Agiert herzhaft aufgedreht: Sebastian Pufpaff.

Screenshot: ProSieben

Nun ist es also schon einige Wochen her, dass Stefan Raab, in Gestalt von Sebastian Pufpaff, und seine nächtliche Talkshow zur Primetime Auferstehung feierten. Prinzipiell verständlich, dass das Fernsehen in seiner Existenzangst nostalgisch wird und versucht, alte Erfolge zu beleben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis "Dalli Dalli, Was bin ich?" und "Erkennen sie die Melodie?" ihr sympathisches Haupt erheben. Nun ja. Der Raab-Ersatz Pufpaff, der energisch per Stange runtergleitet, ist zwar nach wie vor dynamisch unterwegs. Er zeigt jedoch, dass die Wiederbelebung eines Formats wie "TV Total" nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Pufpaff brüllt uns einen "schönen guten Abend" entgegen, wirkt euphorisch und geht zum Tageskommentar über. Deutschland habe wieder einen Kanzler, "Lord Valium ist gekrönt", sagt er über Olaf Scholz und muss natürlich eine Träne für Angela Merkel vergießen.

Doch so herzhaft aufgedreht Pufpaff agiert, immer müder wirken mit Fortdauer der Sendung die Reaktionen seiner Fans. Einmal lacht dann nur noch er, um später sogar grauslich aus der Zeit zu fallen. Er zeigt ein Video – angeblich aus dem "TV Total"-Archiv –, das den Mord eines Mannes an einem Maulwurf dokumentiert. Ein Tiefpunkt, der den Raab-Nachfolger amüsiert. Dann schon lieber sein Versuch, als BVB-Trainer Marco Rose mit Fake-Bus und Fake-BVB-Mannschaft vor dem Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern bis zur Kabine vorzudringen. Eine nette Sache, die etwas Erwartung weckte. Pufpaff trug das Ganze jedenfalls ein Stadionverbot ein. Also: mehr von solchen Frechheiten und endlich Gäste aufs Sofa, vielleicht mal Stefan Raab selbst oder jemanden aus dem Publikum mit Raab-Maske. (Ljubiša Toši´c, 9.12.2021)