Kurz empfahl sich durch eine wahrlich nicht alltägliche Diskrepanz zwischen einem sensationellen Verkaufstalent und einer absoluten inhaltlichen Leere.

Foto: Reuters / Lisi Niesner

Das hat man davon. In den Postingabteilungen mehren sich hämische Einträge, dass uns Journalisten nun, da Sebastian Kurz politisch Geschichte ist, einer unserer Lieblingspopanze abhandengekommen sei. Wärts halt ein bissi netter zu ihm gewesen! Dann säße er noch am Ballhausplatz, und ihr müsstet nicht lang herumüberlegen, wen ihr diese Woche wieder in die Pfanne hauen wollt!

Da ist etwas dran. Als Objekt publizistischer Begierde war der türkise Mannschaftsführer natürlich ganz großes Kino und zigfach ergiebiger als, sagen wir, ein x -beliebiger Provinzpolitiker, der außer einem populistischen Häuslschmäh und ein paar kleinkorrupten Unterschleifen keine Angriffsflächen zu bieten hat.

Kurz dagegen empfahl sich durch eine wahrlich nicht alltägliche Diskrepanz zwischen einem sensationellen Verkaufstalent und einer absoluten inhaltlichen Leere, durch eine Kluft, die förmlich danach schrie, am laufenden Band satirisch ausgestopft zu werden. Wir hätten noch eine so tolle Zukunft miteinander haben können! Jetzt ist es freilich zu spät, und vom großen Glück bleibt nur ein Scherbenhaufen.

Lohnt jeden Umweg

Als kleines Surrogat für die wohlige politico-publizistische Symbiose der Kurz-Jahre böte sich die Errichtung eines neuen Kurz-Museums an, mit einem Haupthaus in Wien-Meidling und einer Expositur im Waldviertel, oder auch umgekehrt.

Lohnt jeden Umweg, gibt super Ausstellungsstücke dort: die Matchboxflotte, bei der der kleine Sebastian erstmals vom Geilomobil-Geistesblitz gestreift wurde; das erste selbstverdiente Ministergehalt (Bargeld unter einem Glassturz, wie das erste Kreuzerlein von Dagobert Duck); handkolorierte Ausdrucke der schönsten Chatnachrichten von Thomas Schmid; die besten Gastgeschenke, die er als Kanzler auf Staatsbesuchen im Ausland abgestaubt hat (selbstgehäkelter Topflappen von Angela Merkel, neunschwänzige Katze von Viktor Orbán); sowie Fotografien von Begegnungen mit den Großen der Welt (Dalai Lama, Papst Franziskus, Wolfgang Fellner).

Wer das alles durchgestanden hat, kann sich auf gemütlichen Ohrensesseln im Museumscafé nebenan an luftigen Omeletten, Windgebäck und zuckersüßen Kracherln laben, um wieder zu Kräften zu kommen. Das Catering übernimmt selbstverständlich Martin Ho, wer denn sonst. (Christoph Winder, 11.12.2021)