen Ningbo, einem der größten der Welt, nur zwei Hafenarbeiter an Covid, kommen die Bauklötze aus China nicht nach Österreich. Der Hafen wird zugesperrt – hunderte Containerschiffe stauen sich dann in der Bucht von Hangzhou. Ähnlich strikt verfährt man am Frachtflughafen in Schanghai, ebenfalls einer der größten der Welt.

Eines der großen Container-Terminals in China. Hier wird bei Covid-Fällen kurzer Prozess und alles dicht gemacht. Aber nicht nur in chinesischen Häfen gibt es Stau.
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Pekings Zero-Covid-Politik führt dazu, dass nur wenige Infektionsfälle genügen, um auch für die Weltwirtschaft wichtige Nadelöhre wie den Flughafen Pudong in Schanghai lahmzulegen. Gasdruckfedern für Drehsessel, Federgabeln für Fahrräder, oft sind es kleine Bauteile, die festhängen – und den Kreislauf zum Erliegen bringen. Entspannung ist noch nicht in Sicht, meint die Logistikexpertin Tina Wakolbinger von der WU Wien. Denn es gebe ein weiteres Problem: "Auch fehlende Mitarbeiter in vielen Bereichen sind ein Problem, mit dem die Logistik noch länger kämpfen wird."

Wenn zu spät geliefert wird

Bei den Fahrrädern ist das ein Riesenproblem. "Die Verfügbarkeit geht gegen null", sagt Holger Schwarting. Teilweise kämen Fahrräder, die die Händler im März bestellt hätten, jetzt erst an. Vor allem E-Bikes sind betroffen, sagt der Vorstand von Sport 2000, die von rund 300 Fachhändlern getragen wird. Was diese betrifft: Wer es sich leisten konnte und Platz hat zu lagern, hat im Sommer weltweit zusammengekauft, was ging – und kann liefern. Mit Wintersportartikel von Ski bis Schneeschuh sei man derzeit gut bestückt, so Schwarting. Aber: "Fällt der Schnee in tiefe Lagen, ist das schnell einmal verkauft."

Auf raschen Nachschub ist nicht zu hoffen. Das Thema werde alle wohl noch in das neue Jahr begleiten, ist Schwarting überzeugt. Laufschuhe würden mit Sicherheit im Frühling knapp. Das Problem liegt in Vietnam und an den dort verhängten Lockdowns – und es betrifft nicht nur die Laufschuhe, wie Stefan Vollbach, Chef der Vorarlberger Edelfahrradschmiede Simplon, schmerzlich feststellen muss.

Auch in Los Angeles stauen sich die Schiffe. Knapp 100 Schiffe warten jeden Tag im Ozean darauf, in den Häfen von Los Angeles und Long Beach abgefertigt zu werden. Mit ein Grund: Der Mangel an Arbeitskräften in den USA. Eigentlich sollten sie rasch nach Asien zurückshippern, dort fehlen sie nämlich.
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Am Beispiel seiner Fahrräder lassen sich die Schattenseiten der fein gesponnenen Lieferketten und die Probleme, die im Sturm daraus resultieren, illustrieren. China hat dem taiwanesischen, in China produzierenden Partner wegen der Energieprobleme im Land kurzerhand den Strom abgestellt. Der behalf sich mit Dieselgeneratoren, Kosten pro Woche: 5000 Dollar. Dazu kommt Carbonmangel, weswegen Peking mit der Auslieferung an den japanischen Carbonspezialisten Toray knausert – dass China und Japan einander nicht grün sind, hat damit nicht unwesentlich zu tun. Das Material muss nun über andere Länder geschleust werden – das dauert.

Die Lockdowns in Vietnam – auch dort produziert der taiwanesische Partner – führten dazu, dass ein Teil der dortigen Mitarbeiter abgesprungen ist – ergo: langsamere Produktion. Zudem hat sich der Preis von Aluminium verdoppelt und fällt heute das Zehn- bis Zwölffache bei den Transportkosten an, sagt Vollbach. In "zermürbender Klein-Klein-Arbeit schaffe man es dann aber doch, die Fahrräder fast in der geplanten Menge fertigzustellen. Die Preise hat Vollbach bislang nur bei einer Baureihe erhöht, aber das wird sich ändern.

