Bill Gates macht sich viele Gedanken über die digitale Zukunft – aufgrund seiner Historie liegt er damit oft richtig.

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"Gründe für Optimismus nach einem schwierigen Jahr". So der Titel des neuesten Blog-Eintrags durch Bill Gates auf seiner Website "GatesNotes". Sehr ausführlich schrieb der US-Unternehmer dort, warum ein Ende der Pandemie in Sicht ist, wie das Metaverse die Zukunft des Büroalltags prägen wird und wie wir uns in der "neuen Normalität" nach der Pandemie zurechtfinden werden.

Kleine Welt

Es sei das "ungewöhnlichste und schwierigste Jahr" für ihn gewesen, so Gates in seinem aktuellen Blogeintrag. "Ich glaube nicht, dass einer von uns jemals eine Zukunft vorausgesehen hat, in der Computer die einzige Verbindung zur Welt sein würden." Obwohl er immer der festen Überzeugung gewesen sei, dass Computer für Menschen eine immer wichtigere Rolle spielen würden, hätte er nicht diese "neue Normalität" vorausgesehen, in der man menschliche Interaktionen teilweise tagelang nur über einen Bildschirm pflegen kann. "Meine persönliche Welt hat sich nie kleiner angefühlt als in den letzten zwölf Monaten," so Gates.

Dennoch gäbe es ausreichend Gründe, optimistisch in die Zukunft zu sehen. Die Pandemie hätte etwa den Arbeitsplatz "revolutioniert", etwa durch die zunehmende Verbreitung von Heimarbeit. "Diese Veränderungen werden sich in den nächsten Jahren noch intensivieren", so Gates.

Neuer Büroalltag

Ein Grund dafür sei die Idee hinter dem Metaverse, das auch im Vokabular von Microsoft in diesem Jahr bereits mehrmals genannt wurde. "Innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre prognostiziere ich, dass sich die meisten virtuellen Meetings von 2D-Bildergittern hin zu einem Metaversum, einem 3D-Raum mit digitalen Avataren, bewegen werden."

Die Zeit für zweidimensionale Meetings sei vorbei, wie sie derzeit von Programmen wie Zoom oder Teams dargestellt werden. Als 3D-Avatar könne man durch ein virtuelles Büro spazieren oder auch anderen Orten und so mit den Kollegen interagieren. Das würde sich mit Sicherheit viel natürlicher anfühlen, als auf einen Bildschirm voller Gesichter zu starren.

"Die Idee ist, dass Sie Ihren Avatar schließlich verwenden, um sich mit Menschen in einem virtuellen Raum zu treffen, der das Gefühl nachbildet, mit ihnen in einem echten Raum zu sein", schreibt Gates. Das Tragen von schweren VR- oder AR-Headsets sieht der Unternehmer noch als Hürde, die von weiter entwickelter Technologie abgelöst gehört. Damit schlägt Gates in die selbe Kerbe wie Mark Zuckerberg, der in diesem Jahr seinem Publikum ähnliche Visionen präsentierte.

Laut Gates arbeite Microsoft auch eng mit Meta (ehemals Facebook) zusammen, um etwa 3D-Avatare in MS Teams für die geplante Arbeitsoberfläche "Workplace" kompatibel zu machen. Workplace wird ein kollaboratives Online-Tool von Meta, das arbeitsrelevante Tätigkeiten, also Videokonferenzen oder Online-Gruppenarbeiten, an einem Ort zusammenfassen wird.

Es sei noch viel zu tun, so Gates, aber es würde nicht mehr lange dauern, bis die Erfahrungen im Metaverse sich ähnlich anfühlen, als wäre man wieder "gemeinsam im Büro."

Eine Ende der Pandemie sieht Gates Ende 2022. Auch die Klimakatastrophe könne man noch abwehren.
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Ende der Pandemie

Im Jahr 2022 sei laut Gates "ein Ende der Covid-19-Pandemie in Sicht". Das Virus würde es weiter geben, aber man würde es bis Ende nächsten Jahres "zu einer sehr kleinen Zahl reduzieren" können. Er selbst hätte unterschätzt "wie schwierig es sein würde, die Menschen davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen und weiterhin Masken zu tragen." Sowohl die Menschen als auch die Regierungen sollen doch aus den letzten beiden Jahren ihre Lehren ziehen und damit gestärkt künftig die richtigen Entscheidungen treffen.

Die Welt würde sich nach der Pandemie aber verändern, so Gates. Man würde zwar wohl wieder mehr ins Büro gehen als während der Pandemie, aber nicht mehr so häufig wie davor. Auch Arztbesuche könnten künftig öfter virtuell stattfinden. Die Fortschritte in der Digitalisierung hätten ohne Pandemie "Jahre, wenn nicht ein Jahrzehnt oder länger" gedauert. Diesen Schwung müsse man mitnehmen und das Beste aus beiden Welten in den nächsten Jahren verbinden.

Auch beim Thema Klima zeigt sich der Microsoft-Gründer optimistisch. Bei der jüngsten Klimakonferenz in Glasgow hätte man gespürt, dass die Regierungen erstmals bereit waren "echte Verpflichtungen einzugehen". Der Kampf gegen ansteigende Emissionen sei erstmals in die Gänge gekommen und der Fokus wurde endlich auch auf nachhaltige Innovationen gelegt. "Ich bin optimistisch, dass wir den nötigen Schwung haben, um eine Klimakatastrophe zu vermeiden", so Gates.

Ob die Vorhersagen von Gates eintreffen muss man abwarten. Bisher lag er oft richtig, etwa als er schon vor langer Zeit Dinge wie Smartphones, Facebook oder Video-Streaming vorausgesehen hat. Auch eine weltweite Pandemie prognostizierte der Unternehmer vor ein paar Jahren. (red, 11.12.2021)