"Die Kids zu bewegen", ein Hauptanliegen Dobretsbergers.

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Wien – Wie lange noch, wie oft noch? Das fragen sich nicht zuletzt viele, die sich selbst oder deren Kinder sich regelmäßig in Sportvereinen tummeln. Eine große Mehrheit dieser Vereine ist in Lockdowns fast schon traditionell zum Zusperren gezwungen – was dazu führt, dass Groß und Klein immer seltener in Bewegung kommen. Umso größer war die Erleichterung, als der Sport nach dem jüngsten Lockdown den ersten Öffnungsschritt mittun konnte. Der nächste Schritt zurück ist allerdings absehbar, deshalb bangen insbesondere Indoor-Sportarten, viele Teamsportarten, Kontaktsportarten sowieso.

Das Problem, das der Fußball hat, liegt auf der Hand. Er ist klar jener Sport, den die meisten ausüben. Gleichzeitig ermöglicht der sogenannte Spitzensporterlass nur jenen, die um nationale Meistertitel streiten, das Trainieren und Spielen auch im Lockdown. "Der Erwachsenenfußball ist ja generell nur das Endprodukt", sagt Johannes Dobretsberger, der Vizepräsident des Wiener Fußballverbands (WFV), dem STANDARD. "Die Kids zu bewegen, das ist mehr denn je ein Hauptanliegen von uns."

Flexible Vereine

Corona wirkt(e) sich im Nachwuchs unterschiedlich aus, sagt Dobretsberger. Etliche 15- bis 17-Jährige hörten wegen der vielen Pausen auf. "Dafür haben Vereine bei den Jüngeren Zulauf verzeichnet. Viele Eltern haben gesehen, wie wichtig die Bewegung für die Kinder ist oder welche Belastungen es mit sich bringt, wenn sich Kinder nicht ausreichend bewegen." Im WFV-Ausbildungszentrum wird sowieso stets gemäß der aktuellen Verordnung trainiert. Cluster bildeten sich auch im Amateurfußball nicht.

Die Vereine haben reagiert, sie sind flexibler geworden. In Lockdowns gibt es viele Onlineangebote, ansonsten wird trainiert, wenn Training möglich ist. Wie in vielen anderen Sportarten, die indoor wie outdoor möglich sind, verlängern Fußballvereine die Freiluftsaison und lassen das Hallentraining mehr oder weniger links liegen. Die klimatischen Veränderungen spielen da mit. In Wien schneit es seltener als früher, der Schnee bleibt kaum einmal so lange liegen, dass sich draußen gar nicht trainieren lässt. Ein großes WFV-Anliegen ist der Mädchen- und Frauenfußball, hier geht laut Dobretsberger "dank großen Engagements der Beteiligten" auch einiges weiter.

"Teil der Lösung"

Hätte der WFV-Vizepräsident Dobretsberger drei Wünsche frei, würde der erste lauten: "Das Ehrenamt schützen und schätzen." Ehrenamtliche seien die Basis vieler Vereine und Sportarten, doch Ehrenamtliche müssen erst einmal gefunden und auch gehalten werden. Der zweite Wunsch? "Sportstätten müssen Teil der Stadtplanung sein. Wenn es ein neues Wohngebiet gibt, gehört der Sport von Anfang an mitgedacht." Beim dritten Wunsch kommt Dobretsberger zur Pandemie und zum nächsten drohenden Lockdown zurück: "Sport kann gegensteuern. Sport darf kein Problem, sondern sollte immer Teil der Lösung sein." (Fritz Neumann, 21.12.2021)