Melbourne, 2021: Djokovic posiert nach seinem neunten Titel.

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Melbourne, 2022: Serbische Fans demonstrieren vor dem Hotel.

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Es gibt nur wenige Australierinnen und Australier, die der Causa Novak Djokovic etwas Positives abgewinnen können. Der serbische Tennisweltranglistenerste ist nach seinem Versuch, mit einer Ausnahmebewilligung die in Australien geltende Covid-Impfpflicht für Ankommende umgehen zu können, zur Persona non grata geworden. Er war am Mittwoch in Melbourne gelandet, um an den bevorstehenden Australian Open teilzunehmen. Während die Regierung des Bundesstaates Victoria dem ungeimpften Spieler aus medizinischen Gründen eine Ausnahmegenehmigung erteilt hatte, weigerte sich die Bundesregierung, ihn ins Land zu lassen.

Der 34-Jährige verbrachte erst acht Stunden im Flughafen in Festhaltehaft. Danach wurde er bis zu seiner Ausweisung im Park Hotel Melbourne untergebracht. Mitleid wegen seines Schicksals empfand in Australien auch am Donnerstag kaum jemand. Nur eine kleine Gruppe von Fans und serbischen Nationalisten hatte sich vor dem Hotel versammelt, um für seine Freilassung zu demonstrieren.

Kampf für die Welt?

Djokovic bleibt vorerst in Melbourne, das Gericht vertagte die Anhörung seiner Anwälte auf Montagvormittag. Die Juristen wollen die Stornierung des Visums anfechten. "Regeln sind Regeln, vor allem, wenn es um unsere Grenzen geht", sagte Australiens Regierungschef Scott Morrison. "Niemand steht über diesen Regeln." Serbiens Präsident Aleksandar Vucic bezeichnete die Vorgänge als "infam. Eine politische Hexenjagd." Papa Srdjan Djokovic polterte in Belgrad: "Sie halten meinen Sohn gefangen. Das ist ein Kampf für die liberale Welt. Nicht für Novak, für die ganze Welt."

Rafael Nadal zeigte hingegen wenig Verständnis für seinen Dauerrivalen. "Es gibt Regeln, und wenn man sich nicht impfen lassen will, dann kann man Probleme bekommen", sagte der Spanier und betonte, dass Djokovic "die Bedingungen seit vielen Monaten" kannte: "Das Einzige, was für mich klar ist, ist, dass man, wenn man geimpft ist, bei den Australian Open und überall spielen kann. Und die Welt hat meiner Meinung nach genug gelitten, um die Regeln nicht zu befolgen." Nadal selbst hatte Corona.

Hoffnungsträger für Flüchtlingsaktivisten

Djokovic ist – wohl ohne es zu wissen – mit seiner Festnahme zu einem Hoffnungsträger für australische Flüchtlingsaktivisten geworden. Menschenrechtsgruppen hoffen, dass die Situation die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Australiens harte Einwanderungspolitik lenkt. Das Park Hotel wird von der Grenzpolizei als Gewahrsamseinrichtung für Asylwerber genutzt. 33 Männer sind derzeit im Hotel inhaftiert. Demonstranten und Flüchtlingsanwälte fordern seit Jahren ihre Freilassung.

"Dies ist eine sehr unglückliche Situation, mit der viele Menschen konfrontiert sind, die nach Australien kommen", sagte Alison Battisson von Human Rights For All zur Lage des Tennisspielers. Sie geht davon aus, dass Djokovic trotz seiner Prominenz nicht anders behandelt worden ist als andere Ankömmlinge ohne korrekte Papiere. "Zunächst einmal wurden ihm höchstwahrscheinlich Handschellen angelegt, das ist eine Standardprozedur. Vom Flughafen aus wurde Djokovic also in Handschellen in einem Lieferwagen mit unmarkierten Fenstern zum Hafthotel gebracht." Im Hotel selbst seien die Fenster komplett abgedichtet und beschichtet, damit die Inhaftierten von außen nicht gesehen werden können.

Die Immigrationspolitik Australiens ist sehr strikt. Ohne das korrekte Visum ins Land kommen zu wollen, wird von der Regierung als schweres Delikt geahndet. Seit Jahrzehnten deportiert Australien meist muslimische Menschen, die versuchen, über Länder wie Indonesien per Boot nach Australien zu fliehen, in Internierungslager in Papua-Neuguinea und Nauru, wo sie meist jahrelang ausharren müssen. Die Bedingungen in den Lagern werden von Menschenrechtsorganisationen als "unmenschlich" und "grausam" beschrieben. Mit dieser "Politik der Härte" will Australien offiziell Nachahmer davon abhalten, die gefährliche Reise über das Meer zu unternehmen. Flüchtlingsorganisationen werfen Canberra aber vor, mit der Methode an den unterschwelligen Rassismus im Volk zu appellieren: Die Mehrheit der Bevölkerung steht hinter der Internierungspolitik.

Schlechte Belüftung

Bei Djokovics Mitbewohnern im Park Hotel handelt es sich vorwiegend um Asylsuchende, deren Flüchtlingsstatus noch abgeklärt werden muss oder die auf ihre Abschiebung warten. Dieser Prozess kann Jahre dauern. Die Inhaftierten dürfen das Hotel und ihre Zimmer in dieser Zeit nicht verlassen. Jüngst gab es Berichte über Maden im Essen. Außerdem wurde die Anlage von Epidemiologen und Architekten wegen ihrer schlechten Belüftung kritisiert. Kürzlich war das Hotel Schauplatz eines Covid-19-Ausbruchs, bei dem sich die Hälfte der Häftlinge und etwa 20 Mitarbeiter mit dem Virus infizierten.

"Djokovic hat die Ressourcen der ganzen Welt hinter sich", sagt Alison Battisson. "Wenn jemand wie er in dieses brutale Regime hineingezogen werden kann, dann muss man sich mal vorstellen, womit Menschen konfrontiert werden, die am Flughafen oder per Boot Asyl beantragen. Sie sehen sich einem undurchdringlichen System von sich ständig ändernden Regeln und Vorschriften gegenüber."

Die Australian Open beginnen am 17. Jänner. (Urs Wälterlin aus Melbourne, 6.1.2022)