Philippe Donnet, CEO des Versicherungskonzerns Generali mit Sitz in Triest, will mit neuer Strategie die Aktionäre bei Laune halten.

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Italiens größter Versicherer Generali will an seinen ehrgeizigen Gewinnzielen für 2024 festhalten, die Dividende anheben und einen Aktienrückkauf über 500 Millionen Euro durchziehen. Vor dem Hintergrund eines schwelenden Machtkampfs um die Ausrichtung des Konzerns hat CEO Philippe Donnet (61) am Mittwoch in Triest seine neue, am Vortag vom Aufsichtsrat gebilligte Strategie vorgestellt.

Der gebürtige Franzose, der seit März 2016 an der Spitze des italienischen Traditionsunternehmens steht, spürt seit einiger Zeit Gegenwind. Baumagnat Francesco Gaetano Caltagirone und Leonardo Del Vecchio, Gründer des Brillenriesen Luxottica, wollen die im April 2022 anstehende Verlängerung des Vertrags von Donnet unter allen Umständen verhindern. Über das Wochenende haben sie ihre Beteiligung an Generali auf zusammen gut 15 Prozent aufgestockt. Die beiden wollen, dass der Versicherer sich ehrgeizigere Ziele bei der Expansion durch Übernahmen setzt.

Bis zu drei Milliarden Euro für Expansion

Die neue Strategie von Donnet sieht bis zu 3,0 Milliarden Euro für Fusionen und Übernahmen (M&A) in den Bereichen Versicherung und Vermögensverwaltung vor. Als der Plan dem Aufsichtsrat zur Abstimmung vorgelegt wurde, sprach sich Caltagirone dagegen aus. Del Vecchio nahm nicht teil, weil er den Bericht zu spät erhalten habe, um ihn gründlich prüfen zu können, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Strategie wurde mit elf von 13 Stimmen angenommen.

Donnet wird von Mediobanca, dem größten Aktionär von Generali, unterstützt. Caltagirone und Del Vecchio sind die zweit- und drittgrößten Aktionäre. Die Aktie legte nach Bekanntgabe der Strategie um rund 1,0 Prozent zu, was als Zeichen gewertet wird, dass Analysten die neue Strategie positiv sehen.

Forcierte Digitalisierung

"Fusionen und Übernahmen bleiben ein Instrument, die Wertschöpfung für die Aktionäre zu beschleunigen", sagte Donnet bei einem Online-Pressegespräch Mittwochfrüh. In Europa und Asien wolle Generali das Versicherungs- und Kapitalanlagegeschäft ausbauen, in der Vermögensverwaltung kämen als Zielmärkte auch die USA und Großbritannien infrage. Von den vier Milliarden Euro, die Donnet in der zurückliegenden Strategiephase für Übernahmen zur Verfügung hatte, hat er nur 85 Prozent ausgegeben – zu wenig, wie seine Kritiker sagen,

Zusätzlich zu dem angekündigten Aktienrückkauf in den nächsten zwölf Monaten will Generali in den kommenden drei Jahren bis zu 5,6 Milliarden Euro an Dividenden ausschütten. Das ist um einiges mehr als die 4,5 Milliarden Euro in den vergangenen Jahren. Das Unter nehmen strebt laut neuer Strategie ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum je Aktie von 6,0 bis 8,0 Prozent an. Und: Die Digitalisierung soll vorangetrieben werden.

Nachfolgekarussell

Ob sich Donnet im Chefsessel halten kann, wird sich weisen. Die Kritiker träumten von einem ganz großen Deal, an dem sie kräftig mitverdienen wollen, heißt es. Einem Deal möglicherweise, wie ihn Del Vecchio eingefädelt hat, als er seinen Luxottica-Konzern mit der französischen Essilor zusammenführte.

Mögliche Nachfolger für Donnet werden bereits genannt: Carlo Cimbri von der Versicherungsgruppe Unipol, Ex-Monte-dei-Paschi-Chef Marco Morelli, der Post-CEO Matteo Del Fante, der Allianz-Manager mit Generali-Vergangenheit Sergio Balbinot und der Generali-Deutschland-Chef Giovanni Liverani. (Günther Strobl, 15.12.2021)