Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist derzeit auf Staatsbesuch in Katar.

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Doha – Frankreich arbeitet Präsident Emmanuel Macron zufolge mit anderen europäischen Staaten daran, eine gemeinsame diplomatische Vertretung in Afghanistan zu eröffnen. Dies solle den Ländern eine baldige Rückkehr ihrer Botschafter nach dem Abzug im Zuge der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban im August ermöglichen, sagte Macron am Samstag bei einem Besuch in Katars Hauptstadt Doha.

Die Eröffnung der Vertretung sei so schnell wie möglich geplant, habe aber nichts mit einer politischen Anerkennung der Taliban-Regierung zu tun, betonte Macron. Auch seien Sicherheitsfragen noch zu klären. Um welche anderen europäischen Länder es sich bei den Plänen handelt, blieb zunächst unklar.

Auch die Europäische Union hatte kürzlich angekündigt, womöglich bald eine diplomatische Vertretung in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu eröffnen, ohne damit eine Anerkennung der Taliban-Regierung zu verbinden.

Erneuter Evakuierungsflug

Vor Macrons Erklärung hatte Frankreich mit Hilfe Katars mehr als 300 weitere Menschen mit einem erneuten Evakuierungsflug aus Afghanistan gebracht. Darunter seien 258 Afghanen, die etwa als Journalisten oder als zivile Helfer der französischen Streitkräfte gearbeitet hätten, sowie elf Franzosen und rund 60 Niederländer sowie dazugehörige Personen, wie das Außenministerium in Paris am Freitagabend mitteilte.

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat Frankreich insgesamt 110 Franzosen und fast 400 Afghanen aus Kabul ausgeflogen, wie das Außenministerium mitteilte. Alle zehn Evakuierungsflüge seit Anfang September wurden demnach mit Hilfe Katars organisiert, wofür sich Macron bedankte. Weitere Flüge sollen folgen.

Anschlag auf Gouverneur

Indes wurde bekannt, dass der von den Taliban gestellte Gouverneur der afghanischen Provinz Panjir Ziel eines Anschlags geworden sei. Eine Bombe sei am Straßenrand Kabuls gezündet worden, als der Konvoi des Gouverneurs Mawlaui Kudratullah die Stelle passiert habe, berichtete der Vizepolizeichef von Panjir, Abdul Hamid Khurazani, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Samstag. Kudratullah sei unverletzt geblieben.

Das Innenministerium bestätigte die Explosion, ohne Einzelheiten zu nennen. Das Gebiet wurde abgeriegelt. Auch nach der Machtübernahme der Taliban gibt es weiter regelmäßig Anschläge in Afghanistan. Panjir war nach Kabul die letzte Region, die die Taliban erobert hatten. (APA, Reuters, 4.12.2021)