Brian Acton wird Interims-CEO bei Signal.

Foto: Mike Blake / REUTERS

Ein Name ist untrennbar mit dem verschlüsselten Messenger Signal verbunden: Moxie Marlinspike war es, der einst im Alleingang mit Textsecure und Redphone jene Apps entwickelte, aus denen schlussendlich Signal hervorging. Bis zuletzt leitete er auch das Projekt, fast eine Dekade später kommt nun aber der Wechsel an der Spitze.

Interimslösung

In einem Blogeintrag kündigt Marlinspike seinen Rücktritt als Signal-CEO an. Sein direkter Nachfolger ist dabei ebenfalls kein Unbekannter: Brian Acton ist einer der Gründer von Whatsapp. Im Signal-Umfeld ist Acton ebenfalls kein Unbekannter, schon bisher ist er der Vorsitzende der Trägerorganisation Signal Foundation. Acton ist gleichzeitig auch der zentrale Finanzier der Signal-Entwicklung – und zwar mithilfe jener Milliarden, die er durch den Verkauf von Whatsapp an Facebook einst erhalten hat. Acton hat sich über die Jahre zum scharfen Kritiker von Meta/Facebook gewandelt.

Allerdings soll Acton diese Rolle nicht dauerhaft besetzen. Es handle sich nur um eine Übergangslösung, bis ein neuer CEO gefunden ist, versichert Marlinspike in seiner Ankündigung. Dieser soll frischen Wind in das Projekt bringen. Ganz will sich der Signal-Gründer übrigens nicht von dem Projekt zurückziehen: Er bleibe ein Mitglied des Signal-Vorstands und werde dabei auch helfen, die grundlegende Ausrichtung des Projekts mitzubestimmen.

Steigende Popularität

Signal galt über viele Jahre als Geheimtipp für all jene, die besonderen Wert auf Privatsphäre und Sicherheit legten. Gerade in jüngerer Zeit ist die Popularität aber sprunghaft gestiegen, dabei profitierte man nicht zuletzt von der wachsenden Kritik an Meta/Facebook und dessen Whatsapp. Mittlerweile kann Signal auf mehr als 40 Millionen monatlich aktive Nutzer verweisen – eine im Vergleich zu Whatsapp mit seinen mehreren Milliarden Usern noch immer recht überschaubare Zahl, die Tendenz ist aber weiter stark steigend.

Zudem ist der Einfluss von Signal auf die Branche auch unabhängig vom eigenen Produkt nicht zu unterschätzen. So kommt jene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die garantiert, dass nur die Teilnehmer einer Konversation selbst den Inhalt lesen können, mittlerweile auch bei einigen anderen Projekten zum Einsatz – allen voran Whatsapp selbst, das vor einigen Jahren auf das "Signal Protocol" gewechselt ist. Signal selbst hebt sich davon aber noch einmal ab, indem man auch rund um diese Verschlüsselung darauf achtet, so wenige Daten wie irgendwie möglich zu sammeln. (apo, 11.1.2022)