Keine Pizza und Pasta mehr in der Trattoria, kein Caffè mit Cornetto in der Bar um die Ecke, keine Kino- und Theaterbesuche, keine Discos und Clubs, kein Fußballspiel im Stadion, kein Fitnessstudio: Diese Einschränkungen erwarten Ungeimpfte in Italien ab dem kommenden 6. Dezember.

Geselligkeit nur mit 2G-Zertifikat: Das schreibt Italiens Regierung ab 6. Dezember so vor.
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Zur Durchsetzung der neuen Regeln lanciert die Regierung von Mario Draghi zusätzlich zum bisher üblichen 3G-Zertifikat den "Super-Green-Pass": Diesen erhält man nur, wenn man entweder genesen oder geimpft ist, wenn man also die Kriterien erfüllt, die in Österreich dem 2G-Standard entsprechen. Ein negativer Test, egal ob PCR oder Antigen, reicht nicht mehr aus. Die neuen Einschränkungen sollen vorerst bis 15. Jänner gelten.

"Wir wollen die Normalität, die wir uns erkämpft haben, weiterhin erhalten: Wir wollen offen halten, wir wollen weiterhin ausgehen und uns vergnügen, wir wollen einkaufen gehen und unsere Kinder in der Schule wissen", betonte Ministerpräsident Draghi bei der Vorstellung des neuen Dekrets.

Und er versprach: "Es wird normale Weihnachten geben" – nicht wie im vergangenen Jahr, als die damalige Regierung von Giuseppe Conte über die Feiertage faktisch eine Ausgangssperre verhängt hatte. Das Versprechen normaler Weihnachten gilt freilich nur für Geimpfte und Genesene.

Gute Zahlen im Europa-Vergleich

Die neuen Restriktionen wurden verfügt, obwohl Italien bezüglich der Fallzahlen "europaweit am besten dasteht", wie Draghi betonte. In der Tat liegt die Sieben-Tage-Inzidenz mit 118 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner im Vergleich zu Österreich, Deutschland und der Schweiz tief, und die Zunahme der Fälle verläuft seit Wochen linear und nicht exponentiell.

Das liegt hauptsächlich an der hohen Impfquote in Italien, wo 87 Prozent der über Zwölfjährigen geimpft sind. Außerdem hat die italienische Regierung sehr früh mit zum Teil einschneidenden Maßnahmen dafür gesorgt, dass sich das Virus nicht mehr ungehindert ausbreiten kann.

So kann in Italien seit Mitte Oktober nur noch zur Arbeit gehen, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Als die Maßnahme eingeführt wurde, lag die Sieben-Tage-Inzidenz landesweit bei 30 Fällen – in anderen Ländern wurde mit analogen Maßnahmen so lange zugewartet, bis die Inzidenz auf 800 oder mehr Fälle explodierte.

(Noch) keine Pläne für allgemeine Impfpflicht

Noch früher wurde in Italien eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal sowie für Lehrerinnen und Lehrer eingeführt. Diese wird nun mit dem neuen Dekret auf das Verwaltungspersonal im Gesundheits- und Schulwesen sowie auf das Militär und die Polizei ausgeweitet. Für alle anderen Berufsgruppen reicht immer noch der alte Green Pass, also auch ein negativer Test.

Von der Einführung einer allgemeinen Impfpflicht, wie sie ab Februar in Österreich gelten soll, nimmt die Regierung vorläufig noch Abstand – eine derart drastische Maßnahme wäre bei den aktuellen Fallzahlen unverhältnismäßig. Vielmehr will die Regierung die Impfkampagne weiter vorantreiben.

Gesundheitsminister Roberto Speranza verkürzte im neuen Dekret die Frist für die Auffrischungsimpfungen nach der zweiten Dosis von sechs auf fünf Monate. Und nachdem die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) am Donnerstag dem Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab fünf Jahren die Zulassung erteilte, soll nun auch die Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen geimpft werden. Bei den Kindern werden in Italien derzeit die meisten Neuinfektionen registriert. (Dominik Straub aus Rom, 25.11.2021)