In drei Wochen beginnen die Spiele.

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Stecher: "Im Tross vielleicht sicherer als daheim".

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Wo man hinhört, lässt Omikron die Alarmglocken schrillen. Besonders laut klingelt’s im Wintersport, dem ab 4. Februar die Olympischen Spiele in Peking ins Haus stehen.

Einzelnen Disziplinen setzt die Pandemie mehr zu als anderen, besonders groß ist das Bangen im Eishockey. Die Größe der Teams mit den räumlichen Gegebenheiten in Kabinen, Nassräumen und Verkehrsmitteln führt dazu, dass zuhauf positive Testergebnisse zu erwarten sind. Am Donnerstag kam es in Zürich zu einem Krisentreffen der Führung des Weltverbands IIHF mit Vertretern der Ligen, dabei sollte abgewogen werden, was für und was gegen ein olympisches Turnier in Peking spricht.

Festhalten

Zuletzt hatten sich Stimmen für eine Absage gemehrt, eine diesbezügliche Entscheidung hätte allerdings das IOC zu treffen. Mag sein, es zeigt sich unbeeindruckt, obwohl zuletzt der Spielplan in vielen Ligen über den Haufen geworfen wurde – sei es in der heimischen ICE Hockey League, sei es in der NHL, die längst beschlossen hat, ihren Betrieb während und trotz der Olympischen Spiele fortzusetzen, um ihre laufende Saison irgendwie über die Runden zu bringen.

"Die Situation kann sich täglich ändern, das ist die Gefahr", fasste der deutsche Verbandspräsident Franz Reindl, der auch im IIHF-Council sitzt, zusammen. Unbedingt vermieden werden soll ein vorzeitiger Abbruch eines laufenden Turniers, exakt dieses Schicksal ereilte im Dezember die U20-WM in Kanada. Am Olympiaturnier hält das IIHF-Council aber vorerst fest. Reindl: "Die vorgestellten und geplanten Maßnahmen des IOC und der IIHF haben überzeugt. Alle stehen dahinter."

Kein Risiko

Der Skisport, der im Freien stattfindet und prinzipiell solo betrieben wird, ist weniger betroffen, Sorgen des und der Einzelnen verringert das nicht. In Wengen, wo ab heute, Freitag, wie schon in Adelboden massenhaft Fans erwartet werden, sprach Matthias Mayer aus, was viele denken. Es sei "grundsätzlich positiv, dass die Staaten endlich wieder anfangen, das Land ein bisschen zu öffnen", sagte Mayer zur Austria Presse Agentur (APA). Doch er sagte auch: "Für uns ist es nicht von Vorteil, weil wir natürlich mit Olympia in China nicht einmal das kleinste Risiko eingehen dürfen. Sonst sind wir dort einfach nicht dabei."

Eine Infektion vor den Spielen könnte dazu führen, dass China die Einreise verweigert. Noch nach Wochen könnten Tests ein positives Ergebnis bringen, umso mehr, als China schon angekündigt hat, die Schwelle des bei der Einreise zulässigen Ct-Werts noch erhöhen zu wollen. Kein Wunder, dass die Skifahrer in Wengen angesichts der geplanten öffentlichen Siegerehrungen den Kopf schüttelten.

Der Countdown

"Das ist doch eher schwer vorstellbar für mich", sagte der Schweizer Beat Feuz. "Erstens wegen der vielen Leute, die dann ganz dicht gedrängt auf wenig Raum stehen. Und zweitens wegen uns Athleten. Wir müssen Woche für Woche einen negativen Test abliefern, damit wir Rennen fahren können."

Auf die Kitzbühel-Rennen und den Schladming-Slalom, die vor den Spielen noch anstehen, verzichtet wohl keiner der Stars. Bei den Frauen könnte es anders aussehen, gut möglich, dass die eine oder andere Cortina, Kronplatz oder Garmisch sicherheitshalber auslässt. Im nordischen Lager ist die Lage wieder eine andere, sagt ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher dem STANDARD. "Bei den Springern gibt’s weniger Bewerbe, weniger Durchmischung. Da ist es im Tross und in der Blase vielleicht sicherer als daheim."

Die Springer treten vor Peking in Zakopane, Titisee-Neustadt (Ersatz für Sapporo) und Willingen an. Die ÖSV-Springerinnen holen sich bereits in Eisenerz den letzten Olympia-Schliff. Nach der Sapporo-Absage wurde kein Ersatzort gefunden, das ist zwar einerseits traurig, verringert aber andererseits das Risiko, sich während einer Reise knapp vor den Spielen noch einzufangen, was sich niemand einfangen will. (Fritz Neumann, 14.1.2022)