Nach Schätzungen belaufen sich die Coronavirus-Einbußen für den Tourismus weltweit auf rund 3,4 Billionen Euro.

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Der Tourismus und die Flugbranche bekamen bisher die volle Corona-Breitseite ab, und ohne Staatshilfen wäre ein Großteil des Sektors wohl ausradiert worden. Aktien von Airlines, Hotelbetreibern, Kreuzfahrtschiffbetreibern, Reiseunternehmen und deren Zulieferern wurden von der Pandemie sehr schwer getroffen – die Kurse sackten ab.

Seit Februar zeigt sich hier aber ein sanfter Erholungskurs: Die europäische Reise- und Freizeitbranche, abgebildet im STXE 600 Travel & Leisure Index, hatte Ende April ein Rekordhoch erreicht. Hier haben die angelaufenen Impfkampagnen für neue Hoffnung gesorgt, dass Reisen und Events bald wieder möglich sein werden. Zwar ging es seither wieder rund zehn Prozent runter, doch das liegt auch am bevorstehenden Winter und den erneut steigenden Zahlen an positiven Corona-Tests.

So planen 42 Prozent der befragten Deutschen, der reisefreudigsten Nation in Europa, im Herbst oder Winter eine Urlaubsreise. 2019, also vor der Pandemie, waren es nur 18 Prozent, zeigt eine Umfrage des Deutschlandfunks.

Gemischte Gefühle

In Österreich ist die Situation nicht viel anders: Nach den massiven Reisebeschränkungen in den vergangenen eineinhalb Jahren wegen der Corona-Pandemie zieht es die urlaubshungrigen Landsleute nun wieder zunehmend ins Ausland. Seit Mai sind die Buchungszahlen ordentlich angesprungen, sie liegen aber noch um rund 40 Prozent hinter jenen des Normaljahrs 2019, melden die Reisebüros. Im Jahr 2022 könnte man 60 bis 80 Prozent der früheren Umsätze erreichen, so die Hoffnung.

Vor diesem Hintergrund rücken Aktien aus der Branche wieder in den Fokus der Anleger. Dazu gehört auch der deutsche Konzern Tui, das größte Touristikunternehmen der Welt mit Reisebüros, Incoming-Agenturen, Hotels, Fluggesellschaften, Kreuzfahrtschiffen und Reiseveranstaltern. Mit mehr als 48.000 Mitarbeitern machte Tui mit Doppelsitz in Berlin und Hannover im Vorjahr 7,95 Milliarden Euro Umsatz. Im Vor-Corona-Jahr 2019 beschäftigte man noch mehr als 71.000 Mitarbeiter und lieferte einen Umsatz von 18,9 Milliarden Euro.

Die Aktie des Konzerns litt stark unter den Corona-Beschränkungen und brach von einem Kurs von mehr als sieben Euro im November 2019 auf 1,50 Euro im September 2020 ein. Zuletzt notierte Tui bei rund 2,80 Euro – und hat damit aber noch genügend Luft zum All-Time-High von rund zwölf Euro im Mai 2018.

Normalisierung im Reiseverkehr

Die Gesellschaft rechnet angesichts der zunehmenden Normalisierung im Reiseverkehr für die Wintersaison 2021/22 mit einer breiteren Erholung im internationalen Geschäft und für den nächsten Sommer wieder mit Buchungen wie vor der Coronavirus-Krise.

Für die Sommersaison 2022 liegen Tui bisher 1,6 Millionen Buchungen vor, rund 326.000 mehr, als Mitte August gemeldet wurden. Der Konzern sprach von einer "sehr starken Buchungspipeline". Das dürfte auch erklären, warum das Tui-Papier mit zu den am meisten abgefragten Aktien im Internet gehört.

Durch die Reisebeschränkungen in den vergangenen eineinhalb Jahren war Urlaub in Österreich angesagt – jetzt zieht es die Urlaubshungrigen wieder mehr ins Ausland.
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Trotzdem sind nicht alle Analysten begeistert von dem Tui-Papier: Die Investmentbank Jefferies hat das Kursziel für Tui zuletzt zwar angehoben und damit etwas an den derzeitigen Aktienkurs angepasst. Die Bilanz des Touristikkonzerns werde jedoch von Kundeneinlagen gestützt, das mittelfristige Liquiditätsrisiko bleibe bestehen, heißt es.

