Die Mitglieder der CDU entschieden sich für Friedrich Merz als neuen Vorsitzenden.

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Eigentlich sind am Freitagnachmittag nur deshalb so viele ins Konrad-Adenauer-Haus gekommen, weil sie eines hören wollten: wer der neue Chef der Partei werden könnte. Oder wird.

Doch Paul Ziemiak, der Generalsekretär, versucht es spannend zu machen. Gut gelaunt begrüßt er die Gäste – obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon weiß, dass er selbst seinen Job verlieren wird. "Gewinner sind die Mitglieder der CDU Deutschlands", freut er sich. Zum allerersten Mal haben diese über eine neue Parteispitze abgestimmt. Bisher war der oder die Vorsitzende stets auf einem Parteitag gewählt worden.

Mitglieder bestimmen

Doch die neuen Zeiten haben auch bei der CDU Einzug gehalten, und so durften – wie früher schon bei den Grünen und den Sozialdemokraten – die Mitglieder bestimmen, wer Wahlverlierer Armin Laschet als Parteichef nachfolgen soll. Rund 400.000 Mitglieder hat die CDU, 64 Prozent davon haben sich an der Abstimmung per Brief oder digital beteiligt. Mit diesem Wert ist man sehr zufrieden.

"Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen", sagt Ziemiak, und dann wird das Ergebnis verkündet. Die drei Kandidaten – Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Helge Braun – stehen auf der Bühne und schauen erwartungsvoll.

Deutlicher Abstand

Schwarz-rot-gelb – den Farben der Deutschland-Flagge nachempfunden – sind die Balken, die nach oben gehen. Der schwarze für den ehemaligen Kanzleramtschef Braun bleibt schon bald stehen. Er bekommt nur 12,1 Prozent der abgegebenen Stimmen. Danach kommt der gelbe Balken für Außenpolitiker Röttgen zum Stillstand: 25,8 Prozent.

Weiter und weiter klettert hingegen das Rot für Ex-Fraktionschef Merz. Er erreicht 62,1 Prozent, das ist überraschend viel. Zuvor war man selbst in der CDU-Zentrale davon ausgegangen, dass wohl eine Stichwahl zwischen Merz und Röttgen nötig sein würde.

Doch diese ist nun überflüssig, Merz nimmt die Wahl auch sogleich an, auch wenn sie eine vorläufige ist. Formal muss die Abstimmung noch auf einem Parteitag von den 1001 Delegierten bestätigt werden. Dies soll im neuen Jahr, am 21. Jänner, erfolgen. Merz strahlt, es ist schließlich sein dritter Anlauf für den CDU-Vorsitz. Kein Zweifel, er freut sich. Doch als er nach seiner Gefühlslage gefragt wird, erklärt er: "Triumphgesänge sind mir fremd."

Fraktionsspitze bleibt

Man interessiert sich natürlich nicht nur für seine persönliche Befindlichkeit. Merz wird rasch gefragt, ob er nun auch nach dem Posten des Fraktionschefs greifen werde. Diesen hat Ralph Brinkhaus (CDU) inne, er ist bis zum April gewählt. Und Merz hat schon einmal erklärt, dass in Opposition Fraktions- und Parteivorsitz in eine Hand gehörten.

Nun aber sagt er: "Das Thema steht nicht auf der Tagesordnung." Schon gar nicht festlegen möchte er, dass der jetzige CDU-Chef auch automatisch der nächste Kanzlerkandidat der Union sein wird. Er wolle als CDU-Chef auch nicht "Frontalopposition" gegen die Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP machen, sondern "konstruktive Oppositionsarbeit" leisten.

Der jetzige Generalsekretär Ziemiak wird übrigens deshalb seinen Job verlieren, weil Merz dafür schon jemanden im Auge hat: den ehemaligen Berliner Sozialsenator und jetzigen Bundestagsabgeordneten Mario Czaja (46). Er hat bei der Bundestagswahl in Marzahn-Hellersdorf im Osten der Stadt ein Direktmandat gewonnen und dies sogar der Linken abgenommen.

Neue Vize-Generalsekretärin

Merz hat auch eine Frau in seinem Team: Die Bundestagsabgeordnete Christina Stumpp aus Baden-Württemberg soll Vize-Generalsekretärin werden. Zudem wünscht sich Merz den langjährigen Chef der Mittelstandsunion, Carsten Linnemann, und den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer als Vize-Parteichefs.

Klären müssen wird Merz das Verhältnis zum bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder. Die beiden sind nicht die dicksten Freunde. Am Freitag gab es aber nur Freundliches von Söder: "Das ist ein wichtiges Signal von neuer Stärke. Und es soll auch ein Signal sein für mehr Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU." (Birgit Baumann aus Berlin, 17.12.2021)