Hamilton schnappt sich die Pole Position.

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WM-Leader Verstappen startet nach einer Strafversetzung nur von Platz sieben.

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Max Verstappen muss noch vor dem drittletzten Saisonrennen der Formel 1 den nächsten Rückschlag im Titelkampf einstecken. Der WM-Spitzenreiter im Red Bull wird beim Großen Preis von Katar am Sonntagnachmittag (15 Uhr/Servus TV und Sky) um fünf Startplätze zurückversetzt. Er startet damit vom siebenten statt dem zweiten Platz und damit weit hinter dem überlegenen Pole-Setter Lewis Hamilton im Mercedes.

Gelbe Flaggen missachtet

Die Stewards verkündeten ihre Entscheidung rund anderthalb Stunden vor Rennbeginn und reagierten damit auf Verstappens Regelverstoß im Qualifying am Samstag: Der Niederländer hatte in einer gefährlichen Situation unter doppelt geschwenkter Gelber Flagge nicht ausreichend verlangsamt.

Auch Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas musste am Mittag wegen eines ähnlichen Vergehens zur Rennleitung: Der Finne, ursprünglich auf Rang drei, wird aufgrund des Missachtens einfach geschwenkter Gelber Flaggen um drei Ränge unmittelbar vor Verstappen auf Rang sechs zurückversetzt.

Horner: Falsche Entscheidung

"Das ist natürlich die falsche Entscheidung", sagte Red Bulls Teamchef Christian Horner auf ServusTV. "Es ist riesig frustrierend, dass die Renndirektion ihre Marshalls nicht im Griff hat", ärgerte sich der Brite. "So etwas eineinhalb Stunden vor dem Rennen zu machen, ist schrecklich."

Hamilton selbst beurteilte die womöglich rennentscheidende Strafe als konsequent und begrüßte sie dahingehend, als er selbst schon von solchen Entscheidungen betroffen gewesen war. Die Situation im Finish von Q3 des Qualifyings von Katar war am Samstag freilich in der Tat etwas unübersichtlich gewesen. "Max hat Gelb nicht gesehen. Die Anweisung war klar, nämlich dass die Strecke frei ist", beteuerte Horner.

Gasly rückt in Startreihe eins

Damit hat das Regulativ-Pendel in Katar gegen Verstappen ausgeschlagen, nachdem man eine Woche zuvor in Brasilien gleich zwei Mal mit Disqualifikationen bzw. Strafversetzungen gegen Hamilton vorgegangen war. Der Brite hatte dann von Platz zehn aus trotzdem gewonnen.

Red Bull legt in Katar keinen Gegenprotest ein, bestätigte Horner. "Obwohl es eine extrem harte Strafe ist, weil man hier nicht oder nur schwer überholen kann. Max wird trotzdem alles tun, um nach vorne zu kommen."

Größter Profiteur der Entscheidung war mit Pierre Gasly ausgerechnet jener Fahrer, der Chaos mit einem Reifendefekt ausgelöst hatte. Der AlphaTauri-Fahrer aus Frankreich rückte vom vierten auf den zweiten Startplatz vor und steht neben Hamilton in Reihe eins. In Startreihe zwei stehen Fernando Alonso (Alpine-Renault) und Lando Norris (McLaren-Mercedes).

Saisonendspurt

Die Situation für Verstappen spitzt sich damit weiter zu. Noch hat er 14 WM-Punkte Vorsprung auf Hamilton, der Engländer kann ihn in den drei verbleibenden Rennen aber aus eigener Kraft abfangen. Der Weltmeister hatte am Samstag unter Flutlicht in souveräner Manier seine 102. Qualifying-Bestzeit geholt. Er pulverisierte im dritten und letzten Qualifying-Abschnitt seine eigene Bestzeit.

Hamilton startet erstmals seit Ungarn von ganz vorne. Er habe zuvor Bauchschmerzen gehabt, sich am Samstag aber wieder pudelwohl gefühlt, verriet der Titelverteidiger. Wolff lobte und warnte: "Eine super Leistung von Lewis. Mit der Disqualifikation von Interlagos haben sie den Löwen in ihm geweckt."

Im Norden Dohas findet genau ein Jahr vor Beginn der Fußball-WM erstmals ein Formel-1-Rennen statt. Die Strecke ist kurzfristig für Melbourne eingesprungen. Ab 2023 gehört das wegen der angespannten Menschenrechtssituation umstrittene Katar für mindestens zehn Jahre dauerhaft zum Rennkalender. Am 5. Dezember findet mit Saudi-Arabien eine weitere Premiere statt. Das Saisonfinale steigt am 12. Dezember in Abu Dhabi. Für Hamilton wäre es der achte WM-Titel, für Verstappen der erste.

