Seit 21 Jahren ist die Internationale Raumstation dauerhaft von Menschen bewohnt. Mittlerweile hat sie den Zenit ihrer Existenz überschritten.
Foto: Reuters/NASA/Roscosmos

Das Ende der Internationalen Raumstation ISS zumindest in seiner jetzigen Form dürfte nicht mehr in allzu weiter Ferne liegen. Zwar wächst das internationale Großprojekt da und dort immer noch, aber laut einer 2014 mit den Partnern geschlossenen Vereinbarung soll die Raumstation bis 2024 in Betrieb bleiben – auch wenn es Bestrebungen gibt, die Lebenszeit der ISS noch um ein paar Jahre zu verlängern. Aus technischer Sicht wäre das bis zumindest 2028 möglich.

Für die Zeit danach arbeiten einige Staaten und Organisationen bereits an Nachfolgern: Moskau hat schon im Vorjahr über Pläne zum Bau einer eigenen Raumstation berichten lassen. "Russland war schon immer führend beim Bau von Raumstationen," sagte im vergangenen Mai der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin.

Raumstations-Ausschreibung

Die Nasa will für ihr eigenes Projekt im Erdorbit – nach bewährtem Muster – erneut private Unternehmen an Bord holen: Die US-Raumfahrtbehörde hat nun drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Raumstationen beauftragt – darunter auch die Firma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Blue Origin erhalte dafür 130 Millionen Dollar (etwa 115 Millionen Euro), die Firma Nanoracks aus Texas 160 Millionen Dollar und das Unternehmen Northrop Grumman aus Virginia 125,6 Millionen Dollar, teilte die Nasa am Donnerstag mit.

"Wir arbeiten mit US-Firmen zusammen, um Raumfahrt-Destinationen zu entwickeln, die Menschen besuchen, und wo sie leben und arbeiten können", sagte Nasa-Chef Bill Nelson. Blue Origin hatte erst vor wenigen Wochen mitgeteilt, an einer eigenen Raumstation namens "Orbital Reef" zu arbeiten – gemeinsam mit mehreren Partnern, darunter beispielsweise Boeing.

Die beiden Astronauten Thomas Marshburn und Kayla Barron werkten sechseinhalb Stunden im All.
Foto: REUTERS/Nasa TV

Sechs Stunden außerhalb der ISS

Bis diese neuen Habitate im Weltraum bezugsfertig sind, werden freilich noch einige Jahre vergehen. Zumindest ein Teil dieser Zeit wird man mit der ISS überbrücken müssen, auch wenn der Reparaturaufwand in letzter Zeit etwas gestiegen ist. Zuletzt mussten gestern, Donnerstag, zwei US-Astronauten bei einem Außeneinsatz ein defektes Antennensystem ersetzen.

Thomas Marshburn und Kayla Barron verbrachten dafür rund 6 Stunden und 30 Minuten außerhalb der Station, wie die Nasa mitteilte. Der Einsatz – Barrons erster und Marshburns fünfter – sei erfolgreich verlaufen, hieß es. Eigentlich war er bereits für Dienstag geplant gewesen, aber wegen der Gefahr von Trümmern im Weltall verschoben worden.

Trümmergefahr

Um welche Art von Trümmern es sich handelte, wurde nicht mitgeteilt. Vor rund zwei Wochen hatte sich die Besatzung der ISS wegen einer befürchteten Kollision mit Weltraumschrott in zwei an der Station angedockten Raumschiffen in Sicherheit bringen müssen. Einen Tag später hatte Russland bestätigt, sein Militär habe eine Anti-Satelliten-Rakete getestet und einen ausgedienten Satelliten abgeschossen. International gab es viel Kritik, Russland habe damit die Sicherheit der ISS gefährdet. (red, APA, 3.12.2021)