Premier Boris Johnson am Mittwoch im Parlament. Die Entschuldigung eines seiner Anhänger – "er wurde mit einer Torte überfallen" – ging viral.
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"Financial Times" (London): Kindische Ausreden

"Zehnjährige, die Fußbälle durch Fensterscheiben kicken, kommen mit plausibleren Ausreden daher."

"The Guardian" (London): Johnson ist untauglich für sein Amt

"Die Polizei hat nun eine entscheidende Rolle zu spielen. Sie muss der Öffentlichkeit beweisen, dass für die Inhaber hoher Ämter dieselben Gesetze gelten wie für alle anderen. Doch wie auch immer die Partygate-Affäre ausgeht, die allgemeinen Bedenken hinsichtlich des Verhaltens der Regierung werden kaum verschwinden. Die Öffentlichkeit braucht Redlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt von ihren Regierenden, besonders in einer Zeit, die für viele extrem schwierig ist.

Die Tory-Abgeordneten hielten sich letzte Woche mit dem Versuch zurück, ihren Anführer zu stürzen, weil sie aus gutem Grund nervös waren, was seine wahrscheinlichsten Nachfolger angeht. Das könnte sich angesichts der jüngsten Entwicklungen durchaus ändern. Es ist wohl offenkundig, dass dieser Premierminister untauglich für das Amt ist."

"The Telegraph" (London): "Partygate" lenkt von dringenderen Problemen ab

"Viele Menschen wurden wegen Verstößen gegen die Vorschriften zu Geldstrafen verurteilt, wobei Party-Organisatoren besonders harte Strafen drohen. Warum sollten die Mitarbeiter von Downing Street Nr. 10 und selbst der Premierminister anders behandelt werden? (...) Um solche Verstöße festzustellen, waren bisher allerdings keine umfassenden Ermittlungen erforderlich. Und es gibt keinen Grund, warum die Vorgänge in der Downing Street nicht zügig auf die übliche Weise geahndet werden können.

(...) Die Labour Party meinte, allein schon die Tatsache, dass es eine Untersuchung gebe, bedeute, dass Johnson sofort zurücktreten müsse. Diese Position vertrat Labour nicht, als 2007 wegen Tony Blairs Parteispendenaffäre 'Geld für Ehrungen' ermittelt wurde. Außerdem ist das Land mit dringenderen Problemen konfrontiert, die Stabilität erfordern – nicht zuletzt die Kriegsgefahr im Osten Europas. Die große Gefahr von 'Partygate' besteht darin, dass es von den alltäglichen Anforderungen des Regierens ablenkt." (APA/red, 26.1.2022)