Eine Fahrzeugkolonne in Neu-Delhi.

Foto: Reuters / Anushree Fadnavis

Neu-Delhi – Die indischen Behörden haben wegen eines dicken und stinkenden Smogs über der Hauptstadt Neu-Delhi mehrere umliegende Kohlekraftwerke vorübergehend schließen lassen. Auch Lastwagen dürfen nur eingeschränkt in die Hauptstadt fahren. Die meisten Bauarbeiten wurden gestoppt. Auch Schulen sollen bis auf weiteres geschlossen bleiben, wie eine Kontrollkommission, die sich mit Luftverschmutzung beschäftigt, am späten Dienstagabend mitteilte.

Das höchste Gericht hatte die Regierung zuvor aufgefordert, Maßnahmen gegen den schlimmen Smog zu ergreifen. Die Feinstaubbelastung in und um Delhi liegt derzeit um ein Vielfaches über den als akzeptabel angesehenen Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Einwöchige Schulschließung

Am Samstag hatte die Regierung der Hauptstadtregion bereits eine einwöchige Schließung aller Schulen angeordnet. Einen vom Obersten Gericht geforderten Lockdown lehnte sie jedoch am Montag ab. Eine solche Maßnahme sei nur sinnvoll, wenn auch die umliegenden Bundesstaaten in den Kampf gegen die Luftverschmutzung einbezogen würden, erklärte die regionale Regierung.

DER STANDARD

Neu Delhi ist eine der schmutzigsten Städte weltweit. Seit der vergangenen Woche hängt wieder einmal dichter grauer Smog über der Millionenmetropole. Zu der starken Luftverschmutzung haben unter anderem Bauern aus dem Umland beigetragen, die zu Beginn des Winters Erntereste auf ihren Felder abbrennen. Außerdem feierten kürzlich viele Menschen das hinduistische Lichterfest Diwali mit Feuerwerk. Eigentlich ist beides verboten, aber diese Verbote werden landesweit kaum durchgesetzt – unter anderem, weil für Politiker wichtige Interessengruppen betroffen sind.

Feinstaub zeitweise 30-fach über Grenzwert

In der vergangenen Woche lag die Feinstaubbelastung in Neu-Delhi zeitweise um das 30-Fache über dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation. Laut einem Bericht des Fachmagazins "The Lancet" starben im Jahr 2019 fast 17.500 Menschen in Delhi an den Folgen der Luftverschmutzung.

Die meisten Menschen in der Hauptstadt sehen die Luftverschmutzung aber nicht als großes Problem an. Die Politik versucht es immer wieder mit halbherzigen Lösungsansätzen und Notfallmaßnahmen wie derzeit. Ganz auf Kohle verzichten will Indien aber derzeit noch nicht. Weil noch viele Menschen keinen Strom haben, will das Land seine Stromkapazitäten noch deutlich ausbauen. Dabei wird sowohl auf mehr erneuerbare Energien, aber auch auf mehr Kohle gesetzt. (APA, 17.11.2021)