7.500 Schülerinnen und Schüler sind zum häuslichen Unterricht angemeldet, 900 von ihnen sind bereits wieder zurück in der Schule.

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Wien – 7.500 Schülerinnen und Schüler sind in diesem Schuljahr zum häuslichen Unterricht angemeldet, das sind dreimal so viele wie in früheren Jahren. Als Motiv für die verhältnismäßigen vielen Schulabmeldungen vermuten Schulbehörden Widerstand gegen die Corona-Sicherheitsmaßnahmen wie Test- und Maskenpflicht. Der von manchen erwartete Boom bei illegalen Privatschulen von Maßnahmengegnern dürfte allerdings ausgeblieben sein, wie ein APA-Rundruf in den Bildungsdirektionen nahelegt.

In Tirol wurden von der Bildungsdirektion drei private Lerngruppen den zuständigen Bezirkshauptmannschaften angezeigt. Das Motiv der Betreiber: Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Schulsystem und den Corona-Maßnahmen. Bei einem weiteren Verdachtsfall in Tirol stellte sich heraus, dass in einem Einfamilienhaus nur die eigenen Kinder unterrichtet wurden. Außerdem ist es in Kärnten in einem Fall zu einer Strafverfolgung gekommen: Im September war eine illegale Privatschule von Gegnern der Coronamaßnahmen in einem Wohnhaus in Villach entdeckt worden, in der zehn Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren unterrichtet wurden.

Wenige Verdachtsfälle

Zumindest Verdachtsfälle gab es auch in anderen Bundesländern. Konkret waren es vier in Vorarlberg, "eine Handvoll" in der Steiermark sowie "einige wenige" in Niederösterreich und Kärnten. Auch in Oberösterreich gab es Verdachtsfälle, eine Zahl wurde auf Anfrage nicht genannt. Im Burgenland gab es eine Verdachtsfall, in dem die Prüfung noch läuft. In Salzburg gab es ebenfalls einen Verdachtsfall, der sich allerdings nicht bestätigt hat. Wie sich bei einer Kontrolle der Bildungsdirektion zeigte, wurden bei dem Verdachtsfall im Flachgau rund zehn Kinder an den Vormittagen zwar gemeinsam betreut, nicht aber unterrichtet. Man ging davon aus, dass der Unterricht dann am Nachmittag durch die Eltern erfolge. Nur in Wien gab es bisher keinerlei Meldungen bei der Bildungsdirektion. Dabei sei man in der Stadt bei solchen Themen sehr sensibel und gut vernetzt, wie man bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft betont.

Werden Verdachtsfälle gemeldet, prüft zunächst die Bildungsdirektion die Hinweise und leitet diese, wenn der Verdacht sich erhärtet, an die Bezirksverwaltungsbehörde weiter. "Grundsätzlich ist es aber schwierig, solche Fälle nachzuverfolgen. Weder die Verwaltungsbehörde noch wir haben nämlich ein Zutrittsrecht", so die Kärntner Bildungsdirektorin Isabella Penz. Eine Anzeige sei nur möglich, wenn es handfeste Beweise gibt, "und genau das gestaltet sich äußerst schwierig", bestätigt man auch in Vorarlbergs Bildungsdirektion.

Hürden für Nachverfolgung

Dazu kommt, dass es für einen Verdachtsfall zunächst einmal jemanden brauche, der eine solche Gruppe bei der Schulbehörde, dem Jugendamt oder der Polizei meldet, sagt Ulrike Schiesser von der österreichischen Bundesstelle für Sektenfragen im Gespräch mit der APA. Gerade in kleineren Orten hätten Nachbarn allerdings Hemmungen, vor allem wenn sie keine unmittelbare Gefährdung für die Kinder erwarten. "Es könnte also sein, dass die Dunkelziffer doch höher ist." Für eine abschließende Bewertung sei es allerdings zu früh. Zumindest in Meldungen bei der Bundesstelle seien illegale Privatschulen zuletzt – anders als vor und rund um den Schulbeginn – kein großes Thema mehr gewesen. Hier könnte auch die Ankündigung des Bildungsministeriums, gegen solche illegale schulähnlichen Lerngruppen vorzugehen, eine Bremswirkung gehabt haben, vermutet Schiesser.

Für die abgemeldeten Schülerinnen und Schüler sei es übrigens nicht zwingend eine gute Nachricht, wenn sie nicht in einer solchen Gruppe unterrichtet werden, sondern von den eigenen Eltern. Immerhin könne das neben den Konflikten, die dabei zwischen Eltern und Kind entstehen, auch dazu führen, dass Kinder vereinsamen oder beim Lernen sich selbst überlassen werden. "In diesen Unterrichtsgruppen kann man den Kindern natürlich verstärkt problematische Ideologien aufdrücken, wenn ein Guru oder eine Elternschaft entsprechende Ideen hat. Auf der anderen Seite ist eine solche Gruppe zumindest ein gewisses Korrektiv, wo auch andere Eltern Einblick haben, wie es den Kindern geht."

900 in Schulen zurückgekehrt

Unterdessen ist die Zahl der "Rückkehrer" unter den ursprünglich 7.500 Abgemeldeten – das ist rund ein Prozent der betreffenden Altersgruppe von sechs bis 15 – noch weiter gestiegen: Laut Rückmeldungen sind mit Stand Mitte November fast 900 mittlerweile in die Schule zurückgekehrt, das sind gut 400 mehr als noch einen Monat zuvor.

Besonders hoch ist die Zahl der "Rückkehrer" in Wien mit 353 von 870 Abgemeldeten. In der Bundeshauptstadt hatten Schulpsychologen jede Familie kontaktiert. Einige hätten sich wohl fälschlicherweise beim häuslichen Unterricht ähnliche Unterstützung wie beim allgemeinen Distance Learning erwartet, hieß es aus der Bildungsdirektion zur APA, andere hätten mit den nicht absehbaren Coronaregeln gehadert.

Corona-Maßnahmen als Ursache?

In Niederösterreich sind immerhin 277 von 2.049 Abmeldern zurück in der Schule, in Oberösterreich 117 von 1.408, in Vorarlberg 30 von 339, in Kärnten 34 von 452 und im Burgenland 20 von 285. Vergleichsweise weniger waren es in Tirol (31 von 550) und in Salzburg (19 von rund 400), in der Steiermark sind von den 1.100 betroffenen Kindern überhaupt nur "einige wenige" wieder in die Schule zurückgekehrt.

Die Motive, die für die Schulabmeldungen genannt werden, stehen erwartungsgemäß oft im Zusammenhang mit Corona. In der burgenländischen Bildungsdirektion berichtet man einerseits von Eltern, die ihre Kinder durch den Heimunterricht vor dem Virus schützen wollen und von anderen, die ihren Kindern die Covid-Testungen in der Schule "nicht antun wollen". Manche Familien seien aber auch einfach viel im Ausland unterwegs und würden ihre Kinder daher selbst unterrichten. Auch in Oberösterreich wird auf vielfältige Gründe verwiesen, Unzufriedenheit mit den Covid-Maßnahmen mache aber sicher einen Teil aus. In der Steiermark hofft man unterdessen, die Gründe für die Abmeldung wie auch die Rückkehr spätestens zum Ende des Semesters beim sogenannten freiwilligen Reflexionsgespräch zu erfahren. (APA, 28.11.2021)