Der 29-jährige Innviertler Lukas Weißhaidinger holte EM-, WM- und Olympia-Bronze.

Foto: Reuters/Martinez

Der STANDARD feiert seine zehntausendste Ausgabe. Aus diesem Anlass beschäftigen wir uns mit der Zahl Zehntausend.

Manchmal sind es nur zehn Würfe am Tag, dann gibt es wieder Tage mit 300 bis 350 Wiederholungen. Mein Trainer Gregor Högler sagt, dass ich im Jahr auf 15.000 Würfe bzw. Imitationen komme. Das meiste passiert am KTG, an einem Krafttrainings-gerät, das wir selbst konstruiert haben. Da ersetzt ein Schlitten den Diskus, er wird geführt, von Stoßdämpfern gebremst und kommt gleich wieder zurück. Das gibt mir die Freiheit, dass ich nicht so viel mit dem Diskus selbst machen muss.

Das KTG ist nach meinen Proportionen gebaut worden, ich bin der einzige Mensch weltweit, für den es ganz genau passt. Das Gerät simuliert den Abwurf. Wir haben einige Schlitten, der leichteste hat vier, der schwerste 14 Kilogramm. Die Bewegung erfolgt rein nach vorn. Das heißt, ich muss keinen Diskus halten, der Schlitten fällt nicht runter. Die Belastung ist auf die Muskulatur ausgerichtet, die für den Wurf wichtig ist – Brust, Trizeps, Bizeps. Würde ich eine 14 Kilo schwere Kugel oder Scheibe wirklich werfen, würde ich fast mehr halten als werfen. Das würde Muskeln beanspruchen, die ich für den Wurf kaum brauche, und Sehnen und Bänder stark belasten.

Kaum jemand weiß, wo das KTG steht, wir lassen es auch nicht fotografieren, damit es niemand nachbauen kann. Solche Geräte gibt es nur sehr wenige auf der Welt, und meines hat viel zum Erfolg beigetragen. Es macht ordentlich Lärm, wenn der Schlitten gegen die Stoßdämpfer knallt. Bei 300 Wiederholungen kriegst du schon Schädelweh. Aber es steht dafür.

Wir versuchen im Training, immer wieder neue Reize zu setzen. Für jeden Zentimeter, den ich weiter werfen will, muss ich Neuland betreten. Die KTG-Arbeit ist monoton, das unterschreib ich. Aber gewisse Wiederholungen gehören dazu. Mir geht es wie dem Steinmetz, der 1.000-mal auf einen Stein haut, damit der Stein beim 1.001. Mal zerbricht. (Protokoll: Fritz Neumann, 24.1.2022)