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Johannes Strolz auf der Fahrt zu Gold.

Foto: REUTERS/BALIBOUSE

Die Geschichte ist gut, die Leistung war hervorragend. Johannes Strolz, der erst in diesem Jahr zum Sieg im Weltcup gefunden hatte, stand im Zielraum des Alpin-Zentrums Xiaohaituo zu Yanqing, kämpfte mit den Tränen und fand ähnliche Worte wie schon am 9. Jänner dieses Jahres nach seinem sensationellen Triumph im Slalom von Adelboden.

Der 29-Jährige aus Warth in Vorarlberg dankte allen, die stets an ihn geglaubt hatten, zuvorderst der Familie um seinen inzwischen 60-jährigen Vater Hubert. Der hatte 1988 in Calgary die olympische Kombination gewonnen und war damit nach 14 vorhergehenden Podestplätzen dem Ruf des ewigen Zweiten entkommen. Diesbezüglich war sein Sohn nie gefährdet.

Durch die Hintertür

Johannes Strolz feierte seine Siege aus der Position des fast schon Abgeschriebenen heraus, dem im vergangenen Herbst eine Hintertür in Form eines Qualifikationsrennens auf der Reiteralm geöffnet worden war. Der "Superskifahrer ohne Ergebnisse", wie Technikchef Marko Pfeifer den nunmehrigen Olympiasieger bezeichnete, stand mit dem Rücken zur Wand und vollbrachte Pfeiffers Dafürhalten nach eine mentale Meisterleistung. "Es war sicher das schwerste Rennen seines Lebens. Es hat ihn mental stärker gemacht."

Strolz, dessen bestes Weltcupergebnis vor dem Durchbruch in Adelboden ein zehnter Platz gewesen war, gehörte vor knapp einem Jahr keinem Kader mehr an, hatte sich um sein Material selbst zu kümmern und konnte schon froh sein, da und dort, etwa auch mit den deutschen Kollegen, mittrainieren zu dürfen. Auch nach dem Qualirennen auf der Reiteralm hielt der Sportpolizist, der im Sommer schon Streifendienst in Dornbirn versehen hat, an seinem Prozedere fest. Weshalb er auch nach dem Erfolg in Adelboden allen Unterstützungsangeboten seitens des österreichischen Skiverbands (ÖSV) widerstand und nichts groß ändern wollte.

"Ich habe noch nie so eine Geschichte erlebt", sagte Österreichs Männer-Rennsportleiter Andreas Puelacher, nachdem Strolz in China nach den Worten von Coach Pfeiffer einer "unglaublichen Abfahrtsleistung" und Rang vier zur Halbzeit einen "beeindruckenden Slalom" folgen ließ. Mit der schnellsten Zeit zwischen den Kippstangen verwies er den Norweger Aleksander Aamodt Kilde und den überraschend starken Kanadier James Crawford, die nach der Abfahrt noch 75 bzw. 73 Hundertstel einer Sekunde vor ihm gelegen waren, um 0,59 bzw. 0,68 Sekunden auf die Plätze.

Zwischenstation Tarvis

Rennsportleiter Puelacher hat Strolz im Vorfeld der Spiele ein wenig zu seinem Glück überreden müssen. Den notwendigen Abfahrtsstart für einen Platz im Kombi-Team absolvierte der Technikspezialist im Europacup-Rennen zu Tarvis, wo er 39. wurde. Umso überraschender kam der geringe Rückstand zur Halbzeit seines ersten olympischen Bewerbs.

Der litt doch ein wenig unter Starmangel. Schon im Vorfeld stand fest, dass nur eine Handvoll Athleten für eine Medaille infrage kommen würde. Der logische Olympiasieger, der Franzose Alexis Pinturault, scheiterte im Slalom an dem Versuch, das im Duell mit Marcel Hirscher 2018 in Pyeongchang verpasste Gold nachzuholen. Weltmeister Marco Schwarz scheute nach durchaus starker Abfahrt das Risiko im Slalom und musste sich mit Rang fünf bescheiden.

Das ist für den 26-jährigen Kärntner umso bitterer, als die Kombination aus dem olympischen Programm verschwindet. 2026 in Cortina d’Ampezzo wird das Stiefkind des alpinen Skisports durch einen Parallelbewerb ersetzt. Im Weltcup wird ohnehin nicht mehr kombiniert.

Johannes Strolz, als Kombi-Olympionike zwar der erste Alpine, der es einem Elternteil nachmachte, aber eben auch der Letzte seiner Art, steht nun vor der Aufgabe, aus den Fußstapfen seines Vaters zu treten. Hubert Strolz, der sich am Tag des Triumphs seines Sohnes sehr beeilt hatte, daheim in Warth die Stallarbeit zu erledigen, um mit Familie und Freunden den Slalomdurchgang in China verfolgen zu können, hatte im Vorfeld seines Olympiasieges sein einziges Weltcuprennen gewonnen – eine Kombination in Bad Kleinkirchheim. (APA, lü, 10.2.2022)

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