Das Tauchteam entdeckte bei der Kartierung des Ozeanbodens ein Riff in ungewöhnlich tiefer Lage.
Foto: Alexis Rosenfeld / AP

"Wie ein Kunstwerk" sieht es dem Unterwasserfotograf Alexis Rosenfeld zufolge aus, das Korallenriff, auf das nun ein Forschungsteam vor der Küste Tahitis stieß. Geschaffen wurde es von Nesseltieren in 35 bis 70 Metern Tiefe. Und mit seinem breiten Format – einer Länge von mehr als drei Kilometern – zählt es zu den größten Riffen, die in dieser Tiefe bisher entdeckt wurden, heißt es von der UN-Behörde Unesco, die die Mission leitete.

Weltweit grassiert aufgrund der immer wärmer und saurer werdenden Meere die Korallenbleiche, auch Schadstoffe setzen den Lebewesen zu. Doch dieses Riff in Französisch-Polynesien scheint noch in gutem Zustand zu sein.

Produktiv trotz Dämmersicht

Entdeckt wurde es im November im Zuge eines internationalen Projekts, das den Meeresböden auf den Grund geht und die Ökosysteme genauer erfasst. Denn wie es am Ozeanboden aussieht, ist noch immer nur teilweise bekannt: Der Unesco zufolge sind etwa 20 Prozent kartografisch erfasst. Julian Barbière von der Kommission für Ozeanografie vermutet, dass es noch viele weitere solcher Ökosysteme gebe, von denen man nichts wisse.

Trotz der Tiefe erhalten die Algen im Riff offenbar genügend Licht, um Stoffwechsel zu betreiben.
Foto: Alexis Rosenfeld / AP

"Normalerweise finden wir die Riffe in seichterem Wasser", sagte Barbière der BBC: Die Algen, die hier üblicherweise leben, benötigen Licht, um Fotosynthese zu betreiben und Energie zu produzieren. Da das Riff aber etwas weiter von der nächsten Landfläche entfernt liegt und relativ wenig Sedimente die "Sicht" versperren, scheinen sie trotz der dämmrigen Lage in der Tiefe ausreichend Sonnenlicht zu erhalten.

Tadellos dank Tiefe

Fachleute fordern seit längerem Maßnahmen gegen das Absterben der Korallenriffe weltweit. Zu den Ursachen für ihre Zerstörung zählen vor allem die Überfischung, die Verschmutzung der Meere sowie der Klimawandel. "Wir denken, dass tiefergelegene Riffe womöglich besser vor der Erderwärmung geschützt sind", sagt die Taucherin Laetitia Hedouin vom Nationalen Forschungsinstitut Frankreichs.

Ungefähr 25 Jahre dauert es, bis ein Korallenriff dieser Art und Größe heranwächst.
Foto: Alexis Rosenfeld / AP

Ihrer Einschätzung nach dauert es etwa 25 Jahre, bis ein Riff sich wie das tahitianische entwickelt. "Die Entdeckung dieses Riffs in solch einem tadellosen Zustand ist eine gute Neuigkeit, und sie kann künftige Naturschutzbemühungen inspirieren", sagt Hedouin. Alexis Rosenfeld, der das Tauchteam leitete, schwärmt: "Es war magisch, riesige, wunderschöne Rosenkorallen zu sehen, die sich so weit erstrecken, wie das Auge reicht." Das nächste Ziel ist, die Arten aufzuspüren und zu dokumentieren, die im Riff leben. (red, APA, 20.1.2022)