Wenn die Preise steigen

Andere haben das wohl getan, was sich als Inflationstreiber deutlich bemerkbar macht. Das wird sich auch nicht so schnell ändern, schätzt EZB-Ratsmitglied Olli Rehn. Eine spürbare Linderung sei wahrscheinlich erst gegen Ende 2022 zu erwarten, sagte der finnische Notenbanker am Freitag auf einer Online-Konferenz. Die Teuerungsrate im Euroraum lag im Oktober mit 4,1 Prozent so hoch wie seit über 13 Jahren nicht mehr.

Fahrradproduktion in Taiwan. Aus Asien kommen aber auch zu den heimischen Herstellern viele Komponenten. Das ist derzeit ein Problem.
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Die Spielzeughändler tragen dazu nichts bei, beteuert Spielzeugfachhändler Schüssler. "Wir müssen die Krot schlucken." Höhere Preise seien derzeit nicht drin. Zu groß sei die Konkurrenz von Riesen wie Amazon und Co, die quasi die Preise vorgeben. Andernorts werden die Konsumenten die Probleme an der Preisfront spüren. Auch der Bekleidungshandel spürt die Staus im Containerverkehr, sagt Günther Rossmanith, Modehändler und Kammerfunktionär: "Die Ware kommt oft drei Wochen zu spät."

Während üblicherweise in solchen Fällen ein besserer Preis ausgehandelt werde, wird jetzt abgewunken. Man werde die Ware auch so los. Teurer wurde sie bislang noch nicht. Aber mangels Nachschubs falle wohl heuer der großflächige Supersale rund um den Black Friday bei Bekleidungsketten aus. Minus 30, minus 20, minus zehn Prozent auf alles: Heuer nicht, sagt Rossmanith. Wohl aber werde es bei einzelnen Stücken Rabatte geben.

Viele Österreicher starten heuer früher mit dem Einkauf von Weihnachtsgeschenken – vor allem Familien mit Kindern gehen auf Nummer sicher.
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So groß die Bemühungen der Händler sind, für volle Regale zu sorgen: An den Konsumenten gehen die Probleme nicht spurlos vorüber, wie eine Umfrage des Instituts für Handel, Absatz und Marketing der Johannes-Keppler-Uni in Linz zeigt. Demnach startet ein Viertel der Österreicher heuer früher mit dem Einkauf von Weihnachtsgeschenken – vor allem Familien mit Kindern gehen auf Nummer sicher. Mangelnde Verfügbarkeit sei aber ein altes Problem des Handels, "mit dem bis heute wenige gut umgehen können", so der Leiter des Instituts, Christoph Teller. Dabei sei es die ureigenste Aufgabe des Handels, sich für solche Fälle Alternativen, Preisreduktionen oder Gratislieferservice zu überlegen.

Spielzeughändler Schüssler hat das erkannt. Heuer ist etwa das große Harry-Potter-Legoschloss nicht mehr lieferbar. "Große wie Amazon und Co scheren sich nicht um solche Probleme, für Kleine ist das eine echte Chance." Immerhin sei man gut vernetzt und was der eine nicht hat, stöbert der andere vielleicht im Lager auf.

Engpässe bei Lebensmittel

Nichts tun kann er bei einem anderen Problem: Weihnachtsengpässe gibt es auch bei manchen Lebensmitteln. Laut Großhändler Kastner gibt es etwa Lieferschwierigkeiten bei Tiefkühlgänsen aus Ungarn. Das hat verschiedene Gründe. Einer davon: Viele Bauern hätten zuletzt wegen der drastisch gesunkenen Nachfrage während der Corona-Monate weniger Tiere gemästet. Die vorbestellten Mengen würden nur zu 50 Prozent geliefert – und die gelieferte Ware kommt verspätet. Auch an der Schnitzelfront droht Mangel. Knapp sei Kalbfleisch aus den Niederlanden, das gerne im Gasthaus aufgetischt wird.

Aber nicht nur importierte Ware trifft es: So sei zu den Weihnachtsfeiertagen und zu Silvester ein Engpass bei den Edelteilen heimischer Rinder (Lungenbraten, Beiried etc.) zu erwarten Warum? Zu wenige Tiere für die Schlachtung und hohe Futtermittelpreise. Spüren könnten Engpässe aber nicht nur Fleischtiger: Auch Süßkartoffeln werden knapp. Grund sind Ernteausfälle und große Nachfrage. (Regina Bruckner, 12.11.2021)