Die Impfpflicht für Berufe im Gesundheitsbereich wird in Deutschland nicht von allen akzeptiert. Im Bild: eine Demo in Hamburg im vergangenen Dezember.

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In Italien ist es schon längst berufliche Realität, in Deutschland wird die Impfpflicht für das Gesundheitspersonal Mitte März eingeführt. Und dennoch: Seit Jahresbeginn häufen sich in zahlreichen deutschen lokalen und regionalen Zeitungen Stellengesuche von Pflegekräften, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen und nun mit Arbeitslosigkeit rechnen. Nach einem Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Focus" "gibt es deutliche Hinweise, dass es sich um eine abgesprochene Aktion handelt. Und es gibt einige Ungereimtheiten."

Aufgebracht hatte die Geschichte zuerst ein Journalist des rbb. Er hatte die Stellenanzeigen in seiner örtlichen Zeitung durchgerufen, und dabei keine tatsächlich jobsuchenden Menschen gefunden – stattdessen leere Leitungen und Personen, die eine Jobsuche in Abrede stellten.

Ob "Traunsteiner Tagblatt", ob "Oberlausitzer Kurier" , so nun der "Focus" in einer Betrachtung weiterer Zeitungen: Mitunter seien, zeitlich auf wenige Tage komprimiert, jeweils über 100 Stellengesuche gebucht und veröffentlicht worden. Und alle Jobsuchenden hätten darauf hingewiesen, ungeimpft zu sein. Zudem seien viele der in den Annoncen angegebenen Telefonnummern offenkundig falsch und wiesen einen sehr ähnlichen Wortlaut auf, der klar impfkritischen Inhalts sei.

Eine von "Focus" kontaktierte Inserierende bestätigte demnach: "Die Aktion war abgesprochen, aber die Anzeigen sind kein Fake. Hinter den Anzeigen stecken wirkliche Kollegen aus dem Pflegebereich, die die Impfpflicht betrifft." Aber sie sagt auch: "Ich habe mich mit Kollegen aus meinem Heim und anderen, die ich im Gesundheitsbereich kenne, relativ spontan dazu abgesprochen, um ein Zeichen zu setzen." Auch weitere kontaktierte Personen bestätigten dem Magazin die Echtheit ihrer Annonce. Andere Kontakte hingegen hätten sich als Sackgasse erwiesen.

Die Webplattform "T-Online" will Hinweise darauf gefunden haben, dass solche Absprachen in Chatgruppen des Messengerdienstes Telegram erfolgt sein könnten. So habe sich eine Gruppe in Sachsen die zunächst in Bayern gestartete Aktion möglicherweise zum Vorbild genommen. Tatsächlich seien kurze Zeit später in sächsischen Zeitungen wie dem "Wochenkurier" aus Dresden vermehrt solche Anzeigen erschienen. Laut "T-Online" ist eine weitere, auf Telegram inszenierte Annoncenwelle für den 29. Jänner in der "Heilbronner Stimme" geplant.

Von der "Bild"-Zeitung befragt, gibt sich der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, gelassen: Er rechne nicht mit einer bevorstehenden Kündigungswelle im Gesundheitswesen, bloß um der Impfpflicht ab 16. März zu entgehen. (red, 24.1.2022)