Die Eruption des polynesischen Unterwasservulkans Hunga Tonga-Hunga Ha'apai, aufgenommen am 14. Jänner 2022. Die Druckwelle war auch in Österreich messbar.

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Als wohl stärkste vulkanische Explosion der vergangenen Jahrhunderte, die noch in Alaska hörbar war, kam der Ausbruch des Hunga Tonga-Hunga Ha’apai der Detonation einer Wasserstoffbombe gleich. 30 Kilometer stieg die Aschesäule in den Himmel und reichte damit bereits in die Stratosphäre. Die Aufstiegshöhe und die Menge des ausgeworfenen Materials legen fest, wie weitreichend sich die Folgen einer Eruption gestalten.

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In 20 bis 30 Kilometer Höhe findet keine Wolkenbildung statt, die Luftschicht ist sehr stabil. Eingetragenes vulkanisches Material wird nicht durch Niederschlag aus der Atmosphäre entfernt und kann sich dort oft jahrelang halten und nachwirken. So geschehen bei der zerstörerischsten Eruption, die sich in den vergangenen 10.000 Jahren ereignete.

Das Jahr ohne Sommer

Im April 1815 brach der indonesische Tambora in einer gewaltigen Explosion aus. Sieben Mal umkreiste die Druckwelle den Erdball, im 1260 Kilometer entfernten Java regnete Asche vom Himmel, das Klima kühlte global für zwei Jahre ab. Der Ausbruch bescherte weiten Teilen der westlichen Hemisphäre 1816 das "Jahr ohne Sommer", dafür Hagel, Missernten und die schlimmste Hungersnot des 19. Jahrhunderts.

Dass Forschende hierzulande nach der Eruption des polynesischen Vulkans keine globalen klimatischen Auswirkungen befürchten, liegt an der relativ geringen Menge an Material, das in hohe Luftschichten gelangte. Um weltweit für Probleme zu sorgen, sei der Ausbruch schlicht zu kurz gewesen, erklärt Hannah Pomella, Geologin an der Universität Innsbruck. "Die lokalen Auswirkungen sind sicherlich größer als die globalen", sagt sie.

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Kühlende Gluthitze

Bei einem Ausbruch speit ein Vulkan neben Lava und Asche auch giftige Gase wie Schwefeldioxid. Diese auch aus Seitenkratern austretenden Verbindungen können die Gesundheit der lokalen Bevölkerung in einem Radius von bis zu 100 Kilometern schwer in Mitleidenschaft ziehen. Noch über eine Entfernung von 1000 Kilometern können die Luftschadstoffe zu Grenzwertüberschreitungen an Messstationen führen. In der Stratosphäre reflektieren diese Verbindungen zudem Sonnenlicht, wodurch die Erde abkühlt.

Eruptionen dieser Tragweite seien selten, ereigneten sich in einem Jahrhundert nur wenige Male, sagt Gerhard Wotawa von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Rund 60 Vulkane brechen weltweit jedes Jahr aus, die letzte globale Abkühlung (um 0,5 Grad Celsius) brachte 1991 der Ausbruch des philippinischen Pinatubo mit sich.

Vulkanische Vorwarnung

Obwohl derartige Ereignisse weltweit Ernteausfälle und ökonomische Einbußen bedingen können, bedeuten Vulkane für diejenigen in ihrer Nähe das größte Risiko. Gefahr geht von eingeatmeten Aschepartikeln, herabstürzenden Gesteinsbrocken, glühend heißen Lavaströmen, giftigen Gasen und pyroklastischen Strömen aus. Letztere sind Lawinen aus heißer Asche, Gasen und Gestein, die mit Temperaturen von bis zu 700 Grad und Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h alles vernichten, was ihnen im Weg steht.

In Europa gilt der derzeit schlafende Vesuv als bedeutendste Bedrohung vulkanischer Natur. Er wird allerdings gut überwacht. Oft kündigen vermehrte kleine Erdbeben einen bevorstehenden Ausbruch an. Auch der verstärkte Austritt von zunehmend heißen Gasen aus Erdspalten, Fumarolen genannt, gilt als Warnzeichen.

Für Europäer sei die größte Gefahr jedoch der Urlaub in Vulkangebieten, sagt Robert Supper, Vizedirektor der Geologischen Bundesanstalt (GBA). Die Menschen seien sich der Gefahr oft nicht bewusst oder gingen davon aus, dass schlummernde Vulkane sicher seien. "Aber Vulkane sind nie sicher." (Marlene Erhart, 22.1.2022)