Der Mann, der nicht zu altern scheint: Der US-Schauspieler Paul Rudd wurde kürzlich vom "People"-Magazin zum "Sexiest Man Alive 2021" gewählt. Dass er auf Frauen bedrohlich wirkt, ist nicht anzunehmen.

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Die berühmte Modeschöpferin Coco Chanel (1883 – 1971) soll einmal gemeint haben: "Wir Frauen brauchen Schönheit, damit Männer uns lieben und Dummheit, damit wir Männer lieben." Wenn es darum geht, Vertrauenswürdigkeit einzuschätzen, mag an diesem Aphorismus durchaus etwas Wahres dran sein. Zu diesem Schluss zumindest kommt eine aktuelle Studie, bei der deutsche und Schweizer Wissenschafter untersucht haben, wie unterschiedlich Frauen und Männer sich in ihrem Urteil anhand von Gesichtern beeinflussen lassen.

Dass Menschen nach ihrem ersten Eindruck der Gesichtsmerkmale des Gegenübers einschätzen, wie sehr man einer Person vertrauen kann, haben bereits zahlreiche Studien nachgewiesen. Ein Team um Johanna Brustkern vom Institut für Psychologie der Universität Freiburg und Mirella Walker von der Universität Basel hat sich genauer angesehen, ob es dabei Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.

Attraktiv und bedrohlich

In ihrem Experiment sollten insgesamt 93 heterosexuelle ProbandInnen anhand von Porträt-Fotos einer Person des jeweils anderen Geschlechts entscheiden, ob sie dieser Geld anvertrauen würden – mit dem Risiko, dass sie das Geld für sich behält. Das Entscheidende: Die Gesichter auf den Fotos variierten in ihrer Attraktivität und Bedrohlichkeit.

Was sich in den im Fachjournal "Scientific Reports" vorgestellten Ergebnissen ganz klar zeigte: Beide Geschlechter vertrauten ihr Geld attraktiven Personen häufiger an als bedrohlich wirkenden Menschen. Es gab jedoch auch einen Geschlechtsunterschied: Während das Vertrauen bei Männern gleichermaßen von Attraktivität und Bedrohung beeinflusst wurde, änderte sich das Vertrauen bei Frauen stärker durch Bedrohung als durch Attraktivität.

Evolutionäre Wurzeln

"Das deutet darauf hin, dass das sehr attraktive Gesicht einer Frau ihre bedrohliche Ausstrahlung kompensieren kann – zumindest in den Augen heterosexueller Männer. Frauen lassen sich dagegen weniger von einem attraktiven, aber bedrohlichen Mann blenden", sagte Brustkern. "Diese Unterschiede könnten evolutionär bedingt sein, da Frauen während Schwangerschaft und Stillen viel Zeit und Ressourcen investieren und daher einen möglichen Partner mit Bedacht auswählen."

Koauthor Bastian Schiller ergänzt: "Unsere Studie zeigt, dass nicht alle Forschungsergebnisse in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften für Männer und Frauen gleichermaßen gelten." Es sei daher wichtig, der nach wie vor bestehenden Neigung zur Untersuchung rein männlicher Versuchspersonen entgegenzuwirken. Das Geschlecht sei eine wichtige Einflussvariable, so die Wissenschafter. Um unser heutiges Sozialverhalten besser zu verstehen, müssten biologisch "alte" Mechanismen in Studien mehr berücksichtigt werden. (red, 19.11.2021)