Kielnhofers Wächter der Zeit wurden auch international ausgestellt. Hier etwa auf der Berliner Mauer.

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Linz/Steyr – Nachdem der oberösterreichische Künstler Manfred Kielnhofer auf Social Media einen Davidstern aus Injektionsnadeln versehen mit den Worten "Jewish", "War" und "Toxic Vaccination" gepostet hat, lassen jetzt sowohl die Stadt Linz als auch die Stadt Steyr seine bekannten Skulpturen, die sogenannten Wächter der Zeit, aus dem öffentlichen Raum entfernen.

Die lebensgroßen, an gesichtslose Mönche erinnernden Skulpturen sind an unterschiedlichen Plätzen im öffentlichen Raum im In- und Ausland ausgestellt. In der Vergangenheit wurden sie immer wieder Ziel von Vandalenakten, erst in der Silvesternacht war in Linz eine Kunststoff-Statue in die Donau geworfen und von der Polizei wieder geborgen worden. Diesmal hat das Verschwinden der "Wächter" aber ernste Gründe: Nach Kielnhofers Posting hat zunächst die Stadt Steyr beschlossen, dass die vor einigen Jahren erworbenen Skulpturen vorerst aus dem öffentlichen Raum verbannt werden. Am Mittwoch teilte der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) mit, dass die Landeshauptstadt die Nutzungsvereinbarung mit Kielnhofer widerrufe und ihn auffordere, die Figuren von der Donaulände zu entfernen. "Werke antisemitischer Künstler haben in unserer Stadt im wahrsten Sinne des Wortes keinen Platz – ganz besonders auch nicht im Vergleich mit der Covid-19-Pandemie", so Luger.

Das Posting Kielnhofers strotzt vor antisemitischen Codes.
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Der Künstler verteidigte gegenüber der "Bezirksrundschau" und den "Oberösterreichischen Nachrichten" sein Posting: "Ich mach halt sehr kritische Sachen", sagte Kielnhofer. Es sei "doch klar, dass die Hersteller von Impfstoffen oft jüdisch sind. Ich hab' das irgendwo gelesen. Schauen Sie doch nach, wer die Chefs der Pharma-Industrie sind." Gleichzeitig räumte er ein, dass er wohl "übers Ziel hinausgeschossen" sei. Zudem will der Künstler nur für den Davidstern aus Spritzen verantwortlich sein, die verfänglichen Worte habe aber jemand anders eingefügt. In einer schriftlichen Stellungnahme an die "Bezirksrundschau" hieß es, er sei gehackt worden.

"Sprachlos und schockiert angesichts der perfiden Geschmacklosigkeit dieser Verschwörungstheorie", zeigte sich der Direktor der Kultur GmbH des Landes Oberösterreich, Alfred Weidinger. "Die Geisteshaltung des Autors dieser Illustration stellt eine Bedrohung aller demokratischen, humanen und solidarischen Werte in unserem Land dar. Auch künstlerische Freiheit ist nicht grenzenlos." (APA, 19.1.2022)