Der neu zugelassene Impfstoff hat auch eine gute Booster-Wirkung.

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Kein Weihnachtswunder wird es in Sachen Corona geben. Im Gegenteil, die Omikron-Variante bringt wohl wieder Verschärfungen. Zwar hat Österreich durch den kürzlich zu Ende gegangenen Lockdown etwas Luft bekommen, doch lange wird die Atempause nicht dauern. Zumindest was die Impfstoffe anbelangt, gibt es aber positive Neuigkeiten.

Am Montag hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Impfstoff Nuvaxovid des US-Pharmaunternehmens Novavax für die EU zugelassen. Der zuständige EMA-Ausschuss empfahl eine bedingte Zulassung ab 18 Jahren, die EU-Kommission hat diese bestätigt. Es ist damit der fünfte in der EU zugelassene Covid-19-Impfstoff sowie der erste auf Protein-Basis. Die Auslieferung soll im Jänner starten.

Weniger Impfreaktionen

Bei dem Vakzin handelt es sich um einen sogenannten rekombinanten Protein-Impfstoff, das ist eigentlich kein Totimpfstoff, auch wenn er oft so genannt wird. Der Unterschied zum mRNA-Vakzin: Er liefert das Spike-Protein schon mit, der Körper muss es nicht selbst produzieren. Dieses wird von den Zellen eines Nachtfalters hergestellt, den man mit einem gentechnisch veränderten Baculovirus infiziert. Mit dem Hilfsstoff Saponin wird es dann in den Körper eingebracht. "Insgesamt ist das Vakzin recht gut verträglich, vielleicht sogar einen Tick besser als eine mRNA-Impfung. Vor allem Fieber tritt deutlich seltener auf", weiß Markus Zeitlinger, Pharmakologe der Med-Uni Wien.

Die Schutzwirkung einer Novavax-Impfung liegt bei rund 90 Prozent, allerdings gegen die Alpha-Variante. Zeitlinger: "Das war die Basis für die Studien. Aufgrund von Qualitätsauflagen für das Vakzin hat sich die Zulassung dann aber deutlich verzögert. Deshalb hat man auch noch keine Daten über die Wirksamkeit gegen Delta oder Omikron." Es gibt aber bereits Erkenntnisse über die Booster-Wirkung: Eine Studie, die im Journal The Lancet veröffentlicht wurde, zeigt, dass das Vakzin als Booster gut geeignet ist, die Wirkung ist nur geringfügig schlechter als bei den mRNA-Impfstoffen. Deshalb könnte das Novavax-Vakzin auch ein möglicher Booster für Menschen sein, die beim mRNA-Stich sehr starke Nebenwirkungen hatten.

Lieferung im neuen Jahr

Herwig Kollaritsch, Mikrobiologe und Mitglied des Nationalen Impfgremiums (NIG), bestätigt die Einschätzung Zeitlingers: "Immunologisch bringt das Novavax-Vakzin keine Vorteile." Das Gremium tagt wieder am Mittwoch, dann gibt es eine Stellungnahme zum Impfstoff.

Österreich hat diesen bereits bestellt, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilt, und die volle Liefermenge abgerufen. Das sind rund 750.000 Dosen, die Lieferung soll im ersten Quartal 2022 beginnen. Prinzipiell kann man sich aus heutiger Sicht den Impfstoff dann frei aussuchen, es gibt keine Priorisierung bei der Zuteilung. Organisiert wird die Verteilung wie bisher über die Bundesländer.

Dass das Vakzin von Novavax viele bisher kritische Menschen überzeugen wird – immer noch warten nicht wenige auf einen Totimpfstoff –, bezweifelt Pharmakologe Zeitlinger: "Ein impfkritischer Mensch wird immer etwas finden. Auch das Novavax-Vakzin wird mit Gentechnik hergestellt und benötigt den Hilfsstoff Saponin. In einem echten Totimpfstoff könnte der Hilfsstoff Aluminium ein Grund für die Ablehnung sein. Dabei sind alle diese Impfstoffe gut verträglich."

Impfstoffanpassung

Ob aufgrund von Omikron die aktuellen Vakzine angepasst werden müssen, ist noch nicht klar. Eine Studie, soeben publiziert auf dem Preprint-Server BioRxiv, bezweifelt das. Laut ihr sorgen Booster-Shots für einen ausreichend hohen Schutz. Deshalb sollte man damit auch keinesfalls warten. Sollte doch eine Anpassung nötig sein, Biontech/Pfizer und Moderna arbeiten bereits daran. Die EU hat auch schon 180 Millionen Dosen reserviert, aus diesem Kontingent würde auch Österreich bedient werden.

Nicht sicher ist, ob ein Booster mit dem Moderna-Vakzin bei Omikron wirklich besser schützt, wie zuletzt von einigen berichtet. Zeitlinger meint dazu: "Moderna ist insgesamt das Vakzin mit der besten Wirkung, aber auch mit den stärksten Impfreaktionen, weil die Dosis am höchsten ist. Seine Wirkung bei Omikron ist deshalb wohl um einen Tick besser, aber nicht mehr." (Pia Kruckenhauser, 20. Dezember 2021)