Vor seinem Griechenland-Besuch war der Papst auch auf Zypern, wo er in Nikosia zum Beispiel den Kardinal Bchara Boutros Rai traf.

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"Seine Anwesenheit wird uns Kraft, Hoffnung und ein wenig Trost geben." Das sagte ein Asylbewerber aus dem Kongo zur Nachrichtenagentur Associated Press im Vorfeld des für Sonntag geplanten Treffens von Papst Franziskus mit etwa 200 Menschen im Erstaufnahmelager von Kara Tepe auf Lesbos. Bereits 2016, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, hatte der Pontifex die ostägäische Insel aufgesucht und damals gleich drei syrische Familien in seinem Flugzeug mit nach Rom genommen.

In diesen fünf Jahren hat sich einiges geändert. Der Hotspot Moria ist abgebrannt, das neue Camp in Kara Tepe entstand. Ein Vertreter der dortigen Leitung zeichnet in griechischen Medien ein rosiges Bild des Status quo. Daher werde der Papst, so zeigt sich der Mann überzeugt, "in ruhige Gesichter blicken. Ich wage nicht zu sagen, in frohe Gesichter, aber sicher ruhige."

NGOs begrüßen Reise

Weit kritischer sehen Nichtregierungsorganisationen die Lage der Geflüchteten in Griechenland. Sie orten nichtsdestotrotz in der Lesbos-Reise des Oberhaupts der katholischen Kirche die Chance, auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. 36 Organisationen des Greek Council For Refugees richteten sich im Vorfeld in einem Schreiben an den Papst und riefen ihn zu verstärktem Engagement auf. Den griechischen Staat erinnerten sie gleichzeitig an seine Pflicht, sich mit Unterstützung der EU für eine Integration der Flüchtlinge in das Alltagsleben einzusetzen und sie nicht in Aufnahmelagern oder gar Gefängnissen zu isolieren.

Am meisten über die Papst-Visite am Wochenende freuen sich wohl die griechischen Katholiken. "Ich erhoffe mir, dass er sich als eine attraktive und schöne Einladung für den Glauben Christi erweist – besonders für die jüngere Generation. Ich hoffe auch, dass er zur Einheit der Christen jedweder Nation und Herkunft beiträgt und dass er hilft, dass die Orthodoxen ihre Zurückhaltung gegenüber der katholischen Kirche überwinden." Das stellte der katholische Erzbischof Theodoros Kontidis gegenüber dem STANDARD fest. Die Katholiken in Hellas beziffert die Sprecherin des Erzbistums auf 50.000. Zusammen mit den Migranten – unter anderem aus Polen und den Philippinen – kommt man auf etwa 250.000. Zentren katholischen Glaubens sind die Kykladeninseln Tinos und Syros, aber auch Korfu und Thessaloniki.

Vertiefung der Ökumene

Das von extremen Orthodoxen weiterhin als Häretiker abgestempelte Oberhaupt der Katholiken zielt mit seinem Besuch in Griechenland und auf Zypern nicht zuletzt auf eine Vertiefung der Ökumene, also der Annährung zwischen den beiden Konfessionen, ab. Im orthodoxen Hellas sind die radikalen Stimmen insgesamt deutlich leiser geworden. Aber in der Kirche ticken die Uhren eben anders. Nach dem Schisma 1054 dauerte es fast tausend Jahre, bis ein Papst griechischen Boden betrat: Im Mai 2001 kam Johannes Paul II. auf den Spuren des Apostels Paulus nach Athen. 170 Klosteräbte hatten damals bei ihrem orthodoxen Erzbischof Christodoulos protestiert und den Papst als Persona non grata gebrandmarkt. Überraschungen dieser Art blieben diesmal aus. (Robert Stadler aus Athen, 3.12.2021)