Eigentlich wären bei Evergrande die Zahlungen bereits im November fällig gewesen. Auch eine Nachfrist half nichts.

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Es steht wirklich nicht gut um die chinesischen Immobilienunternehmen Evergrande und Kaisa: Nachdem die Ratingagentur Fitch Donnerstagfrüh die beiden Unternehmen herabgestuft hatte, meldete sich auch Chinas Zentralbankchef Yi Gang zu Wort. Dieser signalisierte, dass die chinesische Regierung dem Konzern nicht mit Rettungsmaßnahmen zu Hilfe kommen will. Nach Angaben der Notenbank sagte der Gouverneur am Donnerstag, die Risiken von Evergrande seien ein "Marktvorgang", mit dem "nach den Grundsätzen des Marktes und der Rechtsstaatlichkeit" angemessen umgegangen werde.

Fitch hat beide Unternehmen Donnerstagfrüh auf die Stufe "Restricted Default" gesetzt. Das bedeutet so viel wie "eingeschränkter Kreditausfall". Die Bewertung ist nur eine Stufe über der Einordnung für Zahlungsausfall ("D – Default").

Finanzierung am Markt "nicht beeinträchtigt"

Als ausgereiftes Finanzzentrum habe Hongkong, wo Evergrande an der Börse gelistet ist, ein effizientes System sowie klare Vorschriften und Verfahren, um mit betreffenden Fragen umzugehen, sagte Yi. Die "kurzfristigen Risiken einzelner Immobilienunternehmen" würden die normale Finanzierung am Markt mittel- und langfristig nicht beeinträchtigen.

Die Zentralbank befürwortet die Schaffung eines "gerechten Marktumfelds". Unternehmen und Anteilseigner müssten in Übereinstimmung mit den Rechtsanforderungen und Marktvorschriften angemessen mit "ihren eigenen Schulden" umgehen und die Interessen der Gläubiger auf faire und rechtliche Weise schützen.

Zahlungen blieben ausständig

Kaisa hat laut Fitch eine vorrangige Anleihe in Höhe von 400 Millionen US-Dollar (354 Millionen Euro) zum Stichtag 7. Dezember nicht zurückgezahlt. Bei Evergrande bemängelt Fitch das Ausbleiben von Zinszahlungen. Diese wären ursprünglich Anfang November fällig gewesen. Auch innerhalb der Nachfrist bis zum 6. Dezember seien keine Zahlungen geleistet worden.

Neben dem hochverschuldeten Evergrande sind auch weitere chinesische Immobilienunternehmen in immer größere Schwierigkeiten geraten. Wegen Befürchtungen die Zahlungsfähigkeit betreffend wurden die Aktien der Kaisa Group Holdings am Mittwoch an der Hongkonger Aktienbörse ausgesetzt. Evergrande hatte vor kurzem selbst vor möglichen Zahlungsschwierigkeiten gewarnt. Aktuell dürften Gespräche über Schuldenrestrukturierungen geplant sein. (APA, red, 9.12.2021)