Ein Gast bei der Trauerfeier für den getöteten Präsidenten Jovenel Moïse hält dessen Bild in Händen.

Foto: AP / Matias Delacroix

Port-au-Prince – Im Fall der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse hat Garry Orélien als bereits zweiter zuständige Richter nach Medienberichten den Fall abgegeben. Er nannte persönliche Gründe, wie haitianische Medien unter Berufung auf einen Brief Oréliens am Freitag berichteten. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur RHI war ein Antrag Oréliens auf eine Verlängerung der auf drei Monate begrenzten gesetzlichen Frist, die Ermittlungen abzuschließen, abgelehnt worden.

Die Menschenrechtsorganisation RNDDH hatte dem Richter Korruption vorgeworfen. Trotz Dutzender Festnahmen kam in Haiti bisher, mehr als sechs Monate nach dem Mord an Moïse, niemand vor Gericht. In der US-Stadt Miami wurden allerdings in diesem Monat zwei ausgelieferte Verdächtige – ein Kolumbianer und ein haitianisch-chilenischer Doppelbürger – nach ihren Festnahmen in Jamaika und der Dominikanischen Republik unter anderem wegen Verschwörung zum Mord oder zur Entführung angeklagt.

In Residenz erschossen

Moïse war in der Nacht zum 7. Juli vergangenen Jahres in seiner Residenz in Port-au-Prince mit zwölf Schüssen getötet worden. Rund 20 kolumbianische Söldner und mehrere haitianisch-US-amerikanische Doppelbürger sollen daran beteiligt gewesen sein. Die Ermittler in den USA gehen davon aus, dass der Plan ursprünglich lautete, Moïse zu entführen. Die Hintergründe der Tat sind noch immer unklar. (APA, 22.1.2022)