21 Jahre ist es her, da fürchtete man sich vor "Year2k"-Bugs und sinnierte über die Zukunft der Menschheit im neuen Jahrtausend – auch wenn dieses streng genommen eigentlich erst 2001 begann. Seitdem ist viel passiert, so manche Prognosen sollten sich als fast beunruhigend genau herausstellen. Und eine Reihe von Technologien hat unser Leben seitdem auf verschiedenste Weise geprägt.

Aus einer Liste vieler möglicher Kandidaten wollen wir drei herausgreifen, die besonderen Einfluss auf unser Leben gewonnen haben: Elektroautos, künstliche Intelligenz und mobiles Breitbandinternet.

Autos auf einem Parkplatz von Tesla im kalifornischen Fremont.
Foto: Imago/UPI Photos

Elektroautos

Der Elektromotor ist keine besonders neue Erfindung, führte aber lange ein Schattendasein gegen Motoren, die mit lange sehr billigen Treibstoffen auf Erdölbasis betrieben wurden. Doch mittlerweile findet ein Umdenken statt. Nicht nur der Verbrenner-Beitrag zum Klimawandel, auch Aspekte wie lokale Luftverschmutzung und Lärmbelastung sind zum Thema geworden.

Gerade die Debatte um das Auto ist eine oft mit fast religiöser Ernsthaftigkeit geführte. Nicht jedem schmeckt die Aussicht darauf, dass E-Autos die Zukunftslösung des privaten Individualverkehrs sind – oder zumindest eine davon. Ihre Klimabilanz, die auch unter Einbezug von Stromversorgung und Lebensdauer die "Benziner" aussticht, machen sie ebenfalls zur aktuell besten Wahl. Die Zeichen der Zeit haben mittlerweile auch "alteingesessene" Autokonzerne, die die "Elektrischen" vor ein paar Jahren noch belächelt haben, erkannt. Zuletzt hat etwa Hyundai, der größte Pkw-Hersteller Südkoreas, die Weiterentwicklung von Verbrennermotoren eingestellt und will sich voll auf elektrische Fahrzeuge konzentrieren.

Data Top Ten

Was die Rohstoffbilanz angeht, stehen konventionelle Autos noch besser da. In einem Bericht von Anfang 2021 (PDF) geht das deutsche Umweltministerium aber davon aus, dass dieser Abstand durch technologischen Fortschritt künftig ausgeglichen werden kann. Man weist aber auch darauf hin, dass eine Reduktion des Verkehrsaufkommens, insbesondere in urbanen Gebieten durch die Verlagerung auf Öffis, ebenfalls erfolgen muss.

Im Kampf gegen den menschgemachten Klimawandel und seine potenziell verheerenden Folgen muss an vielen Rädchen gedreht werden. Aber kaum eines davon hat die Symbolkraft von E-Autos erreicht. Eine Symbolkraft, die sich zunehmend auch auf den Straßen abbildet, auf denen das Brummen der Verbrenner langsam, aber sicher durch das Surren der E-Autos ersetzt wird.

Der Fortschritt bei ihrer Entwicklung und ihre wachsende Popularität sind auch zu einem guten Teil dem exzentrischen Enfant terrible der Tech-Welt, Elon Musk, zu verdanken, der den Tesla-Konzern mitgegründet hat. Dieser stellt – Stand 2018 – alleine in den USA 54 Prozent Anteil am wachsenden Markt für Elektroautos.

"Cortana" aus der Spielereihe "Halo". Nach ihr hat Microsoft seinen eigenen Sprachassistenten benannt.
Foto: Microsoft

Künstliche Intelligenz

Was gerade in Spielen lange Zeit als künstliche Intelligenz bezeichnet wurde, waren eigentlich relativ simple Algorithmen, die gewieften Spielern nur durch Schummelei oder massive Ressourcenvorteile etwas entgegensetzen konnten. Unvergessen sind etwa die Tiberiumsammler aus dem Echtzeitstrategieklassiker "Command & Conquer" (1995), die stur den gerade kürzesten Weg von und zu den Rohstofffeldern fuhren, selbst wenn dieser schnurstracks durch die feindliche Basis führte.

