Oft wurde das Normandie-Format zuletzt totgesagt. Und doch ist es gut, dass man es nicht wirklich abgeschrieben hat. Klar, die Vierergruppe bestehend aus Russland, der Ukraine, Deutschland und Frankreich erschien manchen eher als Fundstück aus der diplomatischen Mottenkiste. Ins Leben gerufen wurde sie ja bereits 2014, zur Eindämmung der Kämpfe im Donbass. Dass sich die Ukraine-Krise nun zu einem geopolitischen Konflikt mit russischen Forderungen an USA und Nato auswächst, hat den Fokus zudem auf direkte Verhandlungen zwischen Moskau und Washington gelegt.

Ukrainische Soldaten patrouillieren an der Linie zur selbsternannten Volksrepublik Donezk.
Foto: AP/Andriy Andriyenko

All das spricht aber nicht dagegen, das Normandie-Format als Plattform weiter zu nutzen. Mehr als 30 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs einmal mehr den Kreml und das Weiße Haus über das Schicksal Europas entscheiden zu lassen ist auch aus Sicht der militärisch weitgehend machtlosen EU keine verlockende Option. Auch wenn Deutschland und Frankreich nicht für die ganze Union sprechen können, ist es im europäischen Interesse, dass sie weiter als Vermittler fungieren.

Zudem verlaufen Bruchlinien nicht nur zwischen Russland und dem Westen. Kiew zeigte sich zuletzt auch verärgert über die Deutschen, die keine Waffen ins Krisengebiet liefern wollen und vorerst an Nord Stream 2 festhalten. Das mag das Normandie-Format belasten und Moskau in die Hände spielen; dennoch sollten alle Gesprächskanäle offen gehalten werden. Vor allem solche, in denen die Ukraine selbst zu Wort kommt. (Gerald Schubert, 26.1.2022)