Die jetzige "Krone"-Journalistin Wagner ging in der Vergangenheit bereits mehrmals gegen die Berichterstattung über sie in den Medien ihres Ex-Arbeitgebers vor.

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Eine Urlaubsinsel im Mittelmeer und Kokain – nur was zusammengehört, darf auch so berichtet werden. Im Fall der nunmehrigen "Krone"-Journalistin Katia Wagner war es eine Glosse, die nach Ansicht der "Österreich"-Redaktion zu einer vom Gericht aufgetragenen Urteilsveröffentlichung in den Fellner-Medien gehörte. In dieser Glosse war die Rede von einem Kokainfund in der privaten Garderobe Wagners bei ihrem Ex-Lebensgefährten, dem Anwalt M. Wagner klagte die Tageszeitung "Österreich" und ihre Gratisausgabe "Oe24" wegen dieser Darstellung, am Dienstag bekam sie vom Straflandesgericht Wien 5.300 Euro Entschädigung zugesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Dieses Medienverfahren ist eines von etlichen, die die Berichterstattung über die Ibiza-Affäre in den Fellner-Medien nach sich zog. Wagner wurde in mehreren Artikeln aus dem Jahr 2019 unrechtmäßig mit dem Ibiza-Video in Verbindung gebracht und erhielt dafür bereits rechtskräftig 43.500 Euro Entschädigung. Das Urteil dazu mussten "Österreich" und "Oe24" Ende Oktober veröffentlichen.

In der nun inkriminierten Glosse, die neben dem Urteil veröffentlicht wurde, stünde zwar nichts Unwahres, begründete Richter Gerald Wagner seinen Spruch, "allerdings gibt es nicht das geringste öffentliche Interesse an diesen Angaben". Nur weil sich Wagner in einem Rechtsstreit mit dem Chef der Mediengruppe Österreich, Wolfgang Fellner, befinde, dürfe man nicht berichten, dass sie möglicherweise vor ein paar Jahren Kokain in ihrer Handtasche hatte. "Wäre Frau Wagner Bundeskanzlerin, wäre das etwas anderes", sagte Richter Wagner. Die Klage wegen übler Nachrede blieb somit erfolglos, jedoch sei der Schutz der Identität Wagners verletzt worden.

Berufung angemeldet

Zum Hintergrund: Ermittler durchsuchten nach Erscheinen des Ibiza-Videos die Wohnung von Wagners Ex-Lebensgefährten M. Er hatte zuvor gestanden, in jenes Video, das auf der spanischen Mittelmeerinsel entstand und später die türkis-blaue Bundesregierung zu Fall brachte, involviert gewesen zu sein. In seiner Wohnung fanden die Ermittler Spuren von Kokain in einer Handtasche, die Wagner zugeordnet wurde. Kurz wurde gegen Wagner ermittelt, das Verfahren jedoch bereits im selben Jahr eingestellt. Vor ihrer Tätigkeit bei der "Krone" arbeitete Wagner selbst für Wolfgang Fellner. In den vergangenen Monaten stand sie in der Öffentlichkeit, da sie ihrem früheren Chef sexuelle Belästigung vorwirft und im November eine nicht rechtskräftige Verurteilung Fellners wegen übler Nachrede erwirkte. Fellner bestreitet die sexuelle Belästigung.

Der Anwalt der Fellner-Medien, Peter Zöchbauer, kündigte volle Berufung gegen das Urteil an. Er sieht in der Glosse eine "reine Sachverhaltswiedergabe ohne rechtliche Würdigung". Richter Wagner stellte daraufhin die Frage in den Raum, ob es denn nicht auch bei Diebstahl ausreiche, den Vorgang des Klauens zu beschreiben, um bei den Leserinnen und Lesern den Eindruck zu erwecken, es handle sich hier um eine mögliche Straftat. Ob es im Fall der Kokainspuren eine derartig explizite rechtliche Würdigung bedarf, um die Interessen Wagners als schützenswert zu erachten, wird die nächste Instanz entscheiden. (Laurin Lorenz, 14.12.2021)