Sie machen immensen Schaden, schmecken gut, aber das Dumme an der Wildschweinjagd ist halt: Die Viecher sind höchst intelligent. Das Burgenland versucht es trotzdem.

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Den burgenländischen Wildschweinen soll es nun so forciert an den Kragen gehen, als wären Asterix und Obelix auf der Pirsch. Denn aus Ungarn nähert sich, drohend, die Afrikanische Schweinepest. Die Gesundheitsagentur, die mit Corona ohnehin ausgelastete Ages, stuft die Gefährdungslage im Burgenland als hoch ein. Das Land reagiert mit Abschussprämien und bittet die Jägerschaft, den geschätzten Bestand von rund 30.000 Tieren um zwei Drittel zu reduzieren.

So solle die Seuche, wenn schon nicht gestoppt, so doch gebremst werden. 500.000 seien, lockt der zuständige Landesrat Leonhard Schneemann (SPÖ), für nächstes Jahr im Fördertopf.

25 Euro würden pro tote Sau ausgeschüttet. Würde diese einer kulinarischen Verwertung zugeführt, kämen weitere 25 dazu. Die Afrikanische Schweinepest sei ja für den Menschen nicht gefährlich. Freilich dürfe dieser dann seine Restln nicht – wie gewohnt – in der Botanik entsorgen. Die Schweinepestviren sind langlebig. Hungrige Wildschweine könnten sich am Menschenmist leicht infizieren und das Virus auch an den Hausschweinebestand weitergeben. Dort hieße das, was das Land im Wald tun möchte, keulen.

Und um das zu verhindern, wird sogar ein langgehegter Jägerwunsch nun gesetzlich erlaubt: die Verwendung von Nachtsicht-Zielgeräten, wie es im ähnlich bedrohten Niederösterreich schon erlaubt ist. "Gut" – so heißt es nun da und dort im Burgenland –, "wenn man einen Jagdverband hätte."

Streit um Jagdverband

Den gibt es nämlich nur noch unter Vorbehalt. Das blutrote Land hat vor einem Jahr beschlossen, den bestehenden öffentlich-rechtlichen, selbstverwalteten Jagdverband in seine öffentliche Hand zu übernehmen. Seither streitet man. Es geht auch um Vermögen. Verfassungsexperte Heinz Mayer expertiert für den alten Jagdverband. Der hofft, in Person des noch amtierenden Landesjägermeisters Roman Leitner, dass der Verfassungsgerichtshof noch in seiner Dezembersession entscheidet. Das Land hat einen Landesverfassungsdienst. Der hofft auch. Aber anders herum.

Dem Abschussplan des Landesjäger-Landesrats kann Leitner durchaus etwas abgewinnen. Er hält bloß die Schätzung des Landes für zu hoch. Und von daher das Abschussziel von rund 20.000 Tieren für kühn. "In sehr guten Jahren haben wir eine Strecke von 10.000." Die Nachtsichtgeräte könnten klarerweise helfen. "Aber warum wird das nur für ein Jahr erlaubt? Nachtsichtfähige Zielfernrohre kosten zwei- bis dreitausend Euro."

"Wildschweine", sagt ein Sprecher des Landesrats, "sind sehr intelligent. Eine ständige Bejagung bei Nacht würde sie tagaktiver machen. Das wollen wir auch nicht." Die Schweinsintelligenz betont auch der grüne Landtagsmandatar Wolfgang Spitzmüller. "Wildschweine sind hochintelligente und in Gruppen lebende Tiere, die ortstreu sind. Die Verbreitung der Schweinepest durch Wildschweine ist daher äußerst gering." (Wolfgang Weisgram, 21.12.2021)