Apple bewirbt den eigenen Appstore als sicheren Ort.

Foto: AP / Patrick Semansky

"Apps, die du liebst. Und denen du vertrauen kannst": Mit diesem Slogan bewirbt Apple seinen Appstore, immerhin präsentiert sich der iPhone-Hersteller seit einiger Zeit als Vorreiter in Sachen User-Sicherheit. Neben automatischen Überprüfungen auf Schadsoftware gibt es deshalb Moderatoren, die unter anderem tagtäglich die Appstore-Charts "auf Qualität und auf Richtigkeit" überprüfen sollen. Fehlerfrei scheint das System allerdings nicht zu sein – weshalb scheinbar Anfang Jänner in mehreren Ländern eine Filmpiraterie-App den ersten Platz der Charts belegen konnte.

Diese soll das Anschauen zahlreicher beliebter Filme und Serien ermöglicht haben, darunter "Das Buch von Boba Fett", "The Witcher" und "Hawkeye". Auf den Vorfall machte der iOS-Entwickler Kosta Eleftheriou aufmerksam, der sich als "professioneller Appstore-Kritiker" bezeichnet. Seine Behauptung untermauert er mit Screenshots, die eine App namens "Hdo Player – Fast play video" am 2. Jänner auf Platz eins der Charts zeigen. Diese soll das kostenfreie Anschauen aktueller Veröffentlichungen erlauben – finanziert durch Werbung. Betroffen sind laut ihm unter anderem Ägypten, Algerien, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Link ins Leere

Besonders viel Mühe scheinen sich die Verantwortlichen bei der Einreichung dabei nicht gegeben zu haben. Der Link zur Entwicklerwebseite führte laut Eleftherious Screenshots in die Leere. Ebenso jener zur (nicht existenten) Datenschutzrichtlinie.

Inzwischen hat Apple den "Hdo Player" entfernt, der STANDARD konnte die App nicht mehr auffinden. Gibt man allerdings den Namen im Suchfeld ein, werden einem gleich mehrere Apps vorgeschlagen, die erstgenannter zumindest ähnlich sehen. Laut den App-Beschreibungen erlauben diese in der Regel bloß das Ansehen von Trailern und das Nachlesen von Informationen über allerlei Produktionen. Gleichzeitig sieht man auf einzelnen Vorschaubildern jedoch, dass man scheinbar auch ganze Filme anschauen kann – oder zumindest konnte.

Wirft man einen Blick in die App-Rezensionen findet man in einem Fall mehrere enttäuschte User, die sich beschweren, dass man seit einem Update im Sommer 2021 keine ganzen Filme mehr anschauen könne. Um einen Einzelfall scheint es sich bei der von Eleftheriou beschriebenen App also nicht zu handeln.

Kein Sideloading aus Sicherheitsgründen

Der Konzern selbst hebt stets hervor, dass sein Appstore ein sicherer Ort sei. Das dient unter anderem als Argument dafür, das Herunterladen von Apps aus nicht verifizierten Quellen zu verbieten. Die eigene Plattform sei laut dem iPhone-Hersteller wegen dieses Verbots deutlich sicherer als die Konkurrenz. Im Oktober führte Apple in einem Bericht aus, "kürzlich veröffentlichte Studien" würden zeigen, dass Android-Geräte 15- bis 47-mal öfter von Schadsoftware infiziert würden als ein iPhone.

Im Rahmen der Dealbook-Konferenz der "New York Times" erteilte CEO Tim Cook außerdem den eher ungewöhnlichen Rat, dass sich Kritiker möglicherweise ein Android-Smartphone kaufen sollten: "Ich denke, dass Leute schon heute die Wahl haben, Andrew. Wenn sie sideloaden wollen, können sie ein Android-Handy kaufen", sagte er damals.

Die Funktion sei laut ihm vergleichbar mit einem Hersteller, der ein Fahrzeug ohne Airbag oder Sicherheitsgurt verkauft. Zuvor nannte bereits Apples Softwarechef Craig Federighi Sideloading den "besten Freund von Cyberkriminellen" und hob die möglichen Gefahren für Endkunden hervor. Um Schadsoftware wird es sich beim "Hdo Player" vermutlich nicht gehandelt haben. Offenbar scheint Apples geschlossenes Ökosystem aber nicht verhindert zu haben, dass eine illegale Streaming-App an die Spitze der Appstore-Charts gelangte. (mick, 3.1.2022)