"Corona-Tote steckst du nackt in einen luftdicht verschlossenen Plastiksack, zippst zu und das war's", sagt eine Mitarbeiterin eines oberösterreichischen Spitals.

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Linz – Die vierte Corona-Welle hat die oö. Spitäler fest im Griff. Was es für das Gesundheitspersonal im Alltag bedeutet, zeigt ein Stimmungsbericht der APA: Von Sonntag auf Montag waren laut einer Insiderin in einem Krankenhaus so viele Todesfälle, dass die Prosektur nach einer Nacht am Limit war. "Die Leichen mussten wegen Überfüllung am Gang abgestellt werden", schilderte zum Beispiel Pflegefachkraft Monika (Name von der Redaktion geändert) im APA-Gespräch die aktuellen Zustände.

Kein normaler Abschied von Corona-Toten

Jeder Corona-Todesfall sei auch für langdienende Pflegerinnen wie sie eine enorme psychische Belastung. "Keiner draußen kann sich vorstellen, was das bedeutet." Nach einem Sterbefall richtet sie die toten Patienten für Angehörige noch her, macht die Haare, wenn Hinterbliebene im würdigen Rahmen Abschied nehmen wollen. Nicht so bei hochinfektiösen Leichen, wie sie dieser Tage oft vorkommen: "Corona-Tote steckst du nackt in einen luftdicht verschlossenen Plastiksack, zippst zu und das war's."

Die Arbeitsbelastung in der vierten Welle merkt sie deutlich. Es herrscht – wieder einmal – Ausnahmezustand in den Spitälern ob der Enns. Stationen sind geschlossen, um Belegschaft freizuspielen für die Corona-Abteilung. Andere Belegschaften werden ausgedünnt. Die Stimmung ist erschöpft. "Es brennt und du nimmst keinen Feuerlöscher, sondern Benzin", sagt sie. Schon vor Corona sei man auf ihrer Abteilung mit Mindestpersonalstand besetzt gewesen. "Mit Covid schwimmen wir total." Triagen, die zwischen Leben und Tod entscheiden können, erlebe sie hautnah mit. Erst vor kurzem sei eine betagte Frau eingeliefert worden, die nur noch 50 Prozent Sauerstoffsättigung aufwies. Normalerweise wäre dies ein Intensivfall, sagt Monika, aber es sei kein Platz frei gewesen. Die Dame war zäh und überlebte. "Da war auch Glück dabei", sagt Monika.

Massiv Überstunden geleistet

Die Krankenschwester klingt müde. "Du hast derzeit kein Privatleben mehr", sagt sie. Kaum aus dem Dienst läutet das Handy oder eine Nachricht kommt herein mit der Frage, ob man einspringen kann. "Man denkt nicht an Absage." Ihre Kolleginnen und Kollegen sind top, die interne Verbundenheit groß, meint sie. "150 Überstunden haben derzeit alle stehen."

Die Entwicklung macht ihr Angst, denn sogar Ältere würden über Kündigung nachdenken, würden sogar auf die Abfertigung verzichten. Junge Ärzte suchen aktiv nach Ordinationen. Die Stellenausschreibungen der Spitalsbetreiber werden immer mehr. Ihr derzeit größter Wunsch in dieser Welle: "Ich will keinen Bonus, der außerdem noch nicht ausbezahlt wurde. Ich will mein planbares Leben zurück." Einmal aufwachen und nicht am Handy die nächste Anfrage nach Einspringen sehen müssen. Ihre Hoffnungen darauf und die viele ihrer Kollegen im Spital auf diesen Moment beruhen auf Frühjahr. (APA, 17.11.2021)