Vor allem in den Wintersportzentren steigen die Infektionszahlen rasant an.

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Es ist, als befinde sich Österreich in einer Corona-Zeitschleife. Wie in den letzten beiden Jahren verbreitet sich das Virus rasant vor allem in den Skigebieten. Nur die Variante ist eine andere: Omikron.

Und wieder muss Ischgl als Sündenpfuhl Nummer eins herhalten, nachdem Ende Dezember in der Après-Ski-Bar Kitzloch erneut ein Cluster unter den Mitarbeitern ausgebrochen war. Insgesamt fünf Fälle waren zu verzeichnen, davon war ein betroffener Mitarbeiter ungeimpft. Doch anders als zu Pandemiebeginn stand Ischgl am Dienstag mit 68 aktiven Corona-Fällen im Vergleich zu anderen Skiorten recht gut da. Der Hotspot in Tirol liegt derzeit in den Wintersportbezirken des Ober- und Unterlandes.

Kitzbühel ist Spitzenreiter

Die österreichweit höchste Sieben-Tage-Inzidenz hat der Tiroler Bezirk Kitzbühel. Er kratzt mit 992,6 an der Tausendermarke. Dahinter folgt der Bezirk Landeck mit 823,1. Tirolweit lag die Inzidenz am Dienstag bei 471,1, österreichweit bei 261.

Betrachtet man die aktiven Fälle in den Gemeinden, so lässt sich eines ganz klar sagen: Es sind die Skiorte, die mit steigenden Infektionszahlen kämpfen. Auf den Tiroler Spitzenreiter Innsbruck (776 aktive Fälle) folgen bereits Kitzbühel (225), Kirchberg in Tirol (166) und St. Anton am Arlberg (158). Ganz vorne finden sich weiters Sölden (122), St. Johann (101) und Söll (100). In Vorarlberg ist der Trend ähnlich. Dort wies am Dienstag der Skiort Lech am Arlberg mit 66 aktiven Fällen auffallend viele Infektionen auf.

In Sölden und Lech am Arlberg mussten bereits erste Betriebe vorübergehend schließen, weil zu viel Personal infiziert war. Auch der Kitzbüheler Tourismusobmann Christian Harisch musste einen seiner Betriebe mangels Arbeitskräften vorübergehend schließen. Er fürchtet weitere Engpässe und forderte gegenüber der Tiroler Tageszeitung die Aufhebung der K1-Quarantäne für zweifach Geimpfte oder einen harten, einwöchigen Lockdown für den Tourismus ab 10. Jänner.

Cluster in Skischulen

Eine Branche ist besonders von den Neuinfektionen betroffen: Skischulen. Auch das ist eine auffällige Analogie zum Vorjahr, als im Jänner 2021 "Skilehrer-Cluster" in Jochberg für Schlagzeilen sorgten. Heuer sind es St. Anton (21 Fälle) und Kirchberg (24 Fälle), wo sich ausländische Skilehrer angesteckt haben. Diese arbeiten meist als "Skilehrer-Anwärter", was sie zu billigen Arbeitskräften macht. Sie leben in eigenen Personalunterkünften, mitunter in Mehrbettzimmern, was die Ausbreitung des Virus begünstigt.

Als Reaktion auf diese Cluster rief das Land Tirol explizit ausländische Skilehrer auf, sich eine Booster-Impfung zu holen. Den Skischulen wurde "dringend empfohlen", für ihre Angestellten 2G plus umzusetzen. Der Präsident des österreichischen Skischulverbands, Richard Walter, sieht hingegen eher Frankreich als Beispiel, wo man die Quarantäneregelung angesichts steigender Infektionszahlen gelockert hat. Denn die meisten infizierten Skilehrer weisen laut Walter keine Symptome auf.

Auch in Salzburg lässt die Omikron-Variante die Neuinfektionen stark steigen. Spitzenreiter bei der Sieben-Tage-Inzidenz ist mit 888,3 der Pongau, dicht gefolgt vom Lungau mit 795,3. Auch hier geht vor allem in den Skigebieten die hochansteckende Virusvariante um. Die Tourismusorte Altenmarkt, Eben, Filzmoos, Kleinarl, Untertauern und Wagrain liegen bei der Sieben-Tage-Inzidenz bereits über 1.000.

Flachau ist zurzeit eine Kleinstadt

In Flachau, wo nächste Woche auch das Ski-Weltcup-Rennen der Frauen über die Bühne gehen soll, sind die Zahlen besonders hoch. Hier liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bereits bei 4172. "Wir haben ein Problem bei den Mitarbeitern und Skilehrern, die sich in den Mitarbeiterhäusern gegenseitig infizieren", sagt der Flachauer Bürgermeister Thomas Oberreiter (ÖVP). Gleichzeitig gebe es ein hervorragendes Testzentrum, womit der Bürgermeister die vielen Fälle begründet. Denn in Flachau würden, anders als in anderen Skiorten, alle Skilehrer getestet werden, egal ob geimpft oder nicht, sagt Oberreiter.

Der Bürgermeister plädiert dafür, die Zahlen in Relation zu setzen. Denn die Gemeinde habe jetzt nicht nur die 3.000 dauerhaften Einwohner, sondern es würden sich derzeit rund 15.000 Menschen im Ort aufhalten. "Flachau ist im Moment eine Kleinstadt", sagt Oberreiter. Etwa zwei Drittel der Infizierten seien Nebenwohnsitzer oder Skilehrer. Doch kein Einziger sei schwer erkrankt, betont der Bürgermeister. Es seien viele junge Leute, es brauche niemand Behandlung. Die Infizierten werden in den Unterkünften in den Zimmern abgeschottet, bis sie wieder negativ getestet werden.

Probleme bereiten die vielen Infizierten den Betrieben. Etwa fünf Gasthäuser mussten bereits schließen, weil sie zu wenig Mitarbeiter haben. "Auch die Skischulen fahren im Notbetrieb", sagt Oberreiter.

Weltcup abgeschirmt

Wie man nun mit dem Weltcup verfahre, sei zwar diskutiert worden. "Das ist aber eine eigene Blase", betont der Bürgermeister. Der Weltcup-Tross habe eigene abgeschirmte Bereiche, die Menschen seien in ihren Quartieren abgeschottet, hätten keinen Kontakt, und es gebe keine Zuschauer. "Insofern sorge ich mich nicht", sagt Oberreiter. Eine Quarantäne sei noch nicht im Gespräch. Schon bei der ersten Welle im März 2020 war Flachau neben dem Gasteiner- und dem Großarltal einer der ersten Orte, die unter Quarantäne gestellt wurden. (Steffen Arora, Stefanie Ruep, 5.1.2022)