Wer an ein Ende der Corona-Krise glaubt und billig zukaufen will, sollte das Tui-Papier im Auge behalten. Geht es nach dem Analystenkonsens, ist die Gesellschaft in der Lage, den Umsatz im kommenden Jahr sehr kräftig zu steigern.

Vogel fliegt wieder

Wenn es um Reisen und Airlines geht, ist die Lufthansa weltweit ganz vorne mit dabei. Die "Kranich-Airline", nach dem Vogel im Logo, gegründet 1926 in Berlin und 1953 neu aus der Taufe gehoben, ist Gründungsmitglied der größten Luftfahrtallianz Star Alliance und gehört zur Lufthansa Group, dem größten Luftverkehrskonzern Europas. Auch Swiss, Brussels Airlines und Austrian Arlines (AUA) sind Töchter der Lufthansa.

2019 erwirtschafteten noch mehr als 138.000 Mitarbeiter weltweit 42,6 Milliarden Euro mit einem Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro – rund 13,6 Milliarden Euro Umsatz waren es im Jahr 2020. Das bedeutet einen herben Umsatzverlust von rund 23 Milliarden Euro in nur einem Jahr. Die Folge war ein Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro.

Von den durch die Pandemie indizierten neun Milliarden Euro Staatshilfen, die den Kranich in der Luft halten sollten, hat der Konzern bereits 1,5 Milliarden Euro wieder zurückerstattet. Weitere Schritte in diese Richtung sollen bis zum Jahresende folgen.

Intakte Zukunftsaussichten

Die Aktie der deutschen Airline hatte jedoch schon vor der Pandemie ordentlich geschwächelt und war von ihrem Höchstflug bei mehr als 30 Euro Anfang 2018 weit entfernt. Ihren Boden fand sie Anfang Oktober 2021 bei rund 5,40 Euro.

Doch die Zukunftsaussichten sind intakt – vor allem der Wegfall von USA-Einreisebeschränkungen für viele Geimpfte macht der Lufthansa Hoffnung auf eine allmähliche Normalisierung von Geschäfts- und Privatreisen auf den wichtigen Nordatlantikrouten. Analysten unterstellen daher bei Lufthansa für 2022 im Schnitt eine erhebliche Umsatzausweitung. Auch in den drei Jahren danach soll es demnach mit den Erlösen weiter klar aufwärtsgehen.

In Sachen Ergebnis je Aktie erwarten Analysten von 2020 bis 2025 einen kräftigen Turnaround von minus 8,03 Euro auf 1,51 Euro. Auf letztgenannter Basis ergibt sich damit ein geschätztes KGV von unter vier.

Saftige Renditen

Ein Unternehmen, das nicht nur vom Reisegeschäft, sondern auch von der Formel 1 profitiert, ist das österreichische Do & Co. Der 1981 vom türkischstämmigen Unternehmer Attila Dogudan gegründete Caterer stieg 1987 mit der Lauda Air ins Luftfahrtgeschäft ein. Corona traf die weltweit aktiven Österreicher hart: In den ersten drei Quartalen 2020/2021 kam es zu einem Umsatzeinbruch von 75 Prozent auf 189,9 Millionen und einem Nettoverlust von fast 36 Millionen Euro. Denn dem Caterer brach auch der gesamte Eventbereich weg. Der Mitarbeiterstand schrumpfte um rund 3000 Personen.

Die Do-&-Co-Aktie hat aber von dem harten Sparprogramm und den Post-Corona-Hoffnungen profitiert: Die Anteilsscheine stiegen in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 126 Prozent auf rund 77 Euro – und das liegt sicher nicht nur an den feinen Delikatessen, die auf den Hauptversammlungen kredenzt werden. Der Umstand, dass auch für das Geschäftsjahr 2020/2021 keine Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet wurde, hat der Fantasie der Anleger offenbar keinen Abbruch getan.

Das Unternehmen geht davon aus, dass sich die Passagiernachfrage nicht vor 2023 auf das Niveau von 2019 erholen wird und dass auch das kommende Geschäftsjahr 2021/2022 und damit das Konzernergebnis weiterhin von der Covid-19-Situation belastet sein werden. Obwohl das kommenden Jahr noch deutlich von Corona gezeichnet sein werde, seien aber ein spürbarer Umsatzanstieg sowie eine Ergebnisverbesserung zu erwarten. (Reinhard Krémer, Magazin "Portfolio", 6.1.2021)