Stress kann zu totaler Erschöpfung führen, Kurbetriebe spüren das.

Foto: getty images

Durch die Corona-Pandemie, die bald in das dritte Jahr geht, ist die Gesundheit für viele Menschen wieder das Maß aller Dinge geworden. Corona verursacht aber auch viel zusätzlichen Stress, mit dem viele, auf sich allein gestellt, nicht umgehen können. Davon weiß man nicht zuletzt bei den Hochreiter Gesundheitsbetrieben mit drei psychiatrischen Reha-Standorten ein Lied zu singen.

"Wir registrieren steigende Nachfrage nach unseren Dienstleistungen," sagt Andreas Eckerstorfer, Marketingmanager der Hochreiter Gesundheitsbetriebe, im Gespräch mit dem STANDARD. "Dadurch, dass wir drei Indikationen haben – Interne Medizin, Orthopädie und Psychiatrie –, unterscheiden wir uns wesentlich von Medical Wellness."

General Zufall

Dass es die Hochreiter Gesundheitsbetriebe gibt, ist einem Zufall geschuldet. Hervorgegangen ist der Zweig aus einem Fleischereibetrieb in Bad Leonfelden, nah an der tschechischen Grenze. Wolfgang Hochreiter (52), der Firmenchef, hat die kleine Metzgerei seiner Eltern in den vergangenen 25 Jahren zu einem ansehnlichen Fleischkonzern ausgebaut. "Hochreiter war einer der Ersten in Europa, der eine Amerika-Zertifizierung für Salami bekommen hat", erzählt Eckerstorfer. Das gehe nur mit strengsten Hygienestandards, wovon nun auch der Gesundheitszweig profitiere.

Und der Gesundheitszweig? Die Familie hatte Anteile am Kurhotel Bad Leonfelden, das 1962 errichtet worden ist. Kneipp-Kuren für Privatpatienten und -patientinnen spielten irgendwann nicht mehr genug Geld ein, das Hotel geriet in Schieflage. Hochreiter hat es 2006 übernommen, Verträge mit der Sozialversicherung abgeschlossen, Privatpatienten aber weiter betreut. 2018 wurde fast alles weggerissen. Ergebnis ist das Vortuna Gesundheitsresort.

Spezialisierung auf psychiatrische Reha

"Jetzt haben wir eine psychiatrische Rehabilitation dort, auch Therapien für Stoffwechsel, Stütz- und Bewegungsapparat", sagt Eckerstorfer. "Das war der erste Schritt."

Der zweite war dann die Übernahme des ehemaligen Sanatoriums Rupp in St. Georgen im Attergau (OÖ), das zuvor in die Insolvenz geschlittert war. Seit der Übernahme hat Hochreiter allein hier an die 20 Millionen Euro in die Neuaufstellung des Kurhauses und Hotels gesteckt. Verantwortlich für den medizinischen Bereich des neuen Gesundheitszentrums "Am Kogl" ist Josef Hochreiter, Primar für Orthopädie am Ordensklinikum Linz und Bruder von Wolfgang Hochreiter.

"Auszeit" in St. Lamprecht

Der dritte Standort liegt in der Steiermark. Vor eineinhalb Jahren hat Hochreiter das frühere Austria Trend Hotel in St. Lambrecht, das dann unter neuen Eigentümern als Lambrechterhof ebenfalls in wirtschaftliche Schieflage geriet, gekauft. Im vierten Stock des auf "Auszeit" umbenannten Hauses ist ein eigener Reha-Trakt dazugekommen, wo Anti-Stress-Behandlungen durchgeführt werden.

Mit Platz für rund 460 Patienten an den drei Standorten habe man nun "eine kritische Masse", die ein gutes Fortkommen garantiere, sagt Eckerstorfer. Es gebe Strukturen wie in einem Großkonzern, aber auch kurze Entscheidungswege, weil eigentümergeführt. In Summe sind in den vergangenen drei Jahren knapp 60 Millionen Euro investiert worden, alle drei Betriebe sind laut Unternehmensangaben inzwischen auf Vier-Sterne-Superior-Niveau.

Privatpatienten als Abwechslung

Dass es in Österreich zu wenig Ärzte und Pflegekräfte gibt, sei nichts Neues. Umso wichtiger sei es, dass man bei Hochreiter auch das Privatsegment abdecke. Eckerstorfer: "Das macht es für das Personal insgesamt abwechslungsreicher, als nur das Leistungsprofil der Sozialversicherung abzuarbeiten."

Corona habe nicht nur die Nachfrage nach medizintechnischen Dienstleistungen in der Freizeit enorm gesteigert, auch personell habe man profitiert. "Es gibt durchaus die eine oder andere Pflegekraft, die von einem Akutspital zu uns gekommen ist", sagt Eckerstorfer. Zusatz: "Ohne dass wir sie abgeworben hätten." Es gehe nicht zuvorderst um mehr Geld, sondern darum, "dass viele den Druck nicht mehr aushalten und sich deshalb umorientieren".

(Günther Strobl, 28.12.2021)