Für sie sei die Entscheidung recht einfach gewesen, sagt Christina S. Und meint damit: Ihre Tochter sollte einen Doppelnamen bekommen – da waren sie und ihr Partner sich einig. Die beiden sind nicht verheiratet, "wollten aber trotzdem, dass unsere Tochter wie wir beide heißt. Dafür nahmen wir auch in Kauf, dass sie einen unglaublich langen Nachnamen hat."

Bei vielen anderen Paaren geht das nicht so flott. Es ist ja auch keine einfache Frage, die man sich nach der Geburt des Kindes stellen muss: Wird es heißen wie sie? Wie er? Oder doch wie beide?

Dass Kinder einen Doppelnamen tragen, ist seit 2013 möglich. Die Novelle im Namensrecht sollte neuen Familienkonstellationen Rechnung tragen, sagt die Familienrechtsexpertin Carmen Thornton. In den drei Jahrzehnten zuvor war die Zahl unehelicher Kinder stark gestiegen. "Viele Eltern hatten den Wunsch, dass die Abstammung sich im Namen unabhängig der traditionellen Ehe wiederfinden soll."

Gleichberechtigung gefordert

Lange Zeit war nicht daran zu rütteln, dass der Name des Mannes weitergegeben wird, meist sogar über Generationen. Eva-Maria Schmidt, Soziologin am Österreichischen Institut für Familienforschung, erklärt: "Der Name war ein Element männlicher Herrschaft." Dann kam die Frauenbewegung. Frauen wollten arbeiten und autonom sein, waren immer besser gebildet. "Auch das romantische Ideal veränderte sich. Es ging stärker um eine gleichberechtigte Beziehung."

Mitte der 1970er-Jahre wurde beschlossen, dass der Name der Frau als Familienname geführt werden kann. Seit 1986 gibt es die Möglichkeit eines Doppelnamens sowohl für Frauen als auch für Männer. Seit 1995 können beide Eheleute ihren Namen behalten. Vor acht Jahren wurden schließlich Doppelnamen für Kinder erlaubt. "Dadurch sollte das patriarchale System weiter aufgebrochen werden", sagt Expertin Thornton.

Um für ihr Kind einen Doppelnamen festzulegen, müssen nichtverheiratete Paare beim Standesamt vorstellig werden. Denn nach der Geburt trägt das Kind automatisch den Namen der Mutter. Den Doppelnamen können die Eltern gemeinsam eintragen lassen. "Für uns war das ein sehr feierlicher Akt", erzählt S. "So quasi: Das ist unser gemeinsames Kind, und wir tragen jetzt offiziell ein, dass es unseren gemeinsamen Namen hat." Ab 14 Jahren könnte sich ihre Tochter übrigens für einen der Namensteile entscheiden, wenn sie sich mit dem anderen nicht wohlfühlt.

Praktischer Doppelname?

Wie viele Kinder in Österreich tatsächlich einen Doppelnamen haben und ob es mehr werden, lässt sich nicht ermitteln. Weder Behörden noch Statistik Austria haben dazu Daten. Ein Blick auf die Namensschilder im Kindergarten und die Anmeldeliste beim Babyschwimmkurs legt aber nahe: Die Ausnahme ist der Doppelname nicht mehr; er schafft es offenbar häufiger auf die Geburtsurkunde.

Dazu, wie praktisch ein Doppelname ist, gibt es ebenfalls keine Studien. Christina S.' Tochter lebt als mittlerweile Fünfjährige jedenfalls "ganz gut damit", berichtet ihre Mutter. Wenn das Mädchen nach ihrem Namen gefragt wird, nenne sie immer ihren ganzen, lasse nichts weg. Anderen ist das offensichtlich zu mühsam. Bei Arztbesuchen oder im Kindergarten werde häufig nur der erste Teil des Doppelnamens genannt. "Mein Name geht also manchmal ein bisschen unter", so S.

Für viele steht ein Name für Zugehörigkeit.
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Eltern, mit denen wir für diesen Artikel gesprochen haben, begründen ihre Entscheidung damit, dass sie selbst ihren Nachnamen behalten wollen, denn er sei ein wichtiger Teil ihrer Identität. Gleichzeitig wollen sie nicht, dass ihr Kind anders heißt als sie. Es geht also um das Gefühl der Zusammengehörigkeit und den Wunsch, einen Namen mit dem Kind zu teilen – selbst wenn der eigene Partner womöglich anders heißt. Auch für S. war das der Grund, diese Variante zu wählen. Für sie wäre es "nicht stimmig", wenn ihr Kind nur den Namen ihres Mannes hätte. "Da hätte ich nicht verzichten wollen."

Oft fragende Blicke

Dass es "komisch" ist, wenn das Kind anders heißt, bestätigt eine andere Mutter, Angelika M. Da die Familie ihres Mannes "sehr traditionell eingestellt ist", stimmte M. nach der Geburt zu, dass ihr Sohn den Nachnamen seines Vaters bekommt. Eine Fehlentscheidung, wie sie später erkannte. "Ich begleite meinen Sohn zu 99 Prozent der Termine und habe oft fragende Blicke wegen der unterschiedlichen Namen erhalten."

Dann stand das Paar vor der Trennung – und M. wollte umso mehr einen Doppelnamen für ihren Sohn. "Das ist allerdings gar nicht so einfach." Da beide Eltern die Obsorge haben, brauchte sie dazu nämlich das Einverständnis des Mannes. Der zierte sich zunächst, unterschrieb aber letztendlich.

In Spanien haben Doppelnamen übrigens eine lange Tradition. Neugeborene bekommen den ersten Nachnamen des Vaters und den ersten Nachnamen der Mutter. Sie behalten ihn ein Leben lang, selbst nach einer Heirat. Früher hatte der Name des Vaters Vorrang – seit einigen Jahren können Eltern über die Reihenfolge frei entscheiden. Auch in Österreich ist es den Eltern überlassen, wie der Name zusammengesetzt ist. Hofer-Mayer ist ebenso möglich wie Mayer-Hofer. Aber was, wenn Vater und Mutter bereits einen Doppelnamen haben? Dann muss jeder einen Namensteil wählen, denn vier Namen sind nicht erlaubt.

Den Namen mischen

Dass es bei so einer Namensentscheidung auch einmal emotional wird, ist nicht auszuschließen. Paare, die den Doppelnamen ablehnen, aber beide nicht verzichten wollen, haben noch eine Möglichkeit – sie können ihre Nachnamen mischen.

Familienrechtsexpertin Thornton: "Eltern können aus ihrer beider Namen einen ganz neuen bilden. Wenn wir wieder das Beispiel Mayer und Hofer heranziehen, dann könnte das Kind auch einfach Mayhof heißen."

In Großbritannien und den USA wird das sogenannte "Meshing" immer populärer. In Österreich spielt es allerdings noch kaum eine Rolle. Schade, wenn man bedenkt, dass herkömmliche Namen zu durchaus kreativen Mischungen führen könnten. Namenskreatoren im Netz laden dazu ein, ein paar Varianten durchzuprobieren.

Eine weitere Alternative zum Doppelnamen, die Freunde der Autorin gewählt haben, als sie Nachwuchs bekamen: Ein Kind heißt wie die Mutter, das andere wie der Vater. Der Kreativität sind also wirklich keine Grenzen gesetzt. (Lisa Breit, 18.11.2021)