Die Immofinanz will laut neuer Strategie die Treibhausgasemissionen all ihrer Büro- und Einzelhandelsimmobilien bis 2040 auf "netto null" reduzieren. Im Gegenzug rechnet man mit Wertsteigerungen.

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Die auf Bürogebäude und Einzelhandelsimmobilen spezialisierte Immofinanz AG richtet ihren Fokus auf mehr Nachhaltigkeit aus. Bis 2030 soll der Treibhausgasausstoß aller dann im Portfolio befindlichen Objekte gegenüber 2019 um 60 Prozent sinken. 2040 soll das angestrebte Ziel von "Netto-Null-Emissionen" erreicht sein. "Das wird Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell haben", sagte Dietmar Reindl, Chief Operating Officer (COO) des Immobilienkonzerns mit Sitz am Wienerberg, dem STANDARD.

"Netto-Null" bedeute, dass die gesamte Wertschöpfungskette emissionsfrei gemacht werden müsse – Errichtungs- und Sanierungsmaßnahmen inklusive. Lediglich technologisch unvermeidbare Restemissionen sollen durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden. Reindl schätzt diesen Teil auf nicht mehr als zehn Prozent, wenn beispielsweise Fernwärme, auf deren Erzeugung man keinen Einfluss hat, ganz oder teilweise mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Immofinanz ist derzeit in elf Ländern präsent, seit Mitte des Jahres mit einem Fachmarktzentrum der Marke Stop Shop erstmals auch in Norditalien.

Zunehmender Druck von Mietern

Von größeren Unternehmen, die sich in Objekten der Immofinanz einmieten wollen, komme sowohl bei Büro- als auch Gewerbeimmobilien in letzter Zeit immer öfter die Frage, wie nachhaltig das Ganze sei. Das gehe über die Zertifizierung des Gebäudes hinaus. "Unternehmen, die die Entwicklung verschlafen und nichts tun, riskieren, dass sich der Wert ihrer Immobilien um bis zu zehn Prozent verringert. Wer umgekehrt so wie wir die Hausaufgaben macht und die Mieter partnerschaftlich mi einbindet hat die Chance auf eine Aufwertung seines Portfolios um bis zu zehn Prozent", sagt Reindl. "Für Immofinanz heißt das 500 bis 600 Millionen Euro hinauf oder hinunter. Da macht es auch wirtschaftlich Sinn zu investieren."

Dietmar Reindl, COO der Immofinanz AG.
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Der Immobiliensektor spielt im Kampf gegen die voranschreitende Erderwärmung eine entscheidende Rolle. Schätzungen zufolge lassen sich rund 40 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen aktuell auf die Errichtung oder Bewirtschaftung von Gebäuden zurückführen. Zur Erreichung der Pariser Klimaziele, denen zufolge die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit deutlich unter zwei Grad Celsius gehalten werden soll, sind branchenübergreifend Maßnahmen notwendig.

Verschiedene Hebel

Immofinanz sieht verschiedene Hebel, wo angesetzt werden kann. So sollen jährlich mindestens fünf Prozent des Portfolios einer umfassenden Energieeffizienzsanierung zugeführt werden. Den Gesamtwert des Portfolios beziffert Reindl mit aktuell rund 5,2 Milliarden Euro, in zwei Jahren sollten es dann schon an die 6,0 Milliarden Euro sein.

Extern zugekaufter Strom soll künftig zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen. Darüber hinaus will Immofinanz die Eigenproduktion von erneuerbarer Energie massiv ausbauen – mit Photovoltaik auf Bürogebäuden und Einkaufszentren, wo immer möglich. "Zudem werden wir auf der einen oder anderen Grundstücksreserve in Rumänien und Polen prüfen, ob wir Windräder aufstellen und den Strom über das Netz verteilen können", sagt Reindl. Der Manager ist nach dem Ende Juni erfolgten Abgang von CEO und Investor Ronny Pecik gemeinsam mit Finanzvorstand Stefan Schönauer für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich. Ein neuer CEO dürfte erst im Laufe des kommenden Jahres vom Aufsichtsrat bestellt werden, zumal sich das Aufsichtsratsgremium nach einigen Wechseln erst selbst finden muss. (Günther Strobl, 17.12.2021)