Wolff: "Volle Attacke"

Während zwischen den Fahrern großteils gesunde Konkurrenz herrscht, wird der Ton hinter den Kulissen immer rauer. Mercedes hat ein Verstappen-Manöver in Brasilien beeinsprucht um klarzustellen, was im Finish des Titelkampfes erlaubt ist. Der Niederländer hatte in Sao Paulo dem überholenden Hamilton keinen Platz gelassen und beide waren von der Strecke abgekommen. "Damit ist nun klar, was ab jetzt erlaubt ist", stellte Mercedes-Teamchef Toto Wolff klar, nachdem der Einspruch von den Stewarts nicht weiterverfolgt wurde.

Duell der Teamchefs: Wolff und Horner.
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Mittlerweile droht Red Bull seinerseits mit einem Protest gegen den Heckflügel der Mercedes, der dem Auto angeblich zu verdächtig hohem Topspeed verhilft. "Wir lehnen uns aber erst dann hinaus, wenn wir handfeste Beweise haben", ließ Berater Helmut Marko offen, ob tatsächlich der Flügel oder doch der neue Motor Hamilton zuletzt so schnell gemacht hat. Ein Protest sei "das allerletzte Mittel", sagte der Österreicher. Landsmann Wolff meinte: "Wir fahren die Ellenbogen aus, weil es die Regeln nun erlauben. Volle Attacke."

Von Boxen bis Mixed-Martial-Arts

Richtig schlechte Stimmung ist aber zwischen Wolff und Red Bull Teamchef Christian Horner, das war bei der FIA-Pressekonferenz in Katar unüberhörbar. "Es gibt keine Beziehung. Es ist ein Wettbewerb. Jeder folgt seinen eigenen Interessen", stellte dort Horner klar. Dann wurde der Engländer sogar persönlich: "Es ist das erste Mal, dass Mercedes wirklich gefordert ist. Und es ist spannend, wie die Leute reagieren, wenn sie unter Druck stehen, wenn sie herausgefordert werden."

Er habe auf privater Ebene weit mehr Drucksituation als die derzeitige auszustehen gehabt, hielt dem Wolff entgegen. Und während Horner meinte, dass dies nun der intensivste politische Titelkampf, in dem man sich bisher befunden habe, sei, stellte Wolff klar, dass die Handschuhe herunten sind. "Was als Olympisches Boxen begonnen hat, ist zum Profi-Boxen geworden und jetzt sind wir bei Mixed-Martial-Arts angekommen."

Nach dem Qualifying am Samstag sagte Wolff zum Streit mit Horner: "Zu viele Diskussionen. Wir blenden das ab nun komplett aus." (APA, red, 20.11.2021)

Großer Preis von Katar, Qualifying (eine Runde = 5,380 km)

1. Lewis Hamilton (Großbritannien) Mercedes 1:20,827 Minuten
2. Max Verstappen (Niederlande) Red Bull-Honda 1:21,282
3. Valtteri Bottas (Finnland) Mercedes 1:21,478
4. Pierre Gasly (Frankreich) AlphaTauri-Honda 1:21,640
5. Fernando Alonso (Spanien) Alpine-Renault 1:21,670
6. Lando Norris (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:21,731
7. Carlos Sainz jr. (Spanien) Ferrari 1:21,840
8. Yuki Tsunoda (Japan) AlphaTauri-Honda 1:21,881
9. Esteban Ocon (Frankreich) Alpine-Renault 1:22,028,
10. Sebastian Vettel (Deutschland) Aston Martin-Mercedes 1:22,785
11. Sergio Perez (Mexiko) Red Bull-Honda 1:22,346
12. Lance Stroll (Kanada) Aston Martin-Mercedes 1:22,460
13. Charles Leclerc (Monaco) Ferrari 1:22,463
14. Daniel Ricciardo (Australien) McLaren-Mercedes 1:22,597
15. George Russell (Großbritannien) Williams-Mercedes 1:22,756
16. Kimi Räikkönen (Finnland) Alfa Romeo-Ferrari 1:23,156,
17. Nicholas Latifi (Kanada) Williams-Mercedes 1:23,213
18. Antonio Giovinazzi (Italien) Alfa Romeo-Ferrari 1:23,262
19. Mick Schumacher (Deutschland) Haas-Ferrari 1:23,407
20. Nikita Masepin (Russland) Haas-Ferrari 1:25,859

Startaufstellung