Die Hoffnung: Adeyemi findet just im entscheidenden Match gegen Sevilla wieder seinen Killerinstinkt.

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CL-Ticker, Showdown um Aufstieg: Salzburg vs. Sevilla, Mi., 21 Uhr

Salzburg – Ein Punkt – unabhängig vom Ergebnis der Parallelpartie – reicht Österreichs Fußball-Meister Salzburg am Mittwoch (21.00 Uhr/live ServusTV und Sky) in Wals-Siezenheim gegen den FC Sevilla zum erstmaligen Einzug in die K.o.-Phase der Champions League. Bei Punktegleichheit zählen Direktbegegnungen der betreffenden Mannschaften. Erst Punkte, dann Tordifferenz, dann Anzahl der erzielten Tore innerhalb des direkten Vergleichs.

Vor der letzten Runde liegen die Salzburger in Gruppe G mit sieben Punkten hinter OSC Lille (8) sowie vor Sevilla (6) und dem VfL Wolfsburg (5) auf Platz zwei. Die beiden Topteams erreichen das Achtelfinale, der Dritte steigt ins Play-off um die Achtelfinal-Teilnahme in der Europa League um. Der Gruppenletzte verabschiedet sich aus dem Europacup. Für Salzburg ist noch jede Platzierung möglich.

Sollten drei Teams letztlich bei acht Punkten halten, weil Salzburg und Sevilla die Punkte teilen und Wolfsburg gegen Lille gewinnt, zählen zuerst die eroberten Zähler aus allen Duellen zwischen den drei betroffenen Clubs. Dabei hätten Wolfsburg (7) und Salzburg (6) die Nase gegenüber Lille (4) vorne. Allerdings ist auch ein komplettes Europacup-Ausscheiden für die "Bullen" möglich: Wenn sie gegen Sevilla verlieren und gleichzeitig Wolfsburg zuhause gegen Lille gewinnt.

Die Szenarien für einen Aufstieg Salzburgs ins CL-Achtelfinale:

- mit jedem Sieg. Als Gruppenerster, wenn Lille in Wolfsburg nicht gewinnt.

- mit jedem Remis als Gruppenzweiter.

Das Szenario, in dem Salzburg als Dritter in die Zwischenrunde der Europa League (Play-off um den Achtelfinal-Einzug) umsteigen würde:

- mit einer Niederlage, wenn Wolfsburg gegen Lille nicht gewinnt.

Das Szenario, in dem Salzburg als Gruppenletzter aus dem Europacup ausscheiden würde:

- mit einer Niederlage und gleichzeitigem Heimsieg von Wolfsburg gegen Lille.

Die Ausgangsposition ist heuer jedenfalls weitaus besser als in den beiden vergangenen Jahren, dennoch ist von Platz eins bis vier noch alles drin. "Die Konstellation ist schon ein Wahnsinn, spannender geht's nicht", meinte Salzburg-Trainer Matthias Jaissle. Eine Zitterpartie vor leeren Rängen hätte sich sein Team mit zählbaren Erfolgen in Wolfsburg (1:2) oder Lille (0:1) ersparen können. Der dritte Matchball soll nun aber verwertet werden.

Keine Rechenspiele

Auf das Parallelspiel will Jaissle aber nicht schauen. "Wir beteiligen uns an so Rechenspielen überhaupt nicht", betonte der Deutsche. "Wir gehen in die Partie mit vollem Fokus da etwas zu reißen." Der 33-Jährige sieht seine Mannschaft für das "Alles-oder-nichts-Spiel", wie er es nennt, gerüstet. "Wir haben den Ehrgeiz, die Partie zu gewinnen. Wir wollen alles raushauen gegen eine europäische Spitzenmannschaft. Unser Anspruch ist auf jeden Fall, das Ding auch zu ziehen."

Schon bei den beiden vergangenen CL-Teilnahmen hatten die Salzburger vor der letzten Runde noch Chancen auf den Achtelfinal-Einzug. 2019 und 2020 wäre in den abschließenden Heimspielen gegen Liverpool bzw. Atletico Madrid allerdings jeweils ein Sieg vonnöten gewesen. Gegen die beiden Schwergewichte setzte es stattdessen jeweils 0:2-Niederlagen und die Bullen stiegen in die Europa League um.

Durchhänger

Diesmal soll mehr herausschauen. "Die Ausgangslage haben sich die Jungs erarbeitet, das sollen sie jetzt krönen", sagte Jaissle am Dienstag. Ein Schlüssel sei es, "mit Freude und Unbekümmertheit wieder auf den Platz zu gehen". Mit einer solchen hatten die Salzburger aus den ersten drei CL-Partien dieser Saison sieben Punkte geholt. In den vergangenen sieben Pflichtspielen gelangen ihnen aber nur zwei Siege und zwei Remis.

