Demo gegen Corona-Maßnahmen im Dezember in Wien.

Foto: APA/FLORIAN WIESER

Für Samstag wurde aus einschlägigen Kreisen wieder einmal zu einem "Sturm auf Wien" aufgerufen. Gute Gelegenheit für die Neonazis des Landes, ihrer Führerrolle gerecht zu werden. Irgendwer muss es ja machen.

Diese eine Überzeugung

Die von nichts als von ihren Ängsten getriebenen Opfer einer skrupellosen Regierung könnten sonst vielleicht nicht zum Heldenplatz finden. Höhere Polizeichargen in seltsamen Uniformen werden danach sicher berichten, eigentlich eh alles im Griff gehabt zu haben, und dem Beobachter wird wieder die Diagnose der Psychiaterin Heidi Kastner einfallen, Dummheit ist die unhinterfragte Überzeugung, im Besitz der Wahrheit zu sein, ohne jeden Zweifel. Und nur diese Überzeugung treibt Corona-Leugner nach Wien.

Zur Einstimmung möglicher Teilnehmer unter ihren Leserinnen und Lesern auf den großen Tag erschien Zur Zeit diese Woche mit dem Cover Freimaurerei – Macht im Schatten? Von so etwas fühlt sich der Corona-Demonstrant prinzipiell bedroht.

Das Fragezeichen hat reine Zierfunktion. Denn im Inneren des Blattes wird die Frage klar beantwortet: Freimaurerei prägt die Welt seit ihrem Bestehen. Ein Beispiel: Ebenso scheint Fakt, dass Freimaurer für das Attentat von Sarajewo auf Thronfolger Franz Ferdinand verantwortlich sind. Da ist es klar: Dass sich Weltanschauungsgruppierungen, Geheimbünde, Sekten und andere nach außen hin das Etikett "Persönlichkeitstraining" mit der Aussicht, ein "besserer Mensch" zu werden, umhängen, ist ja nichts Neues. Denken Sie diesbezüglich beispielsweise auch an Scientology. Guter Vergleich!

So einfach geht das nicht mehr

So einfach wie früher, Freimaurer schlechthin zu Feinden der Menschheit zu erklären, geht das heute nicht mehr. Da muss man schon mit stärkerem Tobak aufwarten, etwa dem Hochgradfreimaurer und Antisemiten Henry Ford, dessen Hetzpamphlet "The international Jew" in 16 Sprachen verkauft wurde. Der hätte sich schämen sollen, statt zu mauern. Zu seiner Zeit hat es wenigstens den "Great Reset" noch nicht gegeben. Aber heute? Da relativ wenig bis gar nichts über eine etwaige Logenzugehörigkeit der maßgeblichen Verantwortlichen und Antreiber des Great Reset bekannt ist, möchte der investigative Journalist Guido Grandt diesbezüglich nicht spekulieren. Dass aber die Ziele des "Großen Umbruchs" mit denen der Freimaurerei konform sind, dürfte wohl kein Geheimnis sein.

Seltsam, ausgerechnet das soll kein Geheimnis sein? Natürlich hat auch Andreas Mölzer zu diesem Thema etwas zu sagen, nämlich: Der Teufel schläft nie. Und derzeit schon gar nicht, denn in Zeiten allgemeiner Bedrängnis und unserer Tage der Pandemie und des damit verbundenen staatlichen Zwangsregimes bis hin zum Lockdown blühen derlei Verschwörungstheorien in besonderem Maße. Und die Unterscheidung zwischen Lüge und Wahrheit und damit das Erkennen von Gut und Böse wird in solchen Tagen der Irrnis besonders schwer. Grund genug, sich kicklmäßig an der Steigerung der Irrnis bis zum Irrsinn zu betätigen.

Verschwörungstheorie auf Servus TV? "Nur Projektionen der Linken"

Ob Freimaurer auch im Presseclub Concordia sitzen, ließ Zur Zeit offen. Aber wie wäre sonst zu erklären, dass das Blatt Servus TV vorwirft, Verschwörungstheorien zu verbreiten. Das hat seinen Grund. Der Salzburger Fernsehsender Servus TV ist dem politmedialen Establishment seit langem ein Dorn im Auge. Nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Servus TV füllt erfolgreich jenes journalistische Vakuum, das die Mitbewerber ORF, ATV und Puls 4 in Österreich hinterlassen. Und das lässt einen Freimaurer nicht ruhig schlafen. Schließlich dient die Corona-Pandemie der herrschenden Klasse als Hebel, um immer mehr gesellschaftliche Bereiche, darunter auch und vor allem die Medien gleichzuschalten.

Allein Servus TV ist aufgrund seiner Eigentümerstruktur nicht käuflich, Besitzer ist Multimilliardär Dietrich Mateschitz. Nun wird von den Freimaurern im Presseclub Concordia vor allem Servus-TV-Chef Ferdinand Wegscheider vorgeworfen, er verbreite in seiner wöchentlichen Satiresendung Unwahrheiten und Verschwörungstheorien. Aber diese Anwürfe sind in Wahrheit nur Projektionen der Linken.

Die sind bloß sauer, weil der Kracherl-Vertreiber mit einem Prinz Michael von Liechtenstein neben dem Theoreticus Wegscheider nun auch noch ein ähnlich gesinntes Magazin Pragmaticus finanziert. Es soll – nicht käuflich! faktenbasierte Information und Orientierung in einer Zeit bieten, die von Erregungsjournalismus geprägt ist. Der Prinz ist Otto-von-Habsburg-Fan.

Und der Teufel schläft nie. (Günter Traxler, 8.1.2022)