Wohin der Weg führen sollte, bewies noch in den Neunzigern IBMs Schachsystem "Deep Blue", als es den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow bezwang. Es stützte sich allerdings nicht auf tatsächliche Lernfähigkeit – wie auch die Entwickler selber festhielten –, sondern auf eine riesige Datenbank an Schachpartien, in der es nach den jeweils erfolgversprechendsten nächsten Zügen fahndete. Dafür zeigte es das Potenzial des Einsatzes großer Datenmengen, wie sie auch heute für Maschinenlernen beziehungsweise das Trainieren von KI-Systemen genutzt werden.

Schach, mit seinen sechs Figurentypen und 64 Feldern, ist freilich ein längst "gelöstes" Spiel. Sprich: Man kann sich recht einfach auf eine Datenbank mit allen erdenklichen Zugvarianten zu stützen. Anders sieht das bei Brettspielen wie Go aus, bei denen es nicht nur erheblich mehr Felder, sondern auch komplexere Regeln gibt. Weil es praktisch unmöglich ist, sämtliche mögliche Züge zu katalogisieren und sinnvoll zu verarbeiten, ist diese Herausforderung nur noch durch ein selbstlernendes System lösbar.

DeepMind

Den Machbarkeitsbeweis dafür hat das von Googles Deepmind-Abteilung entwickelte AlphaGo erbracht, als es 2016 den als weltbesten Profispieler Lee Sedol bezwingen konnte. Anstelle einer riesigen Zugsammlung baute AlphaGo auf digitalen neuronalen Netzwerken auf, die anhand der Analyse zahlreicher Matches und Partien gegen sich selbst in die Lage versetzt wurden, das Spielgeschehen selbständig einzuschätzen und Züge zu entwickeln. Statt von einer riesigen Datenbank wurde das System im Match gegen Lee Sedol dafür von 1920 Prozessoren und 280 Grafikeinheiten gestützt.

Die Zeit ist seitdem nicht stillgestanden, KI arbeitet sich immer mehr in verschiedene Lebensbereiche vor. In der Medizin zeigt sie großes Potenzial, wenn es etwa um die Auswertung von CT-Scans oder die Entwicklung neuer Medikamente geht. Im Straßenverkehr soll sie künftig für sicheres Fortkommen mit selbstfahrenden Autos und smarter Verkehrsregelung sorgen. Aber auch Suchmaschinenergebnisse basieren längst nicht mehr nur rein auf Algorithmen, und Sprachassistenten setzen zunehmend auf KI, wenn es darum geht, unsere Befehle zu verstehen und zu interpretieren.

Unerwähnt bleiben darf dabei natürlich nicht die "dunkle" Seite. Der Einsatz von KI zu Überwachungszwecken wirft gewichtige Fragen rund um Datenschutz und Ethik auf. Und eine wachsende Zahl an Politikern und Experten fordert bereits ein Moratorium für smarte beziehungsweise autonome Waffensysteme, deren Entwicklung so manchen an das dystopische Szenario der "Terminator"-Reihe erinnert.

Funkmasten für mobilen Breitbandempfang sind eine wichtige Stütze des digitalen Alltags.
Foto: Reuters/Adrees Latif

Mobiles Breitbandinternet

In den frühen 2000ern wurde das Internet zum Massenmedium. Auch das Platzen der "Dotcom-Blase" konnte den Siegeszug der weltweiten Vernetzung nicht aufhalten. Sie hatte aber ihre Grenzen, denn wer das Internet "sinnvoll" nutzen wollte, musste das in der Regel daheim oder in einem Internetcafé tun. Zwar gab es auch internetfähige Handys, doch die Brauchbarkeit der Dienste, die sich gegen teures Geld auf den weit verbreiteten Tastenhandys via 2G-Anbindung nutzen ließen, war – sehr freundlich formuliert – überschaubar.

Das änderte sich, als die Betreiber damit begannen, 3G-Netzwerke (UMTS, HSDPA) zu errichten und damit plötzlich verhältnismäßig hohe Datenraten von zuerst bis zu 3,6 und später 7,2 Megabit pro Sekunde (mbit/s) möglich wurden. USB-Modems für PCs und Laptops wurden zum beliebten Accessoire, das – um hier auch eine anekdotische Beobachtung einzubringen – so manchen Bewohner eines schlecht angebundenen Salzburger Studentenheims von der Plage des allabendlichen Internetstillstands befreite.