Auch Karim Adeyemi agierte zuletzt glücklos. Der deutsche Nationalstürmer erzielte in den jüngsten acht Partien nur ein Tor. "Er weiß selber, dass er zuletzt nicht der Karim war wie zu Beginn der Saison", meinte Jaissle. "Aber der Junge ist so klar in der Birne, der weiß, was er besser machen muss. Ich bin mir sicher, dass er speziell in so einem Topspiel dann auch wieder zünden kann."

An der Seite von Adeyemi könnte Noah Okafor stürmen. Beim Schweizer, der zuletzt zwei Wochen wegen Oberschenkelproblemen gefehlt hat, sehe es laut Jaissle nicht schlecht aus. "Es geht in die richtige Richtung." Kommt das "Go" nicht, dürfte wie vor zwei Wochen in Lille der 18-jährige Benjamin Sesko beginnen.

Gute Voraussetzungen

Die beiden jüngsten CL-Niederlagen haben Salzburg zwar unter Zugzwang gebracht. Zu Hause haben die Bullen unter Jaissle aber noch kein Spiel verloren. Dazu könnte der Salzburger Winter eine Rolle spielen. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind angesagt, auch leichter Schneefall ist möglich. Sevilla hätte aber auch schon in kälteren Gefilden gespielt, entgegnete Jaissle. Der Platz sei in einem sehr guten Zustand. "Deswegen glaube ich, dass es ein sehr ausgeglichenes Spiel wird."

Das Hinspiel im September in Südspanien endete 1:1. Adeyemi holte drei Elfmeter heraus, vergab aber ebenso wie Torschütze Luka Sucic einen davon. Es gebe auch diesmal eine interne Rangliste für Elfmeterschützen, verriet Jaissle. Bekanntgeben wollte er sie nicht. Für Sevilla traf im Heimspiel Routinier Ivan Rakitic in Unterzahl ebenfalls vom Punkt. Ohne Gegentor hat Salzburg noch keines der bisher 17 CL-Spiele der Red-Bull-Ära überstanden. Jaissle: "Es ist auf so einem Topniveau nicht einfach, die Null zu halten."

Fette Prämie

Gelingt es gegen Rakitic und Co. erstmals, stünden die Bullen in der K.o.-Phase. Der Achtelfinal-Einzug würde alleine an UEFA-Prämien 9,6 Mio. Euro bringen – ganz zu schweigen vom Imagegewinn. Als einziges österreichisches Team hat bisher Sturm Graz 2000/01 in der Champions League überwintert, damals sogar als Gruppensieger. Vor 21 Jahren wurde anstelle eines Achtelfinales aber noch eine zweite Gruppenphase ausgetragen. (APA, red, 8.12.2021)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen – CL-Gruppe G, 6. und letzte Runde

Red Bull Salzburg – FC Sevilla (Red Bull Arena, Mittwoch, 21.00 Uhr/live ServusTV, Sky und DAZN, SR Vincic/SLO)

Salzburg: Köhn – Kristensen, Solet, Onguene, Ulmer – Sucic, Camara, Aaronson, Seiwald – Adeyemi, Okafor

Ersatz: Mantl, Walke – Piatkowski, Guindo, Ludewig, Capaldo, Bernede, Diambou, Kjaergaard, Adamu, Sesko, Simic

Es fehlen: Bernardo (Knieoperation), Wöber (Muskelfaserriss in der Wade), Junuzovic (Fersenprobleme), Koita (Kreuzbandriss), Vallci (Achillessehnenriss), Okoh (Kreuzbandriss)

Fraglich: Okafor (nach Oberschenkel-Verhärtung)

Sevilla: Bono – Montiel, Kounde, Diego Carlos, Rekik – Jordan, Fernando, Rakitic – Ocampos, Rafa Mir, Papu Gomez

Ersatz: Dmitrovic, A. Gonzalez – Augustinsson, Valentino, Juan Maria, O. Torres, Delaney, O. Rodriguez, Juanlu, Luismi, El Haddadi, Romero

Es fehlen: Navas (Quadrizeps-Verletzung), Acuna (Oberschenkelverletzung), Suso (muskuläre Probleme), En-Nesyri (Muskelfaserriss), Lamela (Schulteroperation)

Parallelspiel: VfL Wolfsburg – OSC Lille (21.00 Uhr/live DAZN)