Ich werde Ihnen keinen Bären aufbinden, ab nächster Woche könnte es spätabends bald nicht mehr heißen: "Da steppt der Bär." Die sprichwörtlich frequenteste Tierbezeichnung im Deutschen ist dieses zottelige Säugetier. Doch das war nicht immer so. Der Bär ist eines der berühmtesten Beispiele für das archaische Sprachtabu. Der Aberglaube verbot die Nennung des Tiers, um es nicht herbeizurufen. Wer "The Revenant" mit Leonardo DiCaprio gesehen hat, weiß auch, warum. Der indogermanische Name *rktos ist aufgrund des Tabus vielerorts verlorengegangen, geblieben ist in den germanischen Sprachen der Bär, althochdeutsch bero, was wahrscheinlich einfach "der Braune" bedeutete. Die lateinische Bezeichnung ursus ist in den romanischen Sprachen und Sternbildern zu finden.

So in etwa geht es vielen von uns seit bald zwei Jahren, wenn wir versuchen, über ein allgegenwärtiges Thema nicht zu sprechen oder zu schreiben und uns wünschen, Corona, die spanische Bezeichnung für "Krone", würde sich weiterhin alltagssprachlich auf das mexikanische Mais-und-Reis-Bier mit Limette beziehen. Doch das Spannende an Tabus ist wohl, sie zu brechen, und der alte psychologische Trick "Denken Sie jetzt bitte keinesfalls an blaue Kronen" funktioniert immer noch. Und, was sind Ihre Tabus so?

Erzählen Sie mir Ihre, erzähle ich meine. Nach dem Motto: "We are even, Steven." Ein weiterer Ausspruch, der mir öfters beim serienmäßigen (binge watching) Folgenschauen ins Auge gesprungen ist, lautet: "Look me in the eye"Yes. In welches? "The eye" klingt verdächtig nach monatelanger Seekrankheit und Zyklopenhöhle mit Scha(r)f.

Inselromantik dank Venus

Dann lieber doch direkt auf die Insel und nicht auf dem Wasser bleiben. Ich erhielt dieser Tage eine Werbemail eines Reisebüros mit der überhaupt nicht persönlichen Frage: "Sie planen zu Heiraten?" Schrieben sie heiraten klein, hätte ich beinahe "Ja" gesagt. Danach kamen wunderschöne Inseln auf Bildern zum Vorschein, die das Verb fast wieder kleiner erscheinen ließen. Ich warte dann trotzdem doch lieber auf die nächste Heiratsmail. Denn wie meine Lieblingsastrologin, Gerda Rogers, vergangenen Sonntag versprach (nicht mir, aber man bezieht natürlich gerne alles auf sich): "Ich bin überzeugt, die Venus rast nicht an Ihnen vorbei."

Zum Thema Strand passt aus geografischen Gründen auch der vor etwas längerer Zeit getätigte Ausspruch von Rudolf Anschober auf Ö1 zu Epidemie-Regelungen: "Und wenn etwas in Italien funktioniert, dann soll man das nicht immer neu umsetzen wollen, sondern genauso machen."

Wie bald man sich international wiedersehen möchte

Uns verbindet viel mit Italien, nicht nur Melanzani, Maroni, Zucchini und vegane Reisgerichte. In Italien wird im öffentlichen Leben auch ähnlich wie bei uns verabschiedet, und zwar mit dem berühmten "Arrivederci" – auf Wiedersehen. Wann man sich wiedersieht, das lassen wir offen. Die Portugiesen sind da zuversichtlicher und sagen liebend gerne "Até amanhã" – bis morgen, was besonders bei nicht tagtäglich aufgesuchten Orten wie Friseursalons lustig ist. Die etwas Älteren antworten daraufhin zweifelnd: "Se Deus quiser" (So Gott will).

In Madrid zeigt man sich noch zuversichtlicher und sagt beim Abschied: "Hasta luego!" – bis später – sehr sympathisch. Wer weiß, ob sich die Wege nicht wenige Stunden später wieder kreuzen? Diese Einstellung würde auch erklären, wieso Tag und Nacht so viele Menschen unterwegs sind. Sie nehmen wohl die Verabschiedung beim Wort, müssen ihr Versprechen einhalten und noch schnell einmal beim Obststand vorbeischauen. Der Taxifahrer, der mich vergangene Woche zum Flughafen Madrid führte, sagte "Adiós!" und rief mir dann, was sehr schön war, noch ein "Hasta luego!" nach. "I'll be back" – dachte ich.

Falls der böse Terminator aus dem ersten Film Ernst macht, könnten die Maschinen für einen Blackout sorgen. Oder ein Blackout? Seitdem von dieser stromlosen Gefahr in den Medien die Rede ist, wurde aus "das Blackout" verstärkt "der Blackout". Man vergleiche früher: "Mit dem Sedlacek hab' ich auf der Firmenfeier rumgeschmust? Ich hatte wohl ein Blackout!" und heutzutage: "Österreichische Unternehmen rüsten sich für einen Blackout." Verständlich vor der Firmenfeiern-Weihnachtszeit. "Österreichische Unternehmen rüsten sich für Burn-outs", wäre vielleicht wichtiger.

"Auf Wiedersehen", "Bis bald", "Tschüss".
Foto: Getty Images/freemixer

Bis morgen!

Besonders gerne mag ich das Wort Level. Schon in der Volksschule, als Super Mario der Mühlviertler Sonne in den Sommerferien vorgezogen wurde, diskutierten wir, ob es nun "das" oder "der" Level hieße. Man brauchte wohl Suchmaschinen. Die einzigen Suchmaschinen, die wir hatten, waren unsere dicklichen Bauernhofkatzen. Sie fanden immerhin die Maus, was mir bei Work-and-Travel-Versuchen Schwierigkeiten bereitet. Ich verschustere übrigens regelmäßig den für die Maus so wichtigen kleinen, schwarzen USB-Stecker. Das in Österreich gebräuchliche Wort "verschustern" ist befreundet mit "verschmeißen", kann aber auch heißen, eine Chance zu vergeben, beim Fußball etwa.

Lassen wir uns die Chancen nicht entgehen, uns bald wiederzusehen. In diesem Sinne: Bis morgen! (Barbara Dvoran, 17.11.2021)