In diese Zeit fiel auch eine andere Transformation, die mit der neuen "Mobilität" des Internets bald Hand in Hand gehen sollte: die Smartphone-Ära. Speziell durch den Erfolg des iPhones angetrieben, dessen erstes Modell aus 2007 noch auf 3G-Anbindung verzichtete, wurde ein kompatibles Modem alsbald zur Standardausstattung. Sie ist auch nicht mehr wegzudenken, denn ohne (gute) Internetanbindung funktionieren viele Features unserer modernen Handys nicht oder nur noch eingeschränkt.

DW Shift

Mobiles Breitband ist aber nicht nur ein entscheidender Treiber für den Erfolg der Smartphones, sondern hat längst eine viel größere Wirkweite. Von WLAN im Zug, Breitband für mit Telekabel, Glasfaser oder Telefonleitung kaum erschließbare Gebiete, kabellose Kassensysteme bis hin zur Echtzeitorganisation unter politischen Aktivisten in autoritär geführten Ländern oder der smarten Steuerung von Betrieben – der Internetempfang per Mobilfunk eröffnet heute viele Möglichkeiten, die vor 15 Jahren noch Zukunftsmusik waren. Apropos Zukunftsmusik: Natürlich soll 5G auch einmal eine tragende Rolle bei der Vernetzung selbstfahrender Autos spielen.

Die dichtere Vernetzung hat natürlich auch ihre Schattenseiten. Denn überall, wo Daten fließen, gibt es natürlich Interesse an diesen. Sei es vonseiten großer Techkonzerne oder staatlicher und privater Überwachungsapparate. Dass wir oft und gerne mit unseren Smartphones kommunizieren, wurde erst durch mobiles Breitband möglich. Das stellt heute auch die Geschäftsgrundlage von Unternehmen wie dem "Pegasus"-Hersteller NSO Group dar.

Trotz Bedenken ob seines Stromverbrauchs weiterhin die wichtigste Kryptowährung: der Bitcoin.
Foto: Reuters/Edgar Su

Aber was ist mit …?

Diese subjektive Aufzählung dieser drei Technologien ist natürlich bei weitem nicht vollständig. An dieser Stelle könnten natürlich auch Social Networks – ebenfalls große Profiteure des ubiquitären Internetempfangs – stehen. Sie waren immerhin lange Hoffnungsträger für friedvollen globalen Austausch, in den letzten Jahren aber zunehmend in den Schlagzeilen für ihre Missbrauchsanfälligkeit und Verfehlungen im Kampf gegen selbige.

Oder Kryptowährungen, die anfangs von der traditionellen Finanzbranche müde belächelt wurden. Kryptowährungen dienen noch lange nicht als alltägliche Zahlungsmittel, aber immer mehr Zahlungsdienstleister beginnen, sie zu akzeptieren, und manche Finanzinstitute integrieren sie als Anlageoption. Mit Spannung blickt die Kryptowelt außerdem nach El Salvador, wo der Bitcoin vor wenigen Monaten zu einem offiziellen Zahlungsmittel erhoben wurde. Die den Kryptos zugrunde liegende Blockchain-Technologie hingegen findet schon praktischen Einsatz, beispielsweise für die schnelle und oft automatisierte Aushandlung und Abwicklung von Verträgen, sogenannten "Smart Contracts", im B2B-Bereich.

Besorgnis gibt es aber hinsichtlich des Energieverbrauchs, insbesondere bei Kryptowährungen, die stark auf das Proof-of-Work-Verfahren bei der Validierung von Transaktionen setzen. Nachdem China, einst Hotspot der Bitcoin- und Ethereum-Miner, massive Einschränkungen beschlossen hat, nehmen diese nun in den USA zunehmend stillgelegte Gas- und Ölkraftwerke in Betrieb, um sich ihren billigen Strom selbst zu erzeugen. Für die Ökobilanz bedeutet das nichts Gutes. Laut Berechnungen des "Digiconomist" verbraucht das Bitcoin-Netzwerk alleine mittlerweile jährlich mehr Strom als ganz Thailand.

Welche (Computer-)Technologien haben Ihrer Meinung nach die Welt seit der Jahrtausendwende am stärksten geprägt? Posten Sie ihre Nominierungen ins Forum! (gpi, 6.1.2021)