Am Sonntag stehen, wenn alles gutgeht, um 19.00 Uhr auf dem Wiener Ring alle anderthalb Meter Personen mit einer Kerze in der Hand. Dieses "Lichtermeer" soll der 13.000 Covid-Verstorbenen gedenken, das Pflegepersonal ehren – und implizit ein Kontra zu den bisherigen Massendemonstrationen der Corona-Leugner und Impfgegner bieten. Das Motto lautet #YesWeCare.

Der wohl prominenteste Unterstützer des Lichtermeers ist der Bundeskanzler.
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Die Idee stammt von zwei zivilgesellschaftlichen Aktivisten, Daniel Landau und Roman Scamoni. Der wohl prominenteste Unterstützer der Aktion ist Bundeskanzler Karl Nehammer. Auf Twitter empfahl er praktisch, hinzugehen und "das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen".

Was ist los? Ein Schachzug von Nehammers Spindoktoren, die eine Imagekorrektur weg vom Erbe des Sebastian Kurz, der sicher nicht zu so etwas aufgerufen hätte, basteln? Oder eine bewusste Aktion von Nehammer, dem die Schwurblerdemos mitsamt dem Antreiber Herbert Kickl schwer auf die Nerven gehen? Vielleicht sogar eine echte Geste in Richtung der "vernünftigen" Zivilgesellschaft? Möglicherweise alles zusammen.

Auf die Polizei wartet eine beachtliche Aufgabe. Die zunehmende Radikalisierung vieler Anti-Impf-Demonstranten (erkennbar in der Puls-24-Doku Impfangst, Verschwörung, Gewalt) ist da in Rechnung zu stellen. Jedenfalls ist die stille Lichterdemo, die sich nicht auf pro oder kontra Impfen einlässt, dem Ernst der Lage angemessen. (Hans Rauscher, 17.